Der Zustand des pakistanischen Mädchens Malala Jusufzai sei weiter stabil, meldet Dawn.com aus Pakistan. Doch ihre Verletzungen sind schwer, und mit welchen Folgeschäden sie überleben wird, kann noch niemand genau sagen. Und schon wurde Pakistan vom nächsten Anschlag erschüttert, einer Autobombe in Darra Adam Khel vor einem Lokal von Taliban-kritischen Stammesältesten. Unter den Opfern natürlich wieder Kinder, die ihrer Zukunft beraubt werden sollen.
Malala Jusufzai ist zu einem Symbol geworden, weil sie den Untaten der Taliban schon mit elf Jahren entgegengetreten ist, für ihr Recht auf Bildung eingetreten ist, und auch darüber gebloggt hat. So wie sie gibt es unzählige Kinder, denen die Taliban ihre Ausbildung verwehren will, ja sogar das Leben selbst. Systematisch zerstören sie Schulen, insbesondere diejenigen, in denen Mädchen unterrichtet werden, und legen mit Bomben und Überfällen einen Schleier der Angst über Nordwestpakistan. Vorsorglich haben die Taliban angekündigt, das 14jährige Mädchen jedenfalls zu töten, sollte sie das erste Attentat überleben.
Laura Bush hat in einem vielbeachteten Aufsatz in der „Washington Post“ zu Malala geschrieben (Auszug von mir übersetzt):
Malala sport uns an, weil sie den Mut hatte, der totalitäre Geisteshaltung die Stirne zu bieten, die andere ihr aufzwingen wollten. Ihr Leben repräsentiert eine strahlendere Zukunft für Pakistan und die ganze Region. Wir müssen auftreten, bevor solche Taten geschehen, müssen daran arbeiten sicherzustellen, daß sie nicht wieder geschehen, und wir müssen unseren Mut aufbringen, weiter gegen die anhaltende Grausamkeit und Barbarei der Taliban Widerstand zu leisten. Malala Jusufzai weigerte sich, wegzuschauen. Wir schulden es ihren Mut und ihrem Opfer, dasselbe zu tun.
Wer kann daran zweifeln, daß die Taliban Feinde der humanitas selbst sind, mit denen es keinen Kompromiß geben kann, der nicht noch mehr Tod bedeutet? Die Worte von Laura Bushs Gatten über eine Achse des Bösen scheinen selten so gerechtfertigt wie in bezug auf die Taliban.
Der Medien-Hype um das pakistanische Mädchen Malala verdeckt völlig den medialen Blick auf die drei diese Woche von der NATO getöteten Kinder. Hier wird wieder mal mit zweierlei Maß gemessen: alle Welt verurteilt die Taliban, während eine entsprechende Kritik an den wesentlich schlimmeren NATO-Verbrechen unterbleibt. Perfekte Inszenierung, Mission accomplished.
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/3142560/kinder-bei-nato-luftangriff-afghanistan-getoetet.story
Ich halte vom Aufrechnen von Taten überhaupt nichts; es ist nur dann von belang, wenn die eine Tat mit der anderen innerlich zusammenhängt, so daß ein Milderungsgrund vorliegen würde. Das ist in diesem Fall überhaupt nicht der Fall: Der Luftangriff fand in Afghanistan statt, die gezielte Zerstörung von Schulen, die von Mädchen besucht werden, und das Attentat auf Malala Jusufzai in Pakistan. Die einzige Verbindung ist, daß in Afghanistan Taliban das Ziel des Angriffs waren, in Pakistan Taliban die Täter. Der gezielte Angriff auf das 14jährige Mädchen und die Motivation dafür zeigen aber zur Genüge, wes menschenfeindlichen Geistes die Taliban sind. Malala ist ja nicht das erste Kind, das den Taliban zum Opfer fällt, nur gibt sie dem ganzen ein Gesicht, und zeigt die traurige Lächerlichkeit der Taliban, die sich vor einem kleinen Mädchen so sehr fürchten, daß sie es umbringen wollen.