Heuer wurde in Österreich die Ehrung am Denkmal des unbekannten Soldaten gestrichen. Das ist natürlich ein Statement des Verteidigungsministers Norbert Darabos, der seinen untergebenen Soldaten den Wert ihres Dienstes vor Augen führt. Es ist auch ein Ausdruck völlig verirrter Vergangenheitsbewältigung, die ihren eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllen kann und zum Spielball ideologischer Befindlichkeiten geworden ist.
Hans-Werner Scheidl kommentiert das in der „Presse“ so:
Nur eines sollte vermieden werden: Die Ächtung jenes Denkmals, vor dem sich seit sechzig Jahren die Staatspitze mehr oder minder ehrfürchtig verneigt hat. Der marmorne Soldat kann nichts für das Schriftl seines Schöpfers. Er soll keine Pilgerstätte für Ewiggestrige werden, das wäre ein ganz falsches Signal.
Zweitens sollte man nie vergessen: In Steinwurfweite erinnert ein Denkmal an Karl Renner. Ein prominenteres „Ja“ zum Anschluss an Hitlerdeutschland hat es nicht gegeben. Dagegen war der Bildhauer Frass ein kleines Kirchenlicht.
Nur frißt der Kampf um die Ausmerzung des öffentlichen Gedächtnisses an jede Person, die aus politisch korrekter Sicht irgendeinen Schatten auf ihrem Lebenslauf haben könnte, auch ihre eigenen Kinder, wie ein Kommentar des Direktors der Volkshochschule Hietzing im „Standard“ zeigt. Da geht es um eine Gedenktafel für eine Gründerin von Mädchenschulen, Eugenie Schwarzwald, nach der in Wien ein Weg benannt ist. Schwarzwald war auch bekennende Antisemitin. Angesichts der Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings in Universitätsring, trotz der großen historischen Verdienste des Wiener Bürgermeisters, ist natürlich eine Tafel für Schwarzwald aus den gleichen Gründen nicht denkbar, auch wenn ihre Verdienste ebenfalls unbestritten ist. Leider erkennt der Kommentarschreiber nicht die innere Logik dieser Argumentation, sondern macht die Israelitische Kultusgemeinde und die gewählte Bezirksvorsteherin des 1. Wiener Gemeindebezirks, Ursula Stenzel, verantwortlich.