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US-Vorwahlen: So spannend kann Demokratie sein


Eigentlich könnte man als Europäer die Vorwahlen in den USA gelassen aus der Ferne betrachten. Für uns ist entscheidend, wie die Wahlen im Herbst in den USA ausgehen, die den wirtschafts- und außenpolitischen Kurs der Vereinigten Staaten bestimmen und damit auch Auswirkungen auf Europa haben werden. Doch die diesjährigen Vorwahlen der Republikaner sind spannend und inhaltsschwer wie schon lange nicht mehr. Drei Bundesstaaten haben abgestimmt, und drei verschiedene Sieger produziert: Den christlichsozial motivierten Rick Santorum in Iowa, den moderaten Mitt Romney, der auf ein erfolgreiches Wirtschaftsleben zurückblicken kann, in New Hampshire und den konservativen Newt Gingrich nun in South Carolina. Mit dem radikalliberalen Ron Paul als viertem Kandidaten, der bislang durchwegs respektable Ergebnisse erzielen konnte,  stehen vier Persönlichkeiten zur Auswahl, die für deutlich unterschiedliche Philosophien des Regierens stehen. Wahlversprechen sind bekanntlich immer mit ganzen Scheibtruhen voll Salz zu nehmen, aber die grundlegende Weltanschauung eines Kandidaten sagt jedenfalls etwas über seine spätere Amtsführung aus. Und so haben die Wähler eine echte Auswahl zu treffen, ein Privileg, das auch in US-Vorwahlen nur selten zutrifft.

Die Vorwahlen sind noch aus einem anderen Grund bemerkenswert: Die Republikaner galten früher als die Partei der sogenannten WASPs, der Protestanten aus britischstämmigen Familien. Von den vier nun verbliebenen Kandidaten sind zwei katholisch, nämlich Rick Santorum und Newt Gingrich, und der moderate Establishment-Kandidat Romney ein Mormone. Lediglich Ron Paul entspricht als baptistischer Angelsachse dem Clichée, doch seine politischen Ansichten von  einer Nichteinmischungspolitik der USA im Ausland bis zur Legalisierung sogenannter weicher Drogen sind alles andere als das, was man sich landläufig unter „typisch republikanisch“ vorstellt.

Bei uns werden in der Regel nur die demokratischen Zerrbilder der Kandidaten medial transportiert, in denen die Republikaner als bigotte Kapitalistenknechte dargestellt werden, meist garniert mit irgendeinem Versprecher oder einem aus dem Kontext gerissenem Satz, der dem europäischen Leser zeigen soll, wie dumm diese amerikanischen Rechten doch eigentlich sind. So ein Glück, daß wir so intelligent und überlegen sind, oder so ähnlich. Doch wer die Sachkenntnis hört, mit der etwa Rick Santorum und Newt Gingrich in den Debatten ihren Standpunkt argumentieren, und mit Debattenbeiträgen österreichischer Spitzenpolitiker vergleicht, wird sich fragen, wer da wem überlegen ist.

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