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Was richtig ist, bestimmt immer noch die Kommission!

Die sogenannte Bioethikkommission im Bundeskanzleramt unter der Leitung der Juristin Christiane Druml hat eine Tagung zum Thema zur Fortpflanzungsmedizin veranstaltet, mit dem bezeichnenden Untertitel „Was will die Gesellschaft?“.

Sie weist schon auf etwas hin, mit dem ich nichts anfangen kann: Eine solche Kommission ergibt nur einen Sinn, wenn Ethik als etwas rein Konventionelles, jeder Vereinbarung zugängliches begriffen wird. Da kann man herumdiskutieren und verhandeln, und hätte dann einen Konsens gefunden, der gleichzeitig „ethisches Handeln“ vorgibt. Das ist meines Erachtens ein Kategoriefehler. Durch Verhandlung können die meist strafbewehrten Regeln eines Gemeinwesens gefunden werden, damit das Zusammenleben funktioniert. Was aber jeder selbst tun soll, was es heißt, gut zu handeln, nach dem Guten zu streben, was das richtige ist, weist im Idealfall eine große Schnittmenge mit den Regeln des Gemeinwesens auf, ist aber doch von ihm der Natur nach verschieden.

Nur in der deskriptiven Ethik könnte diese zusammengewürfelte Gruppe tatsächlich etwas leisten, stattdessen soll sie aber der Politik ein Schutzschild für fragwürdige Entscheidungen geben, indem die Kommission „Empfehlungen“ ausspricht. So, als ob die Kommissionsmitglieder eine besondere Einsicht darin hätten, was richtig und was falsch sei – obwohl die Kommissionsmitglieder zum Teil völlig verschiedene Konzepte von Ethik verfolgen.

Vor zwei Jahren habe ich die Leiterin der Kommission, Dr. Christiane Druml, wegen einiger ihrer Aussagen in einem Interview scharf attackiert. Das war keineswegs ungerecht von mir, wie ein neuerliches Interview der Juristin beweist. So wischt sie die Sorge um Selektion durch schrankenlose Präimplantationsdiagnostik mit dem einrahmenswerten Satz beiseite: „Ich verstehe nicht, warum die Leute nicht auf das Recht vertrauen. Andere Regelungen führen ja auch nicht automatisch zu Ausweitung und Missbrauch.“ Salopp formuliert: Sie soll einmal ihren Steuerberater oder Rechtsanwalt fragen, wie das so mit den Grenzen der Gesetzesanwendung und -auslegung in der Praxis aussieht. Wobei das keine Kritik an diesen Berufen sein soll: Es ja gerade der Job dieser Leute, das Beste für ihre Klienten zu erreichen, auch wenn dabei manchesmal kreative Rechtsinterpretationen nötig sind. Aber dass eine Juristin behauptet, es gebe keine Gefahr des Rechtsmissbrauchs, kann kaum guten Gewissens erfolgt sein.

Ethische Probleme spricht sie im Interview übrigens auch gar nicht an, ihr geht es nur um „gesellschaftliche Entwicklungen“, „Diskussionsbedarf“ und subjektives Empfinden, wie im floskelhaften „ich kann mir nur sehr schwer vorstellen“. In einem Gastkommentar in der „Presse“ spricht sie sich für ein „Anything goes“ ein, da jede Beschränkung künstlicher Reproduktion auf Machtspiele gegen Frauen hinausliefe. Ich kann, zugegebenermaßen, ihrer Argumentation im Gastkommentar nicht folgen, dort hat sie aber wenigstens eine.

Wenn man zynisch ist, kann man festhalten, dass Drumls Bestellung zur Vorsitzenden völlig zurecht erfolgt ist, da sie der Industrie in allen Fragen Rückendeckung gibt, ob es sich um In-Vitro-Fertilisation, Stammzellenforschung oder andere Themen handelt; manchmal scheint sie nur insoweit übers Ziel hinauszuschießen, als selbst der Bundeskanzler den Empfehlungen der Kommission öfters die Folge verweigert hat, und nicht etwa für eine weitgehende Freigabe der Arbeit mit sogenannten embryonalen Stammzellen, die durch Tötung Ungeborener im frühesten Entwicklungsstadium gewonnen werden, eingetreten ist. Aber die Drumls dieser Welt arbeiten daran, dass sich das ändert.

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