Fisch ist schon seit Jahrtausenden für den Menschen ein wichtiges Nahrungsmittel, da er leicht verdauliche Eiweiße enthält, die Versorgung des Körpers etwa mit Jod sicherstellt und bei vielen Fischen ein bedeutender Anteil mehrfach ungesättigte Fettsäuren am Fettanteil besteht. Nun haben Sue O’Connor, Rintaro Ono und Chris Clarkson Hinweise vorgestellt, nach denen zumindest seit 42.000 Jahren Fischfang zu hoher See betrieben wird.
Schon lange war bekannt, daß bereits in der Altsteinzeit Meeresmuscheln und Seeschnecken von Menschen verzehrt wurden; allerdings findet man diese nah an der Küste. Nun fanden australische Archäologen um Susan O’Connor in Osttimor die Überreste steinzeitlicher Fischmahlzeiten, darunter 42.000 Jahre alte Reste von Thunfischen und Haien, die man nicht in Küstennähe fangen kann. Der älteste Angelhaken, den sie klar datieren konnten, ist allerdings erst 23.000 Jahre alt. Aber irgendwie müssen die Bewohner der Höhle an die Thunfische gekommen sein.
In einem frei zugänglichen Artikel des „Science“ Magazins geben einige Forscher zu bedenken, daß die gefundenen Fische gerade in Osttimor wegen des steilen Abfalls der Küste nicht weit vom Land entfernt vorkommen, und die Thunfische eher jung gewesen sein müssen. Das ficht aber O’Connor nicht an: So oder so fängt man diese Fische nicht einfach mit dem Speer, sondern muß schon eine bessere Ausrüstung vorweisen können. Ob sie deswegen Boote verwendet haben oder nicht, ist noch nicht geklärt. Da aber zur gleichen Zeit bereits die erste menschliche Besiedelung Australiens erfolgte, die trotz des niedrigeren Meeresspiegels nicht ganz ohne Wasserüberquerungen von statten gehen konnte, müssen wohl schon Boote in irgendeiner Form bekannt gewesen sein.
Auf Live Science gibt es einen weiteren Artikel dazu, mit einem schönen Bild der Angelhaken, die O’Connor gefunden hat, und der Höhle in Osttimor, in der sie gefunden worden ist.
Warum ist das eigentlich für viele überhaupt überraschend? Ich glaube, vor allem deshalb, weil in den meisten von uns der Fortschrittsglaube so fest verankert ist, daß wir gar nicht glauben können, welche Fähigkeiten die Menschen in früheren Zeiten besessen haben. Ich möchte mit einem Fischer in Osttimor vor 42.000 Jahren nicht tauschen (und, ehrlich gesagt, auch mit einem Fischer in Osttimor im Jahr 2010 nicht); aber, um es auf gut Wienerisch zu sagen, die Menschen damals „woarn a net auf der Nudelsupp’n daherg’schwommen“.