Ein Bub und sein Atom – der kleinste Film der Welt

Solche Dinge faszinieren mich immer wieder: IBM hat den „kleinsten Film“ der Welt vorgestellt, eine kurze Geschichte, die mit Hilfe von etwa 10.000 Atomen in 242 Bildern erzählt wird. Dabei wurden Kohlenmonoxid-Moleküle Bild für Bild mit Hilfe einer Art Nadel auf einer Kupferoberfläche bewegt, Nanometer für Nanometer. Bei einer Temperatur von -268 Grad Celsius. Der passende Titel: „A Boy And His Atom“.Ein klarer Fall fürs Guiness Buch der Rekorde – und für Nostalgie, erinnert der Film doch an erste Kurzanimationen am Computer vor vielen Jahrzehnten:

Zugegeben, es ist eigentlich eine Werbung für das Rastertunnelmikroskop von IBM, mit dem man mit Hilfe von Spannungsunterschieden die Topographie auf atomarer Ebene beobachten kann, für die technischen Fähigkeiten der Wissenschafter von IBM im Bereich der Nanotechnologie, für die Bemühungen von IBM, neue Speichermedien zu finden. Aber was für eine Werbung! Eine, die uns an die Grenzen unserer Vorstellungskraft führt.

Mehr dazu kann man in der Presseaussendung von IBM lesen, in der einige technische Details zum Film erklärt werden. Nicht nur den Film, sondern viele Hintergründe zur Herstellung der kurzen Sequenz gibt es auf youtube.com/madewithatoms bzw. auf der zugehörigen Seite von IBM Research.

Und was ein richtiger Film ist, braucht natürlich auch ein Filmplakat. Voi là, hier ist es:

Ein digitaler Lesesaal

Die Österreichische Nationalbibliothek hat gemeinsam mit Google bislang 100.000 Bücher digitalisiert und online verfügbar gemacht. Weitere 500.000 sind in der Warteschlange, darunter die kostbaren Werke aus dem Prunksaal am Wiener Josefsplatz.

Ereignisse wie der Brand der der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar oder der Einsturz des Kölner Stadtarchivs machen bewußt, wie flüchtig und vergänglich die überlieferten Bücher sind. Doch nur ein Teil davon ist als Faksimile oder Nachdruck verfügbar, manches nicht einmal aufgearbeitet. Durch die Digitalisierung – und hoffentlich folgende Abspeicherung durch viele interessierte Leser – werden die Chancen vergrößert, daß ein Werk auch kommenden Generationen verfügbar bleibt.

Die Österreichische Nationalbibliothek ist eine der führenden Bibliotheken bei der Digitalisierung, und stellt beispielsweise zahlreiche alte Tageszeitungen online unter anno.onb.ac.at zur Verfügung, darunter viele Blätter des 19. Jahrhunderts, oder Reichsgesetzblätter und andere Rechtstexte aus der Monarchie und danach unter alex.onb.ac.at. Mehr Links kann man im Digitalen Lesesaal finden.

Außerdem arbeitet die Nationalbibliothek bei der Plattform europeana mit, in der sich zahlreiche Institutionen zusammengeschlossen haben, um verschiedenste Werke digitalisiert zur Verfügung zu stellen. So habe ich schon einige alte Drucke gefunden und im Original lesen können, für dich ich früher wohl eine größere Reise hätte unternehmen müssen – und sie folglich gar nicht gelesen hätte.

Die digitale Revolution ist als Mittel, um historische Werke zugänglich zu machen, ja sogar überhaupt zu erhalten, nicht zu unterschätzen. Gut, daß die Nationalbibliothek unter Johanna Rachinger da in vorderster Reihe mitmacht.

Alan Kay: The Music Is Not In The Piano

Alan C. Kay ist einer breiten Öffentlichkeit leider kein Begriff, doch der 1940 geborene Informatiker war in den Sechziger und Siebziger Jahren an der Entwicklung auch heute noch maßgeblicher Technologien und Konzepte der Informatik beteiligt. Er hat für das Xerox Forschungszentrum PARC gearbeitet, wo unter seiner Mitarbeit der moderne Desktop mit Maussteuerung und Fenstern erfunden worden ist, arbeitete an wissenschaftlichen Projekten für Apple, Walt Disney Imagineering, Hewlett-Packard Labs und anderen. Er gilt als Erfinder der objektorientierten Programmierung. Kay ist auch für sein wegweisendes Konzept des „Dynabook“ aus dem Jahr 1972 bekannt, ein dynamisches, interaktives Gerät in der Größe eines A4-Hefts, das als Unterrichtswerkzeug für Kinder geeignet sein würde.

Nun hat Harry McCracken für das „Time“-Magazin Kay interviewt, und dabei ist ein sehr interessanter und pointierter Text entstanden.

Gleich vorweg: Auch wenn heutige Tablets seinem Dynabook-Konzept nahekommen, so sieht Kay seinen Traum noch unerfüllt, weil er die Anwender auch als Verbreiter selbstgeschaffener Inhalte sehen wollte. Er nennt das „symmetric authoring and consuming“. Und den modernen Einsatz von Comptern in der Schule vergleicht er eher damit, einfach Klaviere in Klassen zu stellen – aber keinen Klavierunterricht zu erteilen.

Allgemein sieht er die jetzige Entwicklung der Computer- und Medienwelt eher skeptisch:

Die Wissenschaft braucht eine Gesellschaft, weil sogar Menschen, die versuchen, gute Denker zu sein, ihre eigenen Gedanken und Theorien lieben — die Fehlerbeseitigung muß großteils von anderen erledigt werden. Aber das ganze System muß über unsere genetischen Zugänge hinauswachsen, damit soziales Denken funktioniert.

Im Gegensatz dazu ist es keine große Übertreibung zu betonen, daß die elektronischen Medien in den letzten mehr als hundert Jahren sogar einige der täglichen Notwendigkeiten für Lesen und Schreiben beseitigt und so großen Teilen der zivilisierten Welt erlaubt haben, in mündliche Gesellschaftsformen zurückzufallen (und das ist überhaupt nicht gut für Systeme, die eine in modernen Formen denkende Bürgerschaft erfordern).

Für die meisten Menschen ist das, was gerade passiert, ziemlich schädlich.

(Meine Übersetzung)

Warum? Weshalb? Selber lesen.

Smartphone 2013: Auf der Suche nach der Tastatur

Vor Monaten habe ich es auf diesem Blog thematisiert – und ich bin, wie die Zugriffszahlen zeigen, beileibe nicht der einzige, den es interessiert: Das Verschwinden hochwertiger Tastatur-Handys. Nun hat sich auch der ORF dieses Themas angenommen, mit der ernüchternden Auskunft der Netzbetreiber:

Laut Herstellern und Mobilfunkern ist die Nachfrage nach Tastaturhandys in Österreich nicht groß genug, um entsprechende Modelle in den Shops auf Vorrat zu halten. Der Trend gehe eindeutig Richtung Touch-Smartphones, heißt es etwa bei T-Mobile Austria, wo es wie bei A1 derzeit nur BlackBerrys gibt. Dabei stellt sich die Frage, ob die aktuellen Geräte nicht interessant genug sind oder ob der allgemeine Drang zum Wischphone die Vorteile einer physischen Tastatur verdrängt hat.

Freilich verbirgt sich dahinter ein Henne-Ei-Problem: Die gegenwärtig existenten Tastaturhandys sind oft in anderen Belangen so schlecht ausgerüstet, daß nur derjenige zu ihnen greift, für den eine Tastatur ein absolutes Muß ist. Sicher sind immer Kompromisse im Design notwendig – so war jedem klar, warum das Sony Vivaz Pro (mit Tastatur) eine schlechtere Kamera als das Vivaz (ohne Tastatur) haben mußte. Aber die Trade-Offs waren nicht so groß, daß nicht doch viele zum Tastatur-Gerät gegriffen hätten. Das ist nun anders, besonders auf dem europäischen Markt.

Selbst Blackberry brachte sein neues System 10 zuerst auf einem reinen Touchscreen-Gerät auf den Markt. Zumindest wird bald ein top-ausgestattetes Handy mit gutem Bildschirm (720×720 Pixel) und Tastatur folgen. Ein Interview mit Blackberry-Chef Thorsten Heins macht allerdings Hoffnung, daß die Geräte auch für Menschen interessant sein könnten, die keinen der Blackberry-Dienste benötigen:

Die Presse: Ein Hindernis für Konsumenten ist die Gebühr, die man für die Blackberry-Dienste zusätzlich bezahlen muss. In Österreich sind das zwischen zwei und fünf Euro pro Monat. Wird die bleiben?

Thorsten Heins: Für Blackberry bis zur Version sieben auf jeden Fall, weil bei den Handys unser Netz benutzt wird. Mit dem neuen Blackberry werden wir das anders machen: Wer den normalen Zugang zum Internet und zu E-Mails will, der bezahlt nichts. Wenn man aber zum Beispiel mehr Sicherheit will, wenn man spezielle Funktionen von uns haben will, dann werden gestaffelt Gebühren fällig werden.

Nokia will übrigens Tastatur-Handys weiterhin auf die einfachen Asha-Telephone beschränken, während sie für Tastatur-Smartphones keinen Bedarf sehen. Die Antwort des langgedienten Mobilfunk-Journalisten Steve Litchfield: „Poppycock!“ Denn:

 If ‘consumers’ were given the choice, a sizeable niche would indeed choose something modern that also had a physical slide-out or fold-out keyboard. They’re simply not being given that choice. Skewing what Nokia and others perceive as ‘demand’ (looking at what’s selling).

As tkoola points out on Twitter:

“You know what else was “not requested” by the customers? Touch screen phones in 2005 and 2006.”

Indeed. “Consumer demand” is a very poor indicator in terms of working out what to build next.

Die Mobilfunk-Messe MWC in Barcelona bringt jedenfalls keine neuen QWERTZ-Geräte – dafür insofern Spannendes, als die ersten Geräte mit dem quelloffenen Firefox OS vorgestellt worden sind, so das Alcatel Fire und das ZTE Open. Für den Konsumenten kann mehr Auswahl nur gut sein. Jetzt hätte ich nur gern wieder mehr Auswahl bei den Formfaktoren, wie wir sie schon einmal hatten.

Blackberry: Das neue System läßt hoffen

Nachdem ich wort- und leserreich das Fehlen guter neuer QWERTZ-Handys beklagt habe, kann ich nicht schweigend am neuen Blackberry-Betriebssystem vorbeigehen. Der kanadische Hersteller „Research in Motion“ hat sich extra in „Blackberry“ umbenannt, um seine Zuversicht zu unterstreichen, mit dem rundum erneuerten System wieder auf Erfolgskurs zu segeln.

Blackberry setzt dabei als Betriebssystemkern auf QNX, ein Echtzeitbetriebssystem, das wegen seiner Verläßlichkeit etwa in Atomkraftwerken etc. verwendet wird.  Das ermöglicht ihnen auch echtes, flüssiges Multitasking ohne hohe Rechenleistung. Blackberry 10, wie es genannt wird, will etwa dadurch bestechen, daß Benachrichtigungen aus jeder Anwendung heraus rasch gelesen werden können, oder eine echte Trennung privater und beruflicher Daten, nicht zu vergessen die Implementierung höchster Sicherheitsstandards. Blackberry hat es außerdem geschafft, viele wichtige Anwendungen von Anfang an für das neue System anbieten zu können. Die vielen Gesten, die man für die Bedienung erlernen soll, könnten freilich eine Hürde darstellen; ganz intuitiv dürfte es nicht sein.

Das erste Gerät mit der neuen Software, Z10,  ist leider, trendbedingt, schon wieder eine ununterscheidbare Glasfront mit schwarzem Rand, doch bald darauf soll auch das Tastaturgerät Q10 bei den Netzbetreibern erhältlich sein. Bei GSMArena gibt es einen ausführlichen Vorbericht zum Z10, der auch viele Aspekte des neuen Betriebssystems abdeckt. Ich verlinke lieber auf deren Seite, da sie zu den neutralsten Berichterstattern in Sachen Handy gehören, die ich kenne, selbst dann, wenn sie vom Hersteller schlecht behandelt worden sind. Der Bericht klingt alles in allem nicht so schlecht; freilich gibt es noch keine Tests des Q10 selbst, das mich viel mehr interessiert. Sollte ich welche finden, werde ich sie natürlich verlinken.

Ein Blick in die Frühzeit des Apple-Designs

Hartmut Esslinger ist einer der prägenden Designer der letzten Jahrzehnte; zuerst als Mitarbeiter anderer Unternehmen, mit dem von ihm gegründeten Unternehmen frog design hat er Entwürfe geschaffen, die die Designsprache nachhaltig beeinflussen sollten. Bekannt ist er freilich weniger für seine hansgrohe-Duschköpfe oder die Betreuung der Lufthansa, sondern für seine Zusammenarbeit mit Steve Jobs. Designboom zeigt einige Entwürfe Esslingers aus den frühen Achtziger Jahren, die angesichts der damaligen realen Möglichkeiten z.T. sehr utopisch wirken. Sehr interessant.

Jollas Sailfish OS hinterläßt einen guten Eindruck

Jolla: Sailfish OS

Jolla: Sailfish OS

Nach dem Weihnachtsgeschäft folgt im Mobiltelephonsektor nur eine kurze Atempause, dann geht die Entwicklung weiter. So konnte das Portal Engadget einen Blick auf den MeeGo-Nachfolger „Sailfish OS“ von Jolla werfen, und war vom neuen Betriebssystem für Smartphones durchaus angetan. (Hier habe ich schon über Sailfish OS geschrieben). Jolla, das ist ein neues Unternehmen, das hauptsächlich von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründet wurde, und Anfang 2013 in den Markt einsteigen will, mit dem Fokus auf China. Engadgets Resumée:

Overall, we came away reasonably impressed with Sailfish OS, despite experiencing only a fraction of its functionality. Performance was decent considering the N950′s relatively modest single-core underpinnings — then again, MeeGo’s no slouch either. Obviously, we’ll reserve judgment until we have the opportunity to play with the final product sometime in Q1 2013.

So war die Testerin von der einfachen Benützerführung angetan, bei der man mit wenigen Gesten zahlreiche Funktionen erreichen kann, und der durchgehenden Möglichkeit einhändiger Bedienung.

Passend zu dieser PR-Offensive erklärte Jolla-Mitgründer Sami Pienimaki in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ die Stoßrichtung des Betriebssystems, das anfangs eher im Mittel- bis Premiumsegment positioniert werden soll, neben Smartphones aber auch in einer Reihe anderer Produkte eingesetzt werden kann, wie etwa Autos oder Fernsehapparaten. Im 1. Quartal 2013 – wohl um Ostern – wird das erste Gerät mit Sailfish OS erscheinen; das Betriebssystem soll dann auch an andere Hersteller lizenziert werden.

(via OSNews)

Jolla: Der Fächerfisch kommt aufs Smartphone

Am 21. November war es soweit, und die finnischen Neulinge am Smartphone-Markt, Jolla, haben ihr Betriebssystem Sailfish vorgestellt. Wem das nicht allzuviel sagt: Es handelt sich großteils um ehemalige Nokia-Mitarbeiter, die am vielgelobten Meego, einem Linux-basierten System, gearbeitet haben. Leider hat Nokia nur ein einziges Smartphone mit Meego zum Kauf angeboten, das Nokia N9, um stattdessen alles – mäßig erfolgreich – auf Windows Phone zu setzen.

Die ersten Eindrücke des neuen Systems sind durchaus vielversprechend. So kann man recht bequem mit mehreren Anwendungen gleichzeitig am Bildschirm arbeiten, etwa mit dem Musikspieler und dem Adressbuch (siehe Beispielvideo). Hoffentlich bleibt die Optik allerdings benutzerfreundlicher als die Website; ansonsten könnte es für den Benutzer mühsam werden.

Um Programme muß man sich für das System keine Sorgen machen. Erstens ist die MeeGo-Gemeinde hochaktiv, und da Jollas Sailfish OS mit MeeGo eng verwandt ist, erschließt das ein interessantes Repertoire an Anwendungen. Zweitens konnte eine Zusammenarbeit mit Myriad bekanntgegeben werden, deren Software die Installation und Verwendung von Android-Apps ermöglichen wird.

Ob und wann es die Fächerfische auch nach Österreich schaffen, kann derzeit wohl niemand sagen. Offizielle Kooperationspartner sind z.Zt. zum Beispiel der größte chinesische Mobiltelephon-Händler oder auch ein finnischer Netzbetreiber. Offensichtlich ist die Entwicklung schon weit genug gediehen, daß sich schon echte Player auf das kleine Jungunternehmen einlassen.

Mehr Infos gibt es hier bei Jolla Tides.

Noch ein kurzes Image-Video von Jolla zu ihrem neuen Betriebssystem Sailfish:

Und eine kurze Vorführung der Bedienungsoberfläche von Sailfish:

(über die Futurezone)

Wo ist das QWERTZ-Handy geblieben?

Ich bin ein großer, geradezu eingefleischter Liebhaber von Smartphones mit einer richtigen Tastatur. Tasten kann man auch bedienen, ohne genau hinzuschauen, und man spürt, ob man sie gedrückt hat und es die richtige war. Außerdem verdeckt nicht eine Tastaturschablone den halben Bildschirm, der stattdessen voll für den eigentlichen Inhalt zur Verfügung steht. Und doch wird es immer schwerer, solche Geräte zu bekommen. HTC hat angekündigt, keine Geräte mit QWERTZ-Tastatur mehr  herstellen zu wollen. Sony hat zwar etliche Xperia mini pro mit vollständiger Tastatur verkauft – zumindest in Österreich sieht man jede Menge der kleinen Android-Handys –, und doch wird es dafür keinen Nachfolger mehr geben. Stattdessen setzt man auf eine Vielzahl leicht unterschiedlicher Geräte, die der reinen Touchscreen-Lehre folgen sollen.

Nokia verkauft zwar viele Handys mit vollständiger Tastatur, für seine erfolgreichen Symbian-Businessgeräte (z.B. E72, E6) gibt es aber lediglich Nachfolger in der Feature-Phone-Klasse, während keine neuen Windows-Phone-Geräte mit Tastatur angeboten werden. Der einzige große Hersteller, der noch etwas im Angebot hat, ist Research in Motion mit ihren Blackberrys. Die machen allerdings gerade eine tiefgreifende Transformation, deren Ausgang noch ungewiß ist.

Natürlich sind die Produktionskosten eines reinen Touchscreen-Gerätes billiger, während man bei einer echten Tastatur für jedes Land den Aufdruck anpassen muß. Und natürlich folgen viele Hersteller einfach Apple, ohne zu erkennen, daß  die Situation für Apple als integriertem Hard- und Softwarehaus eine ganz andere ist. Andererseits werden QWERTZ-Geräte von Menschen, die viel am Handy schreiben, auch tatsächlich nachgefragt. Das zeigt sich schon daran, daß einige weniger bekannte Hersteller in diese Marktlücke eingedrungen sind, wie Elson (Korea) oder Alcatel (eigentlich TCL aus China), und Samsung immer ein paar Geräte für diesen Markt im Programm hat. Ganz zufrieden stellt mich dieses Angebot aber nicht, weswegen ich mich nur Steve Litchfield anschließen kann:

The Nokia E7 and HTC 7 Pro were the most recent efforts of any merit along these lines, but both were distinctly flawed (E7 by small sealed battery, HTC 7 Pro by poor component choice, and both by unexpandable storage) and both are now quite dated in terms of specifications in late 2012. What we need is a manufacturer – ANY manufacturer to produce a 2013 equivalent to one of these, or to the MyTouch[…], or to the old Nokia E90.

Aber vielleicht wird ja Jolla ein passendes Gerät herausbringen. Jolla? Das ist ein neues Unternehmen, das von früheren Nokia-Mitarbeitern gegründet worden ist, um ein neues MeeGo-Gerät im Gefolge des relativ erfolgreichen MeeGo-Erstlings Nokia N9 auf den Markt zu bringen. Mehr über Jolla kann man hier auf jollatides.com erfahren, eigene Homepage hat das Unternehmen noch nicht. Aber es wird Ende November seine Software vorstellen, bald auch ein erstes Gerät, es hat einen Vertrag mit einem großen chinesischen Mobiltelephonhändler und eine Firmenallianz für das MeeGo-basierte Betriebssystem, das „Sailfish OS“ heißen soll, auf die Beine gestellt. Selbst wenn ihr Gerät schlußendlich nichts für mich sein sollte, bin ich gespannt, was das junge Unternehmen hervorbringen wird.

Wow!

Zu Felix Baumgartners Sprung, dem Höhepunkt des Red Bull Stratos-Projekts, war meine erste Reaktion einfach nur „Wow“. Ja, im Vorfeld viele haben gelästert, was das für eine sinnlose Aktion sei, warum da Geld für so etwas verpulvert wird, sich über die Marketingmaschine beschwert. Und doch: Es sind Grenzgänge wie diese, die durch die Entdeckung ungeahnter Aspekte der Erde unser Weltbild erweitern und viele Erfindungen vorbereitet oder sogar erfordert haben, die uns heute selbstverständlich erscheinen. Bei ihrem Gang verschieben diese Abenteurer die Grenze gleich ein wenig.

Ja, diese Grenzgänger haben immer viele Menschen fasziniert, und zwar völlig zurecht.

Etwas ist mir noch aufgefallen, daß mit dem Start der privaten Rakete SpaceX auch sinnfällig geworden ist: Während in der Nachkriegszeit viele bahnbrechende Versuche im Bereich der Flug- und Weltraumtechnik von den Regierungen auf Staatskosten finanziert wurden, übernehmen immer mehr Privatunternehmen diese Rolle. Es zeigt sich schon daran, daß Joseph „Joe“ Kittinger ein Colonel der US Air Force war, Felix Baumgartner dagegen ein privater Extremsportler ist. Eine interessante Entwicklung.

Ach ja: Die Aktion kann man sich in der Servus-TV-Mediathek anschauen.