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Towje Kleiner

Nun ist also der Schauspieler Towje Kleiner gestorben, wie die Münchener TZ meldete. Einerseits war er schon aus meinem Blickfeld verschwunden, ich war überrascht, wieder von ihm zu lesen. Kein Wunder, hatte er sich doch 2002 von der aktiven Schauspielerei zurückgezogen, wenn er auch noch Schauspielunterricht in Israel gab. Andererseits aber sind mit ihm untrennbar wunderbare Rollen verbunden, die ohne ihn vielleicht überhaupt nicht wunderbar gewesen wären. Und so denke ich gerne an seine Arbeit zurück.

Towje Kleiner wurde 1948 in Bayern geboren – schon da steckt sicher eine spannende Geschichte dahinter, denn 1945-1949 sind in Deutschland wohl nur wenige Kinder jüdischen Bekenntnisses auf die Welt gekommen. Er lebte dann als Kind in Israel und vielen weiteren Ländern. 1967 trat er anscheinend in Israel erstmals als Schauspieler auf, kam dann nach Deutschland, wo er Anfang der 70er in z.T. äußerst zweifelhaften Produktionen mitspielte, darunter ein übler Propagandaschinken, bevor ihm mit den Münchner Geschichten von Helmut Dietl der Durchbruch zu besseren Rollen gelang. In seinen frühen Filmen wurde er übrigens als Wolfgang T. Kleiner geführt. Danach spielte er in vielen guten und weniger guten Streifen mit, darunter mehreren sehr erfolgreichen Fernsehserien, wie der „ganz normale Wahnsinn“, „Der Sonne entgegen“, „Wenn das die Nachbarn wüßten“ oder der „Salzbaron“. Von Märchenfilmen fürs Kinderfernsehen bis zum finsteren Krimi war alles in seinem Repertoire enthalten. Er hatte ein großes Talent fürs Komödiantische, und konnte doch den groben Choleriker genauso auf die Bühne stellen.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erzählte Kleiner 2008 auf die Frage, ob er Sehnsucht nach der Zeit von damals (um 1980) hätte:

Kleiner: Nein, keine Sehnsucht. Ich höre immer, dass das Leben so schnell vorbei geht. Doch das geht gar nicht so schnell vorbei. Wenn man zurückschaut, dann ist schon viel passiert, in meinem Leben ganz besonders. Ich muss das nicht noch einmal leben.

Und über seine Vorhaben:

Kleiner: Ich mach jetzt mal Pause. Eigentlich schon seit 2001. Vielleicht halte ich das noch ein paar Jahre durch. Ab und zu bin ich in Israel und unterrichte.

Er hat durchgehalten, und es war vielleicht eine überaus weise Entscheidung, diese Lebensjahre, die seine letzten sein sollten, bei seinen Lieben zu verbringen.

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