Osterhase, Osterhenne oder Osterfuchs?

In wenigen Tagen hoppelt der Osterhase wieder durch Gras und Blumen, oder auch über Parkett- und Fliesenböden, zu vielen Familien und bringt ungesehenerweise Geschenke mit. Das war nicht immer überall so. In manchen Gegenden brachte der Fuchs etwas mit, in anderen der Storch. Kinderbücher, Werbung, das allgegenwärtige Fernsehen haben dann alles auf den Hasen fokussiert.

Das kleine Geschenk, das waren früher ausschließlich verzierte Eier, die nach der fleisch- und eierlosen Fastenzeit als Festzeichen verschenkt wurden. Nach der Speisensegnung. Es gibt jetzt zwei Geschichten, wie es zum Osterhasen als Bringer der Eier kam.

Die eine sagt, ursprünglich hätte man eben nach der österlichen Speisensegnung die rot gefärbten Eier verschenkt. Das Ei als Symbol des Lebens und der Auferstehung, rot für das Blut Christi. Nach der Reformation wollten viele evangelische Eltern an dem Eierbrauch festhalten, und machten kurzerhand aus dem gesegneten Ostereiern vom Hasen gebrachte. Dafür spricht, dass die Geschichte vom Osterhasen erstmals im 17. Jahrhundert überliefert ist.

Die andere sagt, man wollte den Kindern einfach mit den verzierten Eiern eine Freude machen, und die ist bekanntlich mit „versteckten“ Eiern noch größer. Wie aber die Eier erklären? Von Hennen können sie ja wohl nicht stammen, die legen keine bunten Eier. So sollen verschiedene andere Tiere, die auch mit Fruchtbarkeit assoziiert werden können, herangezogen worden sein. Die beiden Stories kann man freilich auch kombinieren.

Mit Sicherheit falsch ist die auch heute noch gern kolportierte Geschichte vom germanischen Frühlingsfest, bei dem Hasen eine große Rolle gespielt haben sollen. Das beruht in der Regel im Kern auf einer Fehlinterpretation Jakob Grimms, der aus einer Bemerkung des Beda Venerabilis eine hypothetische Göttin Ostara konstruiert hat, die aber in der nordischen Sagenwelt oder Zeugnissen von Chronisten unbekannt ist.

Adenauer, der Große Krieg und die Sojawurst

Dass der Große Krieg (1914-1918) vor knapp hundert Jahren begann, wirft seine Schatten publizistisch weit voraus. So hat die BBC eine Liste von zehn Erfindungen veröffentlicht, die entweder im Ersten Weltkrieg gemacht wurden oder durch ihn Verbreitung fanden (vor allem zweiteres). Neben Armbanduhren und der Sommerzeit, die übrigens auch in Österreich-Ungarn im Krieg eingeführt wurde, findet sich auch eine Sojawurst, die ein gewisser Konrad Adenauer in Zeiten des Nahrungsmangels erfunden hat. Wenn es schon kaum Fleisch gab, so sollten die Leute zumindest eine nahrhafte Ersatzvariante auf den Teller zaubern können.

Der spätere deutsche Bundeskanzler war übrigens auch sonst ein umtriebiger Erfinder, wovon man sich auch im Adenauerhaus überzeugen kann, in dem einige seiner Erfindungen ausgestellt sind. Sie wurden zwar kein durchschlagender Erfolg, zeigen aber den kreativen Kopf, der Köln erfolgreich durch die Weimarer Republik und Westdeutschland durch die Nachkriegszeit lotste.

Wer also das nächste Mal in das Oxymoron „vegetarische Wurst“ beißt, weiß, an wen er dabei zu denken hat.

Gott erhalte …

Jetzt ist es also auch schon fast hundert Jahre her, dass das Habsburgerreich, diese Transzendenz der nationalen Enge, zerfallen ist. Und doch kann es auch heute geschehen, dass die österreichische Bundeshymne gesungen werden soll, und einige anfangen, die alte Volkshymne, das „Gott erhalte“, zu intonieren. Sie haben es nicht in der Schule gelernt; sie spüren einfach, was wirklich Österreich ist und was nur noch so heißt.

Franz Grillparzer hat versucht, dieses Gefühl des „Gott erhalte“ in ein schlichtes Gedicht zu fassen:

Als ich noch ein Knabe war,
Rein und ohne Falte,
Klang das Lied mir wunderbar,
Jenes „Gott erhalte“.

Selbst in Mitte der Gefahr,
Von Getös umrungen,
Hört ichs weit entfernt, doch klar,
Wie von Engelszungen.

Und nun müd und wegeskrank,
Alt, doch auch der alte,
Sprech ich Hoffnung aus und Dank
Durch das: „Gott erhalte“!

— Franz Grillparzer.
(Quelle: zeno.org)

Ein Zauber, der auch heute seine Wirkung entfaltet.

Der Anlass des heutigen Postings ist übrigens, dass am 27. März 1854, also vor 160 Jahren, Kaiser Franz Joseph den Text Johann Gabriel Seidls zum offiziellen Text der Volkshymne erhob. Seidls Verse sind bis heute die bekannteste Textfassung, während die Originalzeilen von Lorenz Haschka oder die Zedlitz-Hymne so sehr an die jeweilige Person des Kaisers gebunden waren, dass sie heute weitgehend der Vergessenheit anheim gefallen sind.

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt

Heute war so ein wunderbarer, sonniger Tag, dass man lyrisch werden möchte. Besser aber, ich überlasse einem Meister das Feld, wie Heinrich Heine, in dessen „Neuen Frühlingsgedichten“ sich z.B. folgende Verslein finden:

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber, goldig zart,
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb euch all’:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.

Paris: Ein Schwimmbad in der Métro?

Ein Schwimmbad in der U-Bahn-Station? Oder ein Restaurant? Ja, warum nicht? In Wien wurden ja auch alte Fußgängerunterführungen in Lokale umgewandelt, warum soll man das gleiche nicht mit aufgelassenen U-Bahn-Stationen machen.

Das hat sich jedenfalls die Pariser Bürgermeisterkandidatin Nathalie Kosciusko-Morizet gedacht. Schließlich gibt es in Paris immerhin elf ungenutzte U-Bahn-Stationen. Kurzerhand hat sie sich mit zwei Architekten, Manal Rachdi und Nicolas Laisné, zusammengetan, die einige Ideen visualisiert haben.

Die Pariser Kommunalwahlen sind für 23. März bzw. 30. März angesetzt, dann werden wir wissen, ob die sozialistische Kandidatin Anne Hidalgo oder die bürgerliche Kosciusko-Morizet Bürgermeisterin werden wird — momentan schaut es eher nach Hidalgo aus. Dann wird es wohl nichts mit den U-Bahn-Gärten und -Schwimmbädern …

Die Uhr geht richtig, nur die Zeit ist falsch

Am 30. März beginnt wieder die Sommerzeit. Beim Aufstehen in der Früh wird es ein wenig dünkler, am Abend bleibt es scheinbar länger hell, da der wahre Mittag auf 13 Uhr verschoben wird. Anders gesagt: Das ganze Land reist in die Osteuropäische Zeitzone.

Das fällt in Österreich vielleicht insofern nicht so weit ins Gewicht, als wir ziemlich perfekt in der Mitteleuropäischen Zeitzone liegen und die zusätzliche Abweichung durch die Sommerzeit nicht so ins Gewicht fällt. Das ist in anderen Ländern bekanntlich nicht so. Über Spanien habe ich diesbezüglich erst kürzlich gebloggt.

Stefano Maggiolo hat sich über diese Differenzen Gedanken gemacht: Wie stark sind die rechtlichen Mittagszeiten gegenüber den astronomischen Mittagszeiten auf der Welt wirklich verschoben? Er hat das eindringlich auf einer Karte markiert: Grün steht für eine reale Mittagszeit, die vor den offiziellen 12 Uhr liegt, Rot für eine reale Mittagszeit, die danach liegt. Man sieht eindrucksvoll den Effekt davon, dass Russland ganzjährig auf Sommerzeit umgestellt hat, oder welche Auswirkungen die einheitliche Zeitzone auf das große China hat. Stichwort: Im westlichsten China ist erst nach 15 Uhr Mittag, im östlichsten Teil schon vor 11 Uhr.

Spanien: Zurück zur Greenwich Mean Time?

Wer in Spanien auf Urlaub war oder mehr noch, wer beruflich dort zu tun hatte, wird der etwas andere Zeitrhythmus aufgefallen sein. Das Mittagessen wird oft zwischen 14 und 16 Uhr eingenommen, das Abendessen erst um 21 Uhr oder später. Das „Hauptabendprogramm“ im Fernsehen beginnt überhaupt erst um 22 Uhr; das ist auch die Zeit, wo man weggeht. Wenn dann zu lesen ist, die gemeinsame Abendrunde könne sich auch in der Familie bis weit nach Mitternacht ziehen, führt das aber etwas in die Irre.

Denn Spanien verwendet seit 1942 die Mitteleuropäische Zeit, für die das Land eigentlich zu weit westlich liegt. So geht am heutigen 24. Jänner die Sonne in Santiago de Compostela um 8:15 auf, und um 19:18 unter, in Barcelona immerhin um 7:31 auf und um 18:37 unter. In Graz lauten diese Zeiten 6:44 und 17:37. Zu Barcelona beträgt der Unterschied also eine Dreiviertelstunde, zu Santiago de Compostela sogar eineinhalb Stunden. In Graz ist der Sonnenhöchststand kurz nach 12 Uhr erreicht, in Santiago de Compostela eher Richtung Dreiviertel Zwei. In der Sommerzeit entfernt sich der Sonnenhöchststand noch einmal eine Stunde von der 12-Uhr-Marke.

Mit der Umstellung folgte Spanien damals Frankreich, das seit der NS-Okkupation die Mitteleuropäische Zeit verwendet. Da schien es naheliegend, die Zeit des wichtigen Handelspartners und Nachbarn zu übernehmen. Doch die Arbeitszeiten synchronisierten sich nicht, wie vielleicht erwartet worden war.

Stattdessen entwickelte sich ein spezifisch spanischer Rhythmus: Die Spanier fangen wohl zu ähnlichen Uhrzeiten zu arbeiten an wie etwa ihre französischen Kollegen, haben ihre (lange) Mittagspause dann aber deutlich später — oft fängst sie erst um 14 Uhr an –, beginnen dann zwischen 15 Uhr und 16 Uhr wieder zu arbeiten, was sich wiederum ohne weiteres bis 20 Uhr ziehen kann, und schlafen dann eine Stunde weniger als es dem europäischen Durchschnitt entspricht. In Folge dessen sind die Spanier auch weniger produktiv, wie Berichte der Comisión Nacional Para La Racionalización de los Horarios Españoles anführen.

Ein Vorschlag ist daher, wieder die gleiche Zeitzone wie Großbritannien anzunehmen und in einer konzertierten Aktion gleichzeitig damit z.B. die Programmierung der Fernsehkanäle etc. so zu ändern, dass die Hauptabendzeit nach vor verlegt wird. Außerdem soll die lange spanische Mittagspause gekürzt werden, damit die Menschen früher nach Hause können und noch Zeit für das Familienleben bleibt.

Hinter diesem Vorschlag stehen mittlerweile auch zahlreiche Politiker und Gewerkschaften. Die lange Mittagspause ist sinnvoll, wo die brennende Nachmittagssonne jedes Arbeiten unmöglich macht. In der Landwirtschaft oder am Bau wird sie auch weiterhin notwendig sein. In vollklimatisierten Büros und Geschäften wohl weniger.

Schlussakkord für Sotschi 2014

Nun sind die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi zu Ende gegangen: Mit einer bunten, wirbelnden Schluss-Show, die mit großem Aufwand und viel Phantasie gestaltet war. Es ist bekanntlich nicht schick, zuzugeben, dass einem solche großen Shows gefallen, aber wundersamerweise finden sie immer ihre Zuschauer. Einziger Wermutstropfen: Auf ATV fehlten große Teile wegen der langen Werbeblocks, im ARD wiederum litten die Moderatoren unter Sprechdurchfall.

Abschlusszeremonie Sotschi 2014 © 2014 XXII Winter Olympic Games

Abschlusszeremonie Sotschi 2014 © 2014 XXII Winter Olympic Games

Jedenfalls ein würdiger Abschluss für Spiele, die nicht nur für Österreicher ohnehin in jeder Hinsicht erfreulich waren — 19 Medaillen und zahlreiche Wirtschaftsaufträge im Vorfeld –, sondern auch selbst gut und sicher funktioniert haben. Die Story vom Wolf im Hotel hat sich bekanntlich als Scherz eines US-Fernsehsenders herausgestellt, und die sogenannten #sochifails als lustiger, aber nicht unbedingt realitätsnaher Zeitvertreib.

Im Vorfeld wurden sie gern als Putins Spiele bezeichnet, eine abwertend gemeinte Bezeichnung. Es sind aber zweifellos Russlands Spiele geworden, nicht nur dank des großen sportlichen Erfolges mit 33 olympischen Medaillen, sondern auch, weil sich Russland als guter Gastgeber und Garant für sichere Spiele präsentieren konnte. Sie haben die Herausforderung „derhoben“. Für die russische Seele, die sich ohnehin gerne bedroht und benachteiligt sieht, Balsam. Jetzt müssen sie noch die Herausfoderung „derheben“, dass die hohen Investitionen in Sotschi nicht umsonst waren und der Ort an der Schwarzmeerküste tatsächlich jene touristische Bedeutung erhält, die man ihm damit geben will. Klima und Landschaft würden ja passen. Als Touristik-Experten waren die Russen bis jetzt aber nicht bekannt. Aber vielleicht überraschen sie uns ja.

Vorher aber gibt es ja noch die Paralympischen Spiele, von deren Athleten jeder einzelne einen Applaus verdient hat. Am 7. März geht es los.

„Der Pate“ unterm Turban

Nach all den ernsten Themen der letzten Tage etwas Leichteres: Der türkische Graphiker und Künstler Murat Palta hat sich die Frage gestellt, wie eine Verbindung traditioneller osmanischer Miniaturmalerei mit moderner Filmkunst aussehen könnte. Also hat er Schlüsselmotive in dieser Technik zu neuen Pastichen zusammengestellt.

Das ganze kann man sich auf behance.net ansehen. Dabei hat sich Palta bemüht, den Eindruck alter und abgegriffener Bilder zu erwecken. Dabei kann man übrigens auch eine gewisse Verwandtschaft zu mittelalterlichen Buchminiaturen aus Europa erkennen.

Mit seinen Tableaus, angefangen von „Star Wars“ mit Darth Vader als Großwesir bis zu „Alien“ hat er für Aufsehen im Netz gesorgt. Ich bin eher der Letzte als der Erste, der sie verlinkt. Bei Mehreen Kasana kann man ein Interview mit dem Künstler lesen, der die Bilder für seine Diplomarbeit an der Kunsthochschule gemalt hat.

(über kottke.org)

Karl der Große: 1200. Todestag

Am 28. Jänner 814 ist Karl der Große, König des Frankenreiches, römischer Kaiser, Vater Europas gestorben, im 46. Jahr seiner Regierung. Sein Schaffen strahlt bis heute weiter: Die Übertragung des (West)Römischen Kaisertums auf ihn schuf eine übernationale Reichsidee, die heute etwa von der Europäischen Union bemüht wird, die sich gerne auf Karl den Großen beruft. Die Karolingische Renaissance markiert einen kulturellen Wiederaufstieg Europas, eine Rückkehr zu alten Bildungstraditionen.

Der Feldherr Karl wiederum beendete die Awarengefahr in Mitteleuropa, festigte die Grenzen gegenüber den Mauren in Spanien und fügte mit seiner Unterwerfung der Sachsen — und eigentlich auch der Bayern — Völker in einen Staatsverband, die in Ostfranken später zu den Deutschen verschmelzen sollten, so wie in Westfranken in einem langen Prozess aus verschiedenen Kulturen und Schichtungen die Franzosen geformt wurden.

Eine eindrucksvolle Gestalt, deren Namen in manchen Sprachen bis heute für einen König verwendet wird, so im Russischen, Polnischen und Türkischen. Heute wird er dagegen gerne wieder kleingeredet, vor kurzem wurde einmal sogar sensationalistisch seine Existenz bezweifelt. Wer zeitgenössische Quellen liest, wird dagegen ein anderes Bild gewinnen.

Wer sich sonst ein Bild machen will: Anlässlich des 1200. Todesjahres des Kaisers wird es von 20. Juni bis 21. September drei Ausstellungen in Aachen geben, dem Sterbeort Karls. Näheres dazu kann man auf der Sonderseite zur Ausstellung, karldergrosse2014.de, erfahren.