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Die neuen Schädelmesser


Der konservative US-amerikanische „Weekly Standard“ hat einen interessanten Artikel zur „new phrenology“ veröffentlicht. Die Phrenologie war eine Lehre, daß man aus Schädelform etwas über den Charakter eines Menschen aussagen könnte. Die gibt es in dieser Form nicht mehr, sie hat aber würdige Nachfolger gefunden. Der Artikel zielt besonders auf jene, die politische Überzeugungen als biologisch bedingt abqualifizieren wollen, mit Ausnahme der jeweils eigenen Meinung, die überraschenderweise rein faktenbasiert zu sein scheint. Alles belegt durch Studien, die in den Zeitungen des Landes zitiert werden. Bloß, daß diese Studien jedem wissenschaftlichen Standard hohnsprechen.

Im amerikanischen Zweiparteiensystem ist die Verlockung einer Zweiteilung in die „Faktenbasierten“ und die anderen natürlich besonders groß. Aber auch bei uns ist diese Form des Diskurses, bei dem man Andersdenkenden unterstellt, sie würden nur aus niederen Instinkten – im Gegensatz zur eigenen Aufgeklärtheit – so handeln, durchaus anzutreffen. Eine bedenkliche Entwicklung, die den demokratischen Diskurs gefährdet.

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2 thoughts on “Die neuen Schädelmesser

  1. Einem seriösen Neurologen ist klar, daß sich mit jeder neuen Erkenntnis über das menschliche Gehirn neue Fragen auftun, und daß wir meilenweit davon entfernt sind, es zu kennen. Aber das stört diesen Typ Journalisten nicht.
    Mich erinnert diese “Studie” an die ebenfalls mit großer Verve vorgebrachte Meinung, Religiosität sei eine Folge von Schläfenlappenepilepsie. Auch dazu gibt es zweifelhaft durchgeführte Versuche, wie Michael Blume erklärt.

    • Im Prinzip ist das alles der Szientismus des 19. Jahrhunderts, nur aufgewärmt. Leider verhalten sich da Ideologien anders als Gulasch, und sie schmecken dann nicht mehr besser. In einer Zeit sich auflösender Bezugssysteme und Autoritäten ist diese Wissenschaftsgläubigkeit natürlich verlockend, auch wenn jedem, der sich mit Wissenschaftstheoretie ein bisserl auskennt, da die Grausbirnen aufsteigen müssen. Besonders perfid ist es dann natürlich, die Wissenschaftsgläubigkeit anderer auszunutzen, um die eigene Position mit vorgeblich wissenschaftlichen Experimenten zu stützten, die man sich dann natürlich mit Steuergeld bezahlen läßt. Umso wichtiger, daß man diejenigen damit nicht durchkommen läßt und ihre Pseudo-Wissenschaft aufdeckt. Nicht zu vergessen diejenigen, die sich mit der Logik schwertun, wie der in der verlinkten Arbeit zitierte Andrew Newberg. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

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