Alles Gute, Benno Elbs!

Nun wird also Benno Elbs (52) zum Bischof für die junge Diözese Feldkirch bestellt, wie die „Presse“   und andere Medien berichten, nachdem der Ministerrat bereits damit befaßt war. Elbs war ja schon seit 2005 Generalvikar der Diözese, kennt also seine Gläubigen im kompakten Gebiet ziemlich gut. Das kann ein Vor- oder Nachteil sein. Ein Bischof von außerhalb kann für eine neue Perspektive sorgen, muß sich andererseits aber Wissen und Vertrauen erst mühsam erarbeiten. Die lange Vakanz – Vorgänger Elmar Fischer war am 11. November 2011 resigniert – weist daraufhin, daß man sich die Entscheidung nicht einfach gemacht hat. Benno Elbs galt schon länger als „episcopibilis“, die Frage war in der Gerüchteküche eher, wo der Theologe, Psychologe und Logotherapeut zum Einsatz kommen würde.

Insofern ist die Überraschung nicht seine Bestellung, sondern der Einsatzort. Doch wie Bischof Klaus Küng zu berichten weiß, kann ein Feldkircher Bischof auch schon einmal auf anderen unvermuteten Positionen landen.

Dem Weihekandidaten alles Gute und Gottes Segen für seine Aufgabe, den Vorarlberger Gläubigen, daß sie Geduld mit ihrem Hirten haben, ihm eine Hilfe und Stütze sind, er Ihnen ein guter Bischof werde.

Zwei Volksbegehren, zwei Flops

Die „Presse“ schreibt vom „Total-Flop“ der Volksbegehren. Anders kann man es wohl nicht bezeichnen, wenn sich die beiden Volksbegehren „Demokratie Jetzt!“ und „gegen Kirchenprivilegien“ an die Stellen 36 und 37 der bislang 37 Volksbegehren reihen, also den absoluten Tiefpunkt bedeuten. Nach dem vorläufigen Endergebnis haben 56.660 Menschen Niko Alms Anti-Kirchen-Volksbegehren unterschrieben, 69.841 Menschen das Demokratievolksbegehren rund um Johannes Voggenhuber, Erhard Busek & Co.

Jetzt wird natürlich von den Initiatoren schwadroniert, daß daran hauptsächlich die Politik und die Medien schuld seien, wie man bereits in dieser APA-Meldung beim „Standard“ nachlesen kann. Die journalistische Reaktion scheint darauf hinauszulaufen, daß Volksbegehren eh nichts bringen, und daher hätten so wenige Menschen unterschrieben. Aber die Unterzeichner von „Pro Motorrad“ (Volksbegehren Nr. 35 in der Erfolgsliste) haben damals sicher auch nicht geglaubt, die Welt aus den angeln zu heben, sondern wollten einfach ein Zeichen setzen. Wie es bei anderen Begehren auch der Fall war.

Niemand kommt anscheinend auf die Idee, daß eine so geringe Beteiligung schlicht damit zusammenhängen könnte, daß die Anliegen einfach von vielen Menschen zumindest in dieser Form nicht geteilt wurden. Vielleicht haben doch nicht so viele Menschen einen solchen Haß auf die Religionsfreiheit und die Arbeit der großen Religionsgemeinschaften, daß sie das Machwerk Niko Alms & Co. mit einer Unterschrift adeln wollten, wenn sie auch vielleicht kritisch zu manchen Entwicklungen und rechtlichen Bestimmungen stehen. Das übigens trotz intensiver medialer Unterstützung etwa im ORF, „Standard“ etc., wo dem Anti-Kirchen-Volksbegehren wesentlich mehr Platz als dem Demokratievolksbegehren eingeräumt wurde.

Vielleicht war ich nicht der einzige, dem die Forderungen des Demokratievolksbegehrens als disparat und widersprüchlich erschienen. Zu viele Forderungen auf einmal haben es schwierig gemacht, eine klare Botschaft zu sehen, die man mit einer Unterschrift unterstützen würde.

Die Reaktionen der Volksbegehrer beweisen auch, daß die Realitätsleugnung der Politiker nach Wahlniederlagen auch bei Volksbegehren einfach dazu gehört: Wir machen weiter, werden unsere Ziele umsetzen, danken den Wählern etc.. Es sind doch einfach grundmenschliche Regungen: Wer will schon gerne eingestehen, daß er gerade eine Niederlage erfahren hat?

„Embryonen sind kein Rohstoff“

One of Us

One of Us

Ich habe schon einmal auf die europäische Bürgerinitiative „One of Us“ hingewiesen, die sich dafür einsetzt, daß die EU keine Geldmittel mehr für Projekte ausgibt, bei denen ungeborene Menschen in den ersten Monaten ihres Lebens für kommerzielle oder wissenschaftliche Zwecke getötet werden. Damit soll auch die Realpolitik der EU endlich mit der Judikatur des EuGH in Einklang gebracht werden. Noch bis 9. Mai läuft die Kampagne, die man hier direkt unterschreiben kann (EU-Server) oder über die man sich hier bei der Lebenskonferenz ein wenig eingehender informieren kann. Für die Unterschrift muß man Reisepass oder Personalausweis bereithalten.

Vor zehn Tagen hat übrigens der St. Pöltner Diözesanbischof und Arzt Dr. Klaus Küng in einer Aussendung noch einmal eindringlich für „One of Us“ geworben. Ein Auszug:

„Embryonen sind kein Rohstoff“, so der Familienbischof in seinem „dringlichen Appell“ vom Donnerstag. Wahlberechtigte, die „ein klares Zeichen für die Würde des Menschen setzen“ wollten, mögen „unbedingt unterzeichnen – besser heute als morgen“, so Küng wörtlich. „One of us“ ist ein Bündnis von Bürgern und Organisationen aus mehr als 20 EU-Mitgliedsstaaten, das öffentliche Gelder für embryonale Stammzellforschung stoppen will. Dabei werden Embryonen zu Forschungszwecken zerstört, „obwohl es ethisch unbedenkliche Alternativen gibt, die häufig sogar die besseren Ergebnisse erzielen“, so der ausgebildete Mediziner Küng. Diese Anliegen stimmt mit der Position der österreichischen Bundesregierung überein.

Also: Unterschreiben.

Meine Schafe hören auf meine Stimme

Der vierte Sonntag der Osterzeit hat wohl das kürzeste Evangelium der Festzeit – ich habe es zugegebenermaßen nicht überprüft:

Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins. (Joh 10,27-30)

Es ist ein kurzer Text großer Kraft, der allerdings auch zu Mißverständnissen Anlaß geben kann, wenn man ihn nicht in der Gesamtschau der Bibeltexte gelesen hat. Jesus wird konfrontiert: Was hat es mit dem Messias-Anspruch auf sich? Bist Du es nun oder nicht? Und Jesus gibt darauf die obenstehende Antwort. Er tritt einem Messias-Verständnis entgegen, bei dem dieser die Menschen gleichsam zwingt, ihnen zu folgen, in dem er in solcher Pracht und Stärke auftritt, daß man sich ihm quasi nicht entziehen kann.

Wer sein Herz für Jesus geöffnet hat, wer auf die Stimme Jesu hört, ihn als seinen Hirten annimmt, der wird von Jesus auch angenommen: Kennen ist in diesem Zusammenhang mehr als ein bloßes „Habe ich schon einmal gehört“. Wenn wir aber auf ihn hören, dann folgen wir ihm auch. Wie Alkuin interpretiert: „[… das heißt,] daß sie hier den Weg der Sanftmut und der Unschuld gehen, danach aber zu den Freuden des ewigen Lebens eintreten.“ Umgekehrt: Man muß ihm nicht folgen. Gerade vorher spricht er seine Gesprächspartner an: „[I]hr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört.“

Doch Jesus stellt sich Zweiflern daran, daß er der Messias sei, entgegen, indem er einen noch höheren Anspruch ausspricht: „Ich und der Vater sind eins.“ Damit wird auch die Dreifaltigkeit bereits angedeutet, und seine Gesprächspartner deutlich darauf hingewiesen, daß sie eben nicht dem Vater folgen, wenn sie ihn, den Sohn, ablehnen.

Man kann diese Stelle auch in Bedeutung einer Prädestination lesen, doch der Zusammenhang läßt diese Deutung abwegig erscheinen. Jesus könnte ja seinen Zuhörern gar nicht vorwerfen, daß sie ihm nicht glauben, wenn sie keine andere Wahl hätten.

Dammbruch zur Polygamie?

In den USA und Europa ist die salopp „Homo-Ehe“ genannte rechtliche Neudefinition der Ehe in vielen Ländern schon eingeführt oder wird von maßgeblichen politischen Kräften unterstützt. Was ich davon halte, habe ich schon ausführlich geschrieben. Angesichts des Erfolgs bricht aber nun die nächste Diskussion auf: Warum eigentlich nur zwei Personen? Warum ist Polygamie zwar in Saudi-Arabien, aber nicht bei uns  erlaubt? Siehe z.B. hier im Economist:

But “why only two?” isn’t a ridiculous question. It’s easy enough to show that gay marriage does not empirically lead to pressure to legalise polygamy; that hasn’t happened anywhere that gay marriage is legal. But this is different from explaining why opening up the boundaries of the 20th-century understanding of marriage shouldn’t raise the possibility of legalising polygamy. Why shouldn’t it be legal for more than two consenting adults to marry each other? […] But my guess is that the real answer to the conservative question “why not more than two people, then?” is that we will stick to pairs because marriage is a creature of the state and pairs are the form that makes the state strongest. Nobody, though, gays or conservatives, finds this way of thinking about the issue very appealing, so it probably won’t get much play.

Und Jillian Keenan fordert im amerikanischen „Slate“-Magazin frei heraus: „Legalize Polygamy!“:

The case for polygamy is, in fact, a feminist one and shows women the respect we deserve. Here’s the thing: As women, we really can make our own choices. We just might choose things people don’t like. If a woman wants to marry a man, that’s great. If she wants to marry another woman, that’s great too. If she wants to marry a hipster, well—I suppose that’s the price of freedom.

And if she wants to marry a man with three other wives, that’s her damn choice.

Bevor nicht alles, was sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat, gesetzlich als Ehe bezeichnet darf, ruhen wohl die Vorkämpfer der „Marriage Equality“ nicht. Und wer immer behauptet hat, daß „Dammbruch-Argument“ wäre irreführend, ist bereits widerlegt: Wer die Ehe und ihren Zweck staatlicher Neudefinition öffnet, weckt natürlich die Begehrlichkeit aller möglicher Gruppen.

Zwei Volksbegehren: Mehr Demokratie vs. weniger (Religions)Freiheit

In Österreich kann man nun also zwei Volksbegehren unterschreiben, das eine davon für mehr Demokratie, das andere für weniger. Das eine heißt „Demokratie jetzt!“, unterstützt etwa von Politikveteranen verschiedener Parteien, wie Herbert Bösch (SPÖ), Erhard Busek (ÖVP), Friedhelm Frischenschlager (LIF) oder Andreas Wabl (Grüne), aber auch „Nullgrupplern“ wie Hubert von Goisern. Gefordert werden etwa ein stärkeres Persönlichkeitswahlrecht, eine Reform der Parteienfinanzierung und eine Föderalismusreform.

Mein Probem mit dem Begehren ist sein Bauchladen-Charakter: Es ist für jeden etwas dabei, daher unterstützt man aber umgekehrt auch Anliegen, die man nicht unterstützen will. Nun ist das bei Wahlen auch nicht anders — welches Wahlprogramm kann man schon wirklich ganz unterschreiben? –, und manchmal muß man auch Forderungen unterstützen, die man nicht teilt, damit man andere Forderungen durchsetzen kann.

Aber die innere Widersprüchlichkeit fängt schon bei der Forderung 1 („Neues Wahlrecht“) an. Einerseits will man ein stärkeres Persönlichkeitswahlrecht, andererseits gesetzliche Quoten nach Geschlecht auf Parteilisten. Beides geht aber nicht: Entweder darf der Wähler über die Persönlichkeiten direkt mitentscheiden, dann ist jede Liste aber nur eine unverbindliche Empfehlung und Quoten nur eine Pflichtübung. Oder man will den Wählerwillen eben doch aushebeln und mit verpflichtenden Quoten jede Partei zwingen, bestimmte Gruppen zu repräsentieren, und nur, wenn das gewährleistet ist, greift das Persönlichkeitswahlrecht. Dann ist es aber nur mehr die Hälfte wert.

Auch die Forderung nach einer verpflichtenden Volksabstimmung zu sehr erfolgreichen Volksbegehren ist relativ sinnfrei, solange viele Volksbegehren (wie auch dieses) schwammige Formulierungen verwenden und aus bunten Forderungskatalogen bestehen. Eine Volksabstimmung sollte schon für eine zielgerichtete öffentliche Debatte über ein konkretes, klares Vorhaben durchgeführt werden.

Mein persönlicher Ratschlag an alle möglichen Volksbegehrer: Bitte konzentriert Euch auf wenige, klar umrissene Forderungen, dann fällt die Unterstützung leichter. Daran ist im Prinzip auch schon das „Bildungsvolksbegehren“ gescheitert, daß durch seine Vielzahl von z.T. widersprüchlichen Forderungen viele abgeschreckt hat, die sich nicht für die eine oder andere Forderung instrumentalisieren lassen wollten.

Ach ja, dann gibt es noch ein Volksbegehren für weniger Demokratie — auch bekannt als „Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien“ oder salopp „Anti-Kirchen-Volksbegehren“. Daß die Werber für dieses Begehren mit falschen Zahlen und phantasiereichen Behauptungen agieren, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Doch letztlich geht es um folgendes: Organisierte religiöse Bekenntnise sollen aus der Öffentlichkeit verbannt werden. Wenn konfessionelle Privatschulen und Spitäler – die dem Staat bekanntlich Geld sparen helfen – in Frage gestellt werden, wenn der freiwillige Religionsunterricht abgeschafft werden soll, wenn Religionsfreiheit als Freiheit von jedem Anzeichen von Religion verstande wird, dann heißt das: Wichtige gesellschaftliche Gruppen, denen sich viele Menschen verbunden fühlen, sollen aus der offiziellen Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Das ist offensichtlich das Gegenteil einer liberalen Demokratie.

Und wer soll das Vakuum füllen? Der Staat. Lieber keine konfessionellen Schulen, sondern leistbare Schulbildung dem Staat überlassen. Lieber keine Erleichterung für private Mildtätigkeit – besonders, wenn sie religiös motiviert ist! –, dann bleibt aber wohl nur: Mehr Staat. Während Religionsgemeinschaften jetzt auch immer wieder einen Kontrapunkt zu Ansprüchen der Regierenden stellen, sollen diese Kontrapunkte offenbar verschwinden. Also: Entdemokratisierung, Machtkonzentration.

Der Haß auf Religion verfinstert den Blick der Initiatoren, und es bleibt ausgerechnet dem Leiter des Medienreferats der Österreichischen Bischofskonferenz, Paul Wuthe, überlassen, die logische liberale Antwort zu geben: Inklusion, Ausweitung von Bestimmungen auf weitere gesellschaftliche Gruppen, wenn es paßt und sich sinnvolle Kriterien definieren lassen. Mehr Vielfalt zulassen, nicht die vorhandene Vielfalt ausmerzen.

One of us

One of Us

One of Us

Mit dem Vertrag von Lissabon wurde in der EU die Möglichkeit der „Europäischen Bürgerinitiative“ geschaffen: In allen Bereichen, in denen die EU-Kommission die Kompetenz hat, Vorschläge für Rechtstexte zu machen, kann eine Initiative eingereicht werden. Sie muß von mindestens einer Million Menschen in zumindest sieben Mitgliedstaaten getragen werden, wobei es für jeden Mitgliedstaat ein Mindestquorum gibt.

Momentan sind die ersten Initiativen zur Unterschrift bereit, wobei man sie auch online unterstützen kann, sofern man seinen Reisepaß zur Hand hat. Darunter befindet sich auch eine, die meiner Meinung nach besonders unterstützenswert ist: „Einer von uns“, oder, wie sie auf Englisch heißt: „One of us“.

Worum geht es? Der EuGH hat im Urteil C 34/10 vom 18. Oktober 2011, Oliver Brüstle gegen Greenpeace e.V. festgestellt:

35. Insofern ist jede menschliche Eizelle vom Stadium ihrer Befruchtung an als „menschlicher Embryo“ im Sinne und für die Anwendung von Art. 6 Abs. 2 Buchst. c der Richtlinie anzusehen, da die Befruchtung geeignet ist, den Prozess der Entwicklung eines Menschen in Gang zu setzen.

In der Folge stellte der EuGH fest, daß Erfindungen, für deren Anwendung solche „Embryonen“ zerstört werden müssen, als Ergebnis des Unionsrechts nicht patentiert werden können. Es geht dabei, wie aus den zitierten Rechtsquellen hervorgeht, auch um eine Frage der Menschenwürde, denn schon eine befruchtete Eizelle trägt das ganze Potential menschlicher Entwicklung in sich.

Die Initiative knüpft daran an und fordert, daß die EU keine Finanzmittel zur Unterstützung oder Ausführung von Tätigkeiten zur Verfügung stellt, bei denen „menschliche Embryonen“ vernichtet werden oder diese Vernichtung Vorraussetzung ist. Auch das ist eine Frage der Menschenwürde. Wenn die Beendigung menschlichen Lebens auch in bestimmten Fällen aus technisch-kommerziellen Gründen gesetzlich erlaubt ist, so darf sie dennoch nicht durch Steuermittel gefördert werden.

Die genauen Forderungen kann man hier als Word-Dokument nachlesen, bzw. hier auf der offiziellen Informationsseite der EU-Kommission. Wer online unterschreiben will, kann dies hier auf einem Server der EU-Kommission tun.

Ostermontag: „Begreift ihr den nicht?“

Wo der Ostermontag als Festtag begangen werden kann, dort wird an diesem Tag das Evangelium von den Emmaus-Jüngern gelesen, verbunden mit einem Abschnitt aus der Pfingstpredigt des Petrus. Die beiden Texte hängen eng zusammen. In einem offenbart sich der Auferstandene zwei verzweifelten Jüngern. Sie haben zwar schon vom leeren Grab gehört, aber sie können die gute Nachricht nicht glauben. Nicht nachdem, was in den letzten Tagen in Jerusalem geschehen ist. Jesus überzeugt die beiden nicht, in dem er sich einfach zu erkennen gibt, sondern auf subtilere, aber tiefgehendere Weise:

Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

Damit gibt er ihnen auch selbst das Rüstzeug in die Hand, um anderen vom Wunder der Auferstehung zu erzählen, von der fröhlichen Urständ, die nun den Menschen verheißen ist. Würden sie einfach berichten, Jesus hätte sich ihnen gezeigt, so können das andere glauben oder eher Wunschträumen zuordnen. Doch Jesus legt ihnen eine ganze Beweiskette vor, warum das Leiden geschehen, die Auferstehung folgen mußte. Erst dann gibt er sich in eucharistischer Weise beim Brechen des Brotes zu erkennen, um sich hernach ihren Blicken zu entziehen, wo sie jetzt doch auch keiner Beweise mehr bedürfen. Noch ein schöner Gedanke steckt darin, den P. Mayer OSA in einer Predigt so formuliert hat:

Zweifelsohne unterstreicht der Evangelist mit dieser seiner Emmauserzählung, was er den Christen aller Zeiten sagen will: Die an Christi Erlösungswerk Glaubenden bedürfen keiner besonderen Erscheinung ihres Herrn mehr. Die Erfahrung einer Begegnung mit ihm bietet ihnen vorzüglich die Feier der Eucharistie. Das soll genügen!

Petrus wiederum legt in seiner Predigt den Zuhörern — unter denen sich im übrigen zum Teil dieselben befinden, die am Karfreitag noch gerufen haben: „Kreuzigt ihn!“ — ausgehend von der Heiligen Schrift dar, warum Jesus auferweckt wurde. Das klingt sehr gewagt, war doch dieser auferweckte Jesus nicht physisch anwesend. Doch die Menschen in Jerusalem hatten sich wohl schon zugeraunt, daß da irgendetwas mit diesem Jesus geschehen sei, solche Gerüchte verbreiten sich schnell, und das Pfingstwunder verbrieft die Worte des Petrus als zumindest beachtenswert. Und so erklärt er, warum das, was zuerst wie ein schmachvolles Scheitern aussah, zum Zeichen des Erlösers werden konnte, setzt die Heilsereignisse in einen Kontext, den die Zuhörer verstehen konnten.

Wie die Worte Jesu die Emmaus-Jünger treffen („Brannte uns nicht das Herz …“), so treffen auch Petri Worte, die er erfüllt vom Heiligen Geist spricht, die Menschen in Jerusalem ins Herz, wie die Apostelgeschichte berichtet (Apg 2,37). Wie die Jünger rasch nach Jerusalem umkehrten, so wenden sich nun viele Menschen unverzüglich der Gemeinschaft der Apostel zu, weil sie die Auferstehung Jesu erkannt haben.

Später wirken die Apostel im Namen des Herrn auch Wunder, doch sie bestätigen nur, sie sollen nicht Anlaß des Glaubens sein.

Um Jesus zu erkennen, braucht es eben kein Wunder, sondern ein offenes Ohr und ein offenes Herz.

Die ganze Welt in Deiner Urständ’ fröhlich ist

Auferstehung Christi (Thörl-Maglern-Greuth) © Johann Jaritz

Auferstehung Christi (Thörl-Maglern-Greuth) © Johann Jaritz

Der Herr ist auferstanden!
Ein frohes und gesegnetes Osterfest!

  1. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ,
    Halleluja, Halleluja,
    in deiner Urständ fröhlich ist.
    Halleluja, Halleluja.
  2. Das himmlisch’ Heer im Himmel singt,
    Halleluja, Halleluja,
    die Christenheit auf Erden klingt.
    Halleluja, Halleluja.
  3. Jetzt grünet, was nur grünen kann,
    Halleluja, Halleluja,
    die Bäum zu blühen fangen an.
    Halleluja, Halleluja.
  4. Es singen jetzt die Vögel all,
    Halleluja, Halleluja,
    jetzt singt und klingt die Nachtigall.
    Halleluja, Halleluja.
  5. Der Sonnenschein kommt jetzt herein,
    Halleluja, Halleluja,
    und gibt der Welt ein’  neuen Schein.
    Halleluja, Halleluja.
  6. Herr Jesu, unser Herz erfreu’,
    Halleluja, Halleluja,
    in uns den wahren Geist erneu.
    Halleluja, Halleluja.
  7. Daß wir von dieser Osterfreud’,
    Halleluja, Halleluja,
    gelangen zu der Seligkeit.
    Halleluja, Halleluja.

— Friedrich Spee (*1591 † 1635)
Quelle: Mäyntzisch Gesangbuch.

Beim Kreuz mit Lieb und Leid verwundt

Beim Kreuz mit Lieb und Leid verwundt /
Maria Mutter Gottes stundt /
Daran ihr Sohn tät hangen.
Ihr Seel war voller Angst und Leid /
erfüllt mit Klag und Traurigkeit /
Durch sie das Schwert ist gangen.

Wie traurig und wie ängstig ward /
die so Gebenedeite zart /
des Eingebornen Mutter!
Wie sie da zittert / klagt und zagt /
als sie ansah / wie man da plagt
Ihrn Sohn. Ach Gott, wem tut er?

Wer ist der Mensch, der nit wird flehn /
sollt er die Mutter Christi seh’n /
in solcher Pein und Leiden?
Wer / sag ich / wollt da trauern nicht /
wann er der Mutter Angst ansicht?
Das Leiden traf sie beide.

Für die Sünd seiner Kreatur
Sah sie ihr’n Sohn in der Tortur /
und geißlen / bis aufs Leben.
Sie sah ihr’n allerliebsten Sohn /
am Kreuz mit höchstem Spott und Hohn /
sein edlen Geist aufgeben.

Ei Mutter / ei, du Brunn der Lieb /
mach, daß ich auch empfindlich üb /
Dein Leid und Schmerzen alle.
Verschaff, daß mein Herz brennen tu /
in Christi Lieb ohn alle Ruh /
damit ich ihm gefalle.

Verschaffe, daß ich für und für /
sein Leiden zu Gemüte für /
und nehm es wohl zu Herzen.
Weil er so gern gelitten hat,
für mich / bitt ich / daß er gestatt /
mit ein Teil von sein Schmerzen.

Mach, daß mit Deinem liebsten Kind /
ein groß Mitleiden ich empfind /
solang ich hab das Leben.
Laß mich bei’s Herren Kreuze sein /
ein treuen Mitgesellen Dein /
nach dem mein Wunsch tut streben.

O Jungfrau aller Jungfraun Zier /
Ich bitt, sei nicht zuwider mir /
und laß mich mit Dir klagen.
Mach, daß ich Christi Tod und Pein /
mög tragen bis ans Ende mein /
erholen seine Plagen.

Das heilig Kreuz und Wunden hol /
mein Herz von Lieben machen voll /
aus Christi Lieb und Pflichte.
Aufs höchste sei mein Lieb entzünd’ /
handhabe mich bei deinem Kind /
am Tage des Gerichte.

Das heilig Kreuz mein beste Hut /
und Christi Tod komm mir zu gut /
sein Gnad woll mich umgeben.
Daß, wann mein Leib nun sterben muß /
die Seel doch habe zum Genuß /
im Paradeis zu leben.

— Friedrich Spee (*1591 † 1635)
nach dem Stabat Mater
Quelle: Mäyntzisch Gesangbuch