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Wo ist denn nun der Heilige Geist?

Die Osterzeit schließt sich nun mit dem Pfingstfest, daß leider in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so präsent ist. Dabei führt uns Pfingsten einerseits in die Wahrheit ein, daß Jesus Christus uns nicht bloß einen Beistand verheißen hat, sondern dieser Beistand zu Pfingsten greifbare Realität geworden ist ist. Und andererseits öffnet es den Blick zurück auf die jüdischen Wurzeln des Christentums, die in der Parallele Ostern/Pascha und Pfingsten/Schawuot besonders augenfällig werden.

Pfingsten ist, wie Ostern, ein Fest, in dem sich Wesentliches des Glaubens kristallisiert, das auch sonst, gelöst im Leben, immer gegenwärtig ist. So sagt schon Johannes Chyrysostomus in seiner Pfingstfestpredigt, die uns in der Bibliothek der Kirchenväter zum Glück in deutscher Übersetzung vorliegt:

Wollt ihr auch wissen, daß wir das gegenwärtige Fest stets feiern können, ja daß es täglich da ist? Lasset uns sehen, warum es eingesetzt worden, und warum wir dasselbe begehen. Weil der heilige Geist zu uns kam; wie nämlich der eingeborne Sohn Gottes stets unter seinen Gläubigen ist, so ist es auch der Geist Gottes. Woher ist dies offenbar? „Wer mich liebt,“ heißt es, „wird meine Gebote halten, und ich will meinen Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster senden, damit er bei euch bleibe in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit.“ (Joh 14,15-17) Wie also Christus von sich selbst sagte: „Siehe, ich bleibe bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt“ und wir deswegen beständig das Fest der Erscheinung zu feiern vermögen, so können wir auch, weil er vom heiligen Geiste gesagt hat, er werde ewig bei uns bleiben, das Pfingstfest fortwährend begehen.

Nun kennt auch Johannes Chrysostomus die Frage: „Wo ist denn der heilige Geist?“, und er hebt in seiner Predigt zu einer ausführlichen Erklärung an, von der ich einen Teil wiedergebe:

Wo sind nun diejenigen, welche die Würde des heiligen Geistes lästern? Denn wenn er nicht Sünden vergibt, so wird er in der Taufe umsonst empfangen; wenn er aber Sünden vergibt, so wird er ohne Grund von den Ketzern gelästert. Gäbe es keinen heiligen Geist, so könnten wir nicht sagen: Herr Jesus; „denn Niemand kann agen: Herr Jesus, ausser im heiligen Geiste.“ (1 Kor 12,3) Gäbe es keinen heiligen Geist, so könnten wir Gläubige Gott nicht anrufen; denn wir sagen: „Vater unser, der du bist in dem Himmel.“ Wie wir also Jesum nicht einen Herrn nennen könnten, so könnten wir auch Gott nicht Vater nennen. Woher ist dies klar? Aus den Worten des Apostels: „Weil ihr aber Kinder seid, so hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der da ruft: Abba, Vater!“ (Gal 4,6) Wenn du also den Vater nennest, so bedenke, daß du ihm durch den Antrieb des heiligen Geistes diesen Namen beilegen darfst. Gäbe es keinen heiligen Geist, so wäre der Geist der Weisheit und Erkenntnis nicht in der Kirche; „denn dem Einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit, dem Andern das Wort der Erkenntnis gegeben.“ (1 Kor 12,8)

Gäbe es keinen heiligen Geist, so wären in der Kirche keine Hirten und Lehrer; denn auch diese setzt der heilige Geist, wie auch Paulus sagt: „Über welche euch der heilige Geist zu Hirten und Bischöfen gesetzt hat.“ (Apg 20,28) Siehst du, daß auch dies durch den Geist geschieht? Wäre der heilige Geist nicht in diesem euren gemeinschaftlichen Vater und Lehrer, so würdet ihr ihm, als er kürzlich diesen heiligen Stuhl bestieg und euch allen den Frieden gab, nicht gemeinschaftlich zugerufen haben: „Und mit deinem Geiste.“ […] Er rührt Das, was auf dem Altare liegt, nicht eher an, als bis er euch die Gnade des Herrn gewünscht und ihr ihm zugerufen habt: „Und mit deinem Geiste.“ Durch diesen Zuruf erinnert ihr euch, daß Der, welcher da (am Altare) steht, nichts tue, und daß die Gaben, die da liegen, nicht Verdienste eines Menschen sind, sondern daß die Gnade des heiligen Geistes gegenwärtig sei und über alle herabkommend dieses geheimnisvolle Opfer vollbringe. Wir sehen zwar nur einen Menschen, aber Gott ist es, der durch denselben wirkt. Sieh also nicht auf die Natur dessen, den du vor deinen Augen hast, sondern denke an die unsichtbare Gnade! Auf diesem heiligen Altare geschieht nichts Menschliches. Wenn der heilige Geist nicht da wäre, würde die Kirche nicht bestehen; weil nun diese besteht, so ist es offenbar, daß der Geist da ist.

In der zum Teil durchaus drastischen Predigt erörtert Chrysostomus auch, warum es zu seiner Zeit weniger Wunder gebe: Weil nur die Ungläubigen Zeichen bräuchten, und Christen dieser Zeichen eben nicht bedürfen. „Denn wer ungläubig ist, bedarf eines Pfandes, ich aber glaube und brauche weder Pfand noch Zeichen.“ Ich gebe zu: Dieser Ausdruck des Chrysostomus überzeugt mich in dieser Schärfe nicht. Denn wer mit offenen Augen durch die Welt geht, findet genug Staunenswertes, das sichtbares Zeichen des Wirken unseres Herrn ist; findet genug Begebenheiten, die auf die Liebe Gottes deuten. Da aber die Predigt, der meine Zitate entnommen sind, eine Mahnrede ist, wie schon die – höchst aktuelle – Einleitung verrät, ist der Widerspruch wohl eher auf die rhetorische Absicht zurückzuführen.

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