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Großbritannien: Die herzlose Sparpolitik hat noch gar nicht begonnen

Bei den Londoner Krawallen hat es nur wenige Stunden gedauert, bis die herzlose Sparpolitik der britischen Tory-LibDem-Koalition für die Gewalt verantwortlich gemacht worden ist. Breitbild-Fernseher und Smartphones stehlen ist bekanntlich auch die logische Reaktion auf politische Mißstände. Dass Cameron noch gar nicht lange genug an der Macht ist, um für den tiefgreifenden, durchaus negativen sozialen Wandel in Großbritannien verantwortlich zu sein, der sich in stärkerem Extremismus, Gewaltexzessen, Ghettobildung etc. niederschlägt, musste vom Zeitablauf her ohnehin klar sein.

Aber auch das Gros der Kürzungen, die angeblich für die Krawalle verantwortlich sind, ist noch nicht in Kraft getreten, wie man auf den Seiten des britischen Finanzministeriums erkennen kann. Die Regierung setzt nämlich vielmehr auf eine langsame, stufenweise Reduktion des Defizits, was Beobachtern wie hier Fraser Nelson im Spectator zwar zu langsam ist, aber angesichts der Wirtschafts- und Schuldenkrise sehr vernünftig scheint, in der das Vereinigte Königreich gerade wegen seines Sparprogramms und des nun wieder nachhaltigen Budgetplans ohnehin zu den verlässlicheren Schuldners gezählt wird.

Trotzdem ist natürlich die Reduktion des Defizits Schuld und war die Hauptsorge der meist jugendlichen Gewalttäter. So formuliert, klingt es irgendwie nach dem Versuch billiger politischer Punkte.

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3 thoughts on “Großbritannien: Die herzlose Sparpolitik hat noch gar nicht begonnen

  1. Aber so einfach interpretiert hab ich das zumindest auch nirgendwo gelesen. Zunächst: es gibt einen Auslöser der Emotionen: einen toten Familienvater- Umstände noch nicht vollständig objektiv rekonstruierbar. Dann gibt es zweifellos besonders in England eine ständig größere Schere zwischen Schwerreichen und hier oft beschönigend als einkommenschwach bezeichneten Echt-Armen. Dass es darüber hinaus in so einer Explovstimmung auch grausame Explosionen von primitiver Plünderei und Zerstörungswut gibt ist eine ebenso bedauerliche Tatsache….Die Ereignisse in London nur als unerklärlichen Aufruhr ds primitiven Pöbels abzutun, halte ich für grob fahrlässig.

  2. Wie schnell und “unbegründet” Krawalle entstehen können, zeigte sich z.b. die letzten Tage in Spanien, wo jugendliche Touristen(!) zu randalieren begannen, weil eine Disco gesperrt wurde.

    http://www.focus.de/panorama/welt/disco-gesperrt-urlauber-randalieren-in-lloret-de-mar_aid_654820.html

    Die Hemmschwelle zu kriminellem und zerstörerischen Randalieren wird heutzutage also sehr schnell überschritten. Das hat in den wenigsten Fällen mit dem “offiziellen Anlaß” zu tun. Ich bin überzeugt, daß die meistenTeilnehmer der Krawalle noch nie von Mark Duggan gehört haben. Und selbst wenn: Hier handelt es sich nicht um einen Aufstand der sozial Schwachen oder um Emotionsbewältigung, sondern um simple Zerstörungswut und “Will- haben- Mentalität”, die sich über Blackberry( ein sehr schönes, teures Kommunikationsspielzeug) bestens zu organisieren wußte.

    Man wird sich in unserer Gesellschaft, die so sehr dazu neigt, alles durch die rosa Brille zu betrachten, auch einmal eingestehen müssen, daß Kriminalität und Bösartigkeit nicht lediglich durch soziale Misstände entstehen. Traurige Tatsache ist, daß es kriminelle und bösartige Menschen gibt, die einfach böse und kriminell sind, weil es ihnen Spaß macht und weil es “cool” ist. Deren Denkmuster sind einfach anders und für andere unerklärbar, weil nicht nachvollziehbar.

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