Wie die Washington Post berichtet, macht in Pakisten bereits eine Verschwörungstheorie die Runde, daß die 14jährige Malala Jusufzai natürlich nicht von den Taliban attackiert wurde, sondern auf Geheiß des US-Präsidenten Obama. Es schadet dabei nichts, daß die Taliban ausdrücklich die Verantwortung übernommen haben und bekräftigt haben, das Mädchen jedenfalls umzubringen, sollten sie ihrer habhaft werden. Bekanntlich läßt sich ein guter Verschwörungstheoretiker nicht von Fakten beirren. Aber in einem Land, in dem einerseits die Urheberschaft Osama bin Ladens an den Anschlägen vom 11. September 2001 bezweifelt wird, und er andererseits genau wegen dieser Anschläge als Held gilt, ist sowieso alles möglich.
Startseite » Politik » Pakistan: Schuld ist der Amerikaner
Natürlich, an allem sind die Ungläubigen schuld. Vor allem die Amerikaner. Und die Juden natürlich. Und alle, die den Islam irgendwie kritisieren. Typische Argumentation eigentlich. Traurig nur, dass sie von westlichen Linken gerne aufgegriffen wird.
Dort hängt man wohl immer noch am einfachen Schema, der Feind meines Feindes sei mein Freund.
Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher welches Land sie meinen? Pakistan oder doch die USA? Jedes Kind weiß doch, dass die Taliban nur ein islamischer Ableger der CIA ist. Oder etwa nicht? Glauben die Pakistaner eigentlich an die Mondlandung? Die US-Amis tun das in ihrer Mehrheit nämlich nicht – egal was die Washington Post schreibt oder weglässt. Wahr ist, was man glaubt: Muss man das einem Christen wirklich erst erklären?
Danke für den Kommentar. Erstens ist es nur ein modernes Märchen, daß die US-Bevölkerung mehrheitlich daran zweifeln würde, daß die Mondlandung stattgefunden hätte. Zweitens gibt es zu vielen Themen surreale Theorien, die durchaus auch mehrheitsfähig sein können – die aber in der Regel harmlos sind. Ein Bekannter hat mir etwa erzählt, er glaube, die Kassen in den Supermärkten würden zufällig Produkte doppelt einscannen. Das ist zwar eine relativ absurde, aber ungefährliche Theorie. Die Verschwörungstheorien im Nahen und Mittleren Osten sind brandgefährlich, führen zu Haß, Gewalt, Tod. Drittens: Sind Sie ein Anhänger der performativen Theorie der Wahrheit? Jedenfalls hat das mit dem Christentum nichts zu tun, in der die Annahme einer allgemeinen Wahrheit einerseits, die mögliche Divergenz von Wahrheit und Glauben andererseits bereits in den Evangelien vertreten wird.
unsere erfolgreichste Qualitäts-Tageszeitung ist leider auch nicht gerade sehr kritisch, wenn es darum geht, Legenden zu verbreiten:
http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/10/22/wie-internet-legenden-entstehen/
Leider wenig überraschend. Danke für den Hinweis!
In meiner Kindheit hieß der Schuldige noch “der böse Bumann”, wenn irgendetwas unerklärlich Schlimmes passierte (Spielzeug verloren oder kaputt, Erkältung im Sommer etc.). “Der Amerikaner” (oder auch “das Judentum”) ist der böse Bumann für Große. Oder eigentlich für sich für groß Haltende.
Wohl wahr. Und es macht die Welt so angenehm einfach.