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Paul Krugman als Schulhofrowdy

Das Verhältnis zwischen der USA und China steuert einem neuen Tiefpunkt entgegen, denn in den Vereinigten Staaten tobt eine heftige Debatte über die tatsächliche oder vermeintliche Unterbewertung der chinesischen Währung. Ausgerechnet der linksliberale Ökonom und Zeitungskolumnist Paul Krugman fordert nun in der New York Times nun Strafzölle auf chinesische Produkte von bis zu 25%, um eine andere chinesische Währungspolitik zu erzwingen. Kurz gefasst fordert einer der schärfsten Kritiker der Außenpolitik der Bushjahre, dass die USA gegen China einen Handelskrieg führen. Und ist damit nicht weit von der Linie der Regierung entfernt.

Aber worum geht es eigentlich?

Die chinesische Währung, der Renminbi, ist fest an den Dollar gekoppelt, und er unterliegt noch dazu strengen Kapitalverkehrskontrollen. Nun wird allgemein vermutet, dass der Renminbi bei freien Wechselkursen einen höheren Wert hätte, China also einen künstlich niedrigen Wechselkurs herbeiführt, durch den Importe teurer, Exporte aber billiger sind, um so einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil zu haben. Dieser Wechselkurs kann aber nur dadurch erreicht werden, dass China am Markt massiv Dollars aufkauft, zu einem großen Teil in Form amerikanischer Staatsschuldverschreibungen.

Kritiker wie Krugman meinen nun, dass dadurch Arbeitsplätze für chinesische Industriearbeiter auf Kosten der Arbeiter in anderen Ländern geschaffen werden, wie der Nobelpreisträger schreibt:

China, by engineering an unwarranted trade surplus, is in effect imposing an anti-stimulus on these economies, which they can’t offset.

Aber stimmt das überhaupt?

I = S

Nun, hinter der Bewertung steckt auch ein strukturelles Problem. Die USA sparen insgesamt bekanntlich sehr wenig, und das steigende Budgetdefizit tut da sein übriges dazu. Die Chinesen sparen sehr viel, und zwar auf allen Ebenen. Das war vernünftig, um das notwendige Kapital für Investitionen zu erhalten; das ist vernünftig, weil auf China als Ganzes im Gefolge der Ein-Kind-Politik gewaltige soziale Kosten zukommen, und weil für den einzelnen Chinesen dieses Sparen eine gute Versicherung angesichts eines schwachen sozialen Netzes ist, und aus einigen anderen Grünen mehr. Jedenfalls sparen die Chinesen mehr, als sie im eigenen Land investieren können. Sie kaufen daher ausländische Anlagen auf, d.h. sie verkaufen Renminbi und kaufen die Währung des anderes Landes, was automatisch den Wert des Renminbi drückt. Eine Aufwertung würde nur kurzfristig Erleichterung verschaffen — Scott Sumner erinnert hier an die Geschichte des japanischen Yen:

I seem to recall that back around 1970 the US government kept insisting that the Japanese trade surplus was caused by an undervalued yen. Then the yen was revalued 20%, but the “problem” continued. Then another 20%, then another 20%, then another 20%, then another 20%. The yen has now gone from 350 to 90 to the dollar. My math isn’t very good, but that sure seems like a lot of 20% revaluations. And the Japanese still run a current account surplus that is more than half the size of China’s surplus, despite having less than 1/10th China’s population

Für die USA kommt noch dazu, dass China der wichtigster Abnehmer amerikanischer Staatsanleihen ist. Wenn China seine Nachfrage danach einschränkt, ist damit zu rechnen, dass die US-Regierung für die Finanzierung ihres gewaltigen Haushaltsdefizits höhere Zinsen zahlen müsste, um genügend andere Kreditgeber zu finden. Wie Greg Mankiw vor einem Jahr geschrieben hat:

So when the Treasury secretary complains about the undervalued yuan, his message to the Chinese boils down to this: Stop lending us money. Not surprisingly, after Mr. Geithner made his remarks about the Chinese currency, the prices of Treasuries fell and yields rose. If China took him seriously, long-term interest rates would rise even more.

Balassa und Samuelson auf Besuch

Was geschieht eigentlich, wenn eine Währung zu niedrig bewertet ist?

Die Exporte werden vergleichsweise billiger, d.h. die Nachfrage nach chinesischen Exporten steigt; die Importe werden teurer, womit ausländische Produkte am chinesischen Markt weniger konkurrenzfähig sind, aber dafür auch Vorprodukte und Rohstoffe für chinesische Produkte teurer geworden sind. Als direkter Effekt der steigenden Nachfrage nach chinesischen handelbaren Gütern steigen Löhne und Preise im Bereich der handelbaren Güter (z.B. Fernseher), und ziehen über den Balassa-Samuelson-Effekt auch die Löhne und Preise bei nichthandelbaren Gütern (z.B. Busfahrten in Shanghai) nach. Diese Preiserhöhungen führen wiederum zu einer realen Aufwertung (auch ohne Wechselkursänderung), weil die Kaufkraft des Renminbi relativ abnimmt.

Harvard-Ökonom Jeffrey Frankel hat den Balassa-Samuelson-Effekt für China untersucht; dabei stellt er fest, dass die chinesische Währung tatsächlich seit 1990 real aufgewertet hat und damit einen Teil der früheren Unterbewertung aufgeholt hat. Tatsächlich ist aber auch dank des rasanten Produktivitätswachstums in China noch eine große Lücke zwischen Kaufkraftparität und Wechselkurs zu schließen.

Die Inflation Chinas steigt noch zusätzlich, weil die chinesische Regierung enorme Summen in Konjunkturpakete investiert hat — wahrscheinlich eine Spur zu viel. Daher wird die chinesische Notenbank wohl versuchen, die Preise u.a. durch eine sanfte Aufwertung zu dämpfen. Allerdings kann sie — schon um ihr Gesicht zu wahren — das nicht auf Zuruf tun. Oder, wie Francis Cianfrocca vom konservativen Blog Red State schreibt:

China will revalue, but only if their leadership can portray the move as having been determined by themselves, without any foreign pressure. By trying to force the issue, we’ve pushed it back instead.

Es entbehrt auch ganz allgemein nicht einer gewissen Komik, wenn jetzt von Seiten der USA ein scharfer Kurs gegen die chinesische Währungspolitik gefahren wird, sind doch in den letzten Jahren die US-Exporte nach China stärker gewachsen als die chinesischen Importe in die USA. Vielmehr sind es wahrscheinlich die anderen Entwicklungsländer, die unter einem billigen Renminbi gelitten haben, weil sie tatsächlich mit China im Wettbewerb um die Erzeugung der gleichen Produkte stehen. Für die Amerikaner, aber auch die Europäer waren hingegen billige chinesische Importe durchaus positiv, haben sie doch zu günstigeren Produkten für die Konsumenten geführt, wovon vor allem die einkommensschwächeren Schichten durchaus profitiert haben.

Jetzt sollte man jedenfalls hoffen, dass sich die wirtschaftspolitischen „Falken“ nicht durchsetzen — obwohl ihre populistische Linie natürlich sehr mediengerecht ist —, die einen transpazifischen Handelskrieg auslösen wollen, der nicht nur auf die Kontrahenten, sondern auf die ganze Weltwirtschaft verheerende Auswirkungen hätte.

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