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Über das Pfingstfasten

Nach dem Pfingstfest gab es in der alten Kirche den Brauch des Pfingstfastens, über das uns etwa vier Predigten Papst Leo des Großen († 461) überliefert sind. Das ist in spannendem Gegensatz zu den Ostkirchen, die in der Pfingstwoche keinen Fasttag begehen, dafür aber in der nächsten Woche den Beginn des Apostelfastens angesetzt haben. Das Pfingstfasten wurde später der Sommerquatember genannt. Es wurde für Mittwoch und Freitag ein strenges Fasten ausgerufen, und die Feier endete mit einer Vigil Samstag Nacht. Den Zweck dieser Fastentage nach der freudigen Osterzeit hält Papst Leo so fest:

[…] Nach den Freudentagen, die wir zu Ehren der Auferstehung des Herrn von den Toten und seiner Himmelfahrt begangen haben, und nach der Ausgießung des Heiligen Geistes wurde der heilsame und notwendige Brauch des Fastens eingeführt. Die Zucht frommer Enthaltsamkeit soll also ausmerzen, was etwa unbedachte Zügellosigkeit oder maßlose Ungebundenheit während der Festesfreuden verschuldet hat! Diese Enthaltsamkeit müssen wir auch aus dem Grunde um so eifriger üben, damit uns die Segnungen erhalten bleiben, die der Kirche an diesem Tage von Gott verliehen wurden. Da wir einmal zu einem „Tempel des Heiligen Geistes“ (1 Kor 6,19) geworden sind und uns der Strom der himmlischen Gnade mehr den je befruchtet hat, dürfen wir uns von keinerlei bösen Begierden mehr besiegen oder von irgendwelchen Lastern beherrschen lassen. Der Wohnsitz, den sich Gottes Kraft erkor, darf durch keinerlei Flecken beschmutzt werden.

Dies können wir alle unter der hilfreichen Führung des Herrn erreichen, wenn wir bestrebt sind, uns durch die Reinigung des Fastens und durch ausgedehnte Barmherzigkeit von dem Unrat der Sünden zu befreien und reichliche Früchte der Liebe zu tragen. Alle Ausgaben, die wir uns machen, um Arme zu speisen, Kranke zu pflegen, Gefangene loszukaufen oder irgendwelche andere derartige Werke zu vollbringen, bedeuten keine Verringerung unseres Besitzes, sondern eine Mehrung. Nie kann bei Gott verloren sein, was getreue Liebe geopfert hat. Mit jeder Unterstützung hinterlegt sie sich selber einen Lohn. „Selig sind die Barmherzigen, weil der Herr sich auch ihrer erbarmen wird!“ (Mt 5,17) Wird doch dort keiner Sünde mehr gedacht werden, wo die werktätige Liebe als Zeugin für uns eintritt. So sollen wir denn am Mittwoch und Freitag fasten, am Samstag aber beim hochseligen Apostel Petrus die Vigilien feiern, auf dessen Fürbitte hin wir fest auf Befreiung von allen Feinden des Leibes und der Seele hoffen, durch unseren Herrn Jesus Christus, der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebt und waltet in Ewigkeit! Amen.

In einer anderen Predigt hält Leo der Große fest, daß dieses Fasten nur mit der richtigen Einstellung heilsam ist:

Jeder katholische Christ sehe also darauf, welche Früchte sein Fasten bringt! Trotz des reichsten Almosens wird es völlig nutzlos sein, wenn es nicht seinen Ursprung in der uns zuteil gewordenen Gnadenfülle des Heiligen Geistes hat. Der Apostel sagt: „Keine Frucht nützt mir ohne die Liebe.“ (1 Kor 13,3) Und an einer anderen Stelle schreibt er: „Die Liebe Gottes ist in unsere Herzen eingegossen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Röm 5,5) Darum müssen wir uns hüten, Tugenden, die nur in Demut geübt werden können, durch Hochmut zu entwerten. Mit Recht bringt sich der um jegliches Verdienst, der in all seinen Bestrebungen und Handlungen mehr seinen eigenen Ruhm sucht, als den des Herrn. (vgl.Jer 9,23; 1 Kor 1,31)

Er hebt dann das Fasten hervor, bei dem das, was man selbst an Essen spart, als Almosen an Bedürftige gegeben wird:

Dient doch die Arznei des Fastens nur dann zur Gesundung unserer Seele, wenn durch unsere Enthaltsamkeit der Hunger des Armen gestillt wird. Der Herr selbst sagt zu uns: „Gebet Almosen, und alles ist euch rein!“ (Lk 11,41) Daraus ersehen wir, daß bei dem barmherzigen Gott ein freigebig gespendetes Almosen mehr gilt als alles Fasten.

Ein Fasten um der eigenen „Vervollkommnung“ willen, das hat seinen Zweck eben schon verfehlt, und wird nirgends hinführen außer zum Hunger. Aber eine Zeit der Besinnung, des geistigen und materiellen Gebens, des Fastens als Befreiung, als Reinigung, das kann uns allen gut tun, und wenn wir es recht anstellen, auch unseren Mitmenschen.

Leider ist dieser alte Brauch von der deutschen und österreichischen Bischofskonferenz 1972 aus den offiziellen Büchern gestrichen worden. Zwar gibt es in beiden Ländern noch die Quatembertage, doch wurden sie ihrer Bedeutung entkleidet, sind keine Fasttage mehr sowie teilweise zeitlich verschoben. So ist der Pfingstquatember nun nicht mehr nach Pfingsten, sondern davor, sofern er überhaupt begangen wird, und die Quatembertage nach dem Fest der Kreuzerhöhung wurden in die erste Oktoberwoche verlegt.

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