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Vierzig Tage, vierzig Nächte und Beda Venerabilis

Nein, ich habe von Beda Venerabilis noch nicht genug. Zum äußerst knappen sonntäglichen Evangelium darf ich daher aus dem Kommentar zum Markusevangelium zitieren, den der angelsächsische Mönch und Universalgelehrte vor 1.300 Jahren geschrieben hat. Die folgende Übersetzung stammt wieder von mir, also bitte ich um Nachsicht.

Beda Venerabilis zu Markus 1,12-13

Markus 1,12-13: Und sogleich trieb der Geist diesen in die Wüste hinaus, und er war in der Wüste vierzig Tage und vierzig Nächte und wurde vom Hinderer in Versuchung geführt und lebte mit den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.

Matthäus fügte in gleicher Weise nach der Schilderung der Taufe des Herrn, und als eine Stimme vom Himmel kam, die sagte: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Gefallen gefunden habe“ (Mt 3,17), unmittelbar hinzu: „Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er vom Teufel versucht werde.“ (Mt 4,1) Aber damit niemandem ein Zweifel komme, von welchem Geist sie sprächen, bom dem dieser geführt oder hinausgetrieben worden sei, stellt Lukas mit Bedacht voran: „Jesus kehrte erfüllt vom Heiligen Geist vom Jordan zurück“ (Lk 4,1a), und hierauf bringt er vor: „und er wurde im Geist in der Wüste umhergeführt“ (Lk 4,1b), damit nicht ein unreiner Geist für mächtig gegen diesen gehalten werde, der, erfüllt vom Heiligen Geist, wo er wollte, wegging, was er wollte, tat.

Die vierzig Tage aber und Nächte, während denen er versucht wird, deuten die ganze Spanne des Zeitalters dessen an, in denen seine Glieder, das meint die heilige Kirche, unablässig versucht werden.

Denn zweifellos viergeteilt ist die Welt, in der wir dem Herrn dienen. Zehn [Gebote] aber sind vorgeschrieben, durch deren Beobachtung wir als Diener des Herrn gegen die Bosheit des unermüdlichen Feindes streiten. Zehn mal vier ergibt aber vierzig. Deshalb muß die ganze Zeit unseres Kriegsdiensts passend in der Vierzigzahl der Tage und Nächte verstanden werden.

Der getaufte Herr wurde also vom Geist in diese Wüste hinausgetrieben, und vom Hinderer versucht, damit er seinen Gläubigen ein Beispiel des Lebens verschaffe, die, nachdem sie in der Taufe die Vergebung der Sünden angenommen haben, sich nicht nur zum Ausüben tugendhafter Werke, sondern auch zum Erleiden der Verfolgung um der Gerechtigkeit willen rüsten müssen.

Denn er zieht sich in die Wüste zurück, damit er uns lehre, nach Zurücklassung der Verlockungen der Welt und der Gesellschaft böser Menschen, in allem den göttlichen Weisungen zu dienen.

Er wird einsam vom Teufel versucht, damit er uns andeute, daß alle, die fromm in Christus leben wollen, Verfolgung erleiden müssten, und daß „wir durch viele Bedrängnisse ins Reich Gottes eintreten müssen.“ (Apg 14,22)

Er wird vierzig Tage und vierzig Nächte versucht, damit er anzeige, daß wir, solange wir hier leben und dem Herrn dienen, ob uns glückliche Umstände schmeicheln, was zum Tag gehört, ob uns das Unglück trifft, was mit der Figur der Nacht übereinstimmt, immer und überall bei denen, die im Gesetz des Herrn wandeln, der Widersacher sein wird, der nicht aufhört, unseren Weg durch Versuchung zu behindern.

Zwischen den wilden Tieren verweilt er als Mensch, aber er nimmt den Dienst der Engel an als Gott. Und wir, während wir in der Zurückgezogenheit [„Wüste“] des heiligen Lebenswandels die tierischen Sitten der Menschen mit unbeflecktem Sinn ertragen, gewinnen den Dienst der Engel, von denen wir mit vollendetem Leib zur Ewigkeit in die Freuden des Himmels überbracht werden.

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