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Josef von Nazareth: Schweigend beredt


Das Hochfest des hl. Josef geht im Kirchenjahr ein wenig unter, und wird in Wahrheit auch nur selten als „Hochfest“, als festliches Ereignis begangen. Auch in der hl. Schrift kommt der Nährvater Jesu nur am Anfang vor, in kurzen Passagen des Lukas- und Matthäusevangeliums.

Er trägt den Namen des Patriarchen Josef, selbst ein Vorbild an Gerechtigkeit und Gottesfürchtigkeit, der auch in schweren Prüfungen sein Vertrauen auf Gott nicht verlor und dafür reiche Frucht ernten konnte. In der rabbinischen Überlieferung wird der Patriarch Josef auch als keusch bezeichnet; nicht im Sinne von enthaltsam, sondern der Mäßigung und Zurückhaltung, der Bändigung der eigenen Triebe. Der Patriarch wurde durch die Fürsorge für seine Brüder, die ihn bekanntlich verraten hatten, zum Nährvater des Volkes Israel, das er aus schlimmer Hungersnot und so vor dem Tod rettet. Josef von Nazareth wird zum Nährvater Jesu, der das Volk des neuen Bundes vor dem Tod retten will.

Der sel. Papst Johannes Paul II. hat im Apostolischen Schreiben „Redemptoris Custos“ den hl. Josef als Hüter des Geheimnisses Gottes vorgestellt:

Das, was Josef getan hat, verband ihn in ganz besonderer Weise mit dem Glauben Mariens; er nahm als von Gott kommende Wahrheit an, was sie bereits bei der Verkündigung angenommen hatte. Das Konzil lehrt: „Dem offenbarenden Gott ist der ‚Gehorsam des Glaubens’ zu leisten. Darin überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit, indem er sich ‚dem offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft’ und seiner Offenbarung willig zustimmt“. Der eben zitierte Satz, der das innerste Wesen des Glaubens berührt, trifft voll und ganz auf Josef von Nazaret zu. [5] Er wurde daher der Vermittler und Hüter des einzigartigen Geheimnisses, das „von Ewigkeit her in Gott verborgen war“ (vgl. Eph 3,9), so wie es Maria in jenem entscheidenden Augenblick wurde, den der Apostel die „Fülle der Zeit“ nennt, als nämlich „Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, sandte, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen“ (vgl. Gal 4,4-5).

Der hl. Josef ist bis heute ein Vorbild als Mensch, der nicht durch gewaltige Worte, sondern durch sein Tun und Lassen wirkt. Nicht jedem ist es geschenkt, als geisterfüllter Redner aufzutreten. Und wir brauchen auch die Werktätigen, nicht nur die Wortgewaltigen. Im erwähnten Apostolischen Schreiben heißt es dazu:

Während seines ganzen Lebens, das ein Pilgerweg im Glauben war, blieb Josef wie Maria bis zum Ende dem Ruf Gottes treu. Das Leben Mariens war die äußerste Erfüllung jenes ersten fiat, das sie bei der Verkündigung gesprochen hatte, während Josef, wie bereits gesagt wurde, bei seiner „Verkündigung“ kein Wort hervorbrachte: er „tat“ einfach, „was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte“ (Mt 1,24). Und dieses erste „Tun“ wurde der Anfang von „Josefs Weg“. Entlang dieses Weges berichten die Evangelien nicht ein Wort, das von Josef gesprochen worden wäre. Aber Josefs Schweigen hat eine besondere Bedeutung: man kann daran die Wahrheit ablesen, die in dem Urteil des Evangeliums über ihn enthalten ist: er war „gerecht“ (Mt 1,19). Man muß diese Wahrheit richtig zu lesen verstehen, denn sie enthält eines der wichtigsten Zeugnisse über den Menschen und seine Berufung. Im Laufe der Generationen liest die Kirche immer
aufmerksamer und bewußter ein solches Zeugnis, wobei sie aus dem reichen Vorrat dieser einzigartigen Gestalt „Neues und Altes“ hervorholt (vgl. Mt 13,52).

Dieser heilige Josef kann uns durch sein Schweigen mehr sagen als so manch beredtes Zeugnis. So habe ich auch schon genug Worte gemacht und schreibe noch: Heiliger Josef, bitte für uns!

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