Ich bin ein großer, geradezu eingefleischter Liebhaber von Smartphones mit einer richtigen Tastatur. Tasten kann man auch bedienen, ohne genau hinzuschauen, und man spürt, ob man sie gedrückt hat und es die richtige war. Außerdem verdeckt nicht eine Tastaturschablone den halben Bildschirm, der stattdessen voll für den eigentlichen Inhalt zur Verfügung steht. Und doch wird es immer schwerer, solche Geräte zu bekommen. HTC hat angekündigt, keine Geräte mit QWERTZ-Tastatur mehr herstellen zu wollen. Sony hat zwar etliche Xperia mini pro mit vollständiger Tastatur verkauft – zumindest in Österreich sieht man jede Menge der kleinen Android-Handys –, und doch wird es dafür keinen Nachfolger mehr geben. Stattdessen setzt man auf eine Vielzahl leicht unterschiedlicher Geräte, die der reinen Touchscreen-Lehre folgen sollen.
Nokia verkauft zwar viele Handys mit vollständiger Tastatur, für seine erfolgreichen Symbian-Businessgeräte (z.B. E72, E6) gibt es aber lediglich Nachfolger in der Feature-Phone-Klasse, während keine neuen Windows-Phone-Geräte mit Tastatur angeboten werden. Der einzige große Hersteller, der noch etwas im Angebot hat, ist Research in Motion mit ihren Blackberrys. Die machen allerdings gerade eine tiefgreifende Transformation, deren Ausgang noch ungewiß ist.
Natürlich sind die Produktionskosten eines reinen Touchscreen-Gerätes billiger, während man bei einer echten Tastatur für jedes Land den Aufdruck anpassen muß. Und natürlich folgen viele Hersteller einfach Apple, ohne zu erkennen, daß die Situation für Apple als integriertem Hard- und Softwarehaus eine ganz andere ist. Andererseits werden QWERTZ-Geräte von Menschen, die viel am Handy schreiben, auch tatsächlich nachgefragt. Das zeigt sich schon daran, daß einige weniger bekannte Hersteller in diese Marktlücke eingedrungen sind, wie Elson (Korea) oder Alcatel (eigentlich TCL aus China), und Samsung immer ein paar Geräte für diesen Markt im Programm hat. Ganz zufrieden stellt mich dieses Angebot aber nicht, weswegen ich mich nur Steve Litchfield anschließen kann:
The Nokia E7 and HTC 7 Pro were the most recent efforts of any merit along these lines, but both were distinctly flawed (E7 by small sealed battery, HTC 7 Pro by poor component choice, and both by unexpandable storage) and both are now quite dated in terms of specifications in late 2012. What we need is a manufacturer – ANY manufacturer to produce a 2013 equivalent to one of these, or to the MyTouch[…], or to the old Nokia E90.
Aber vielleicht wird ja Jolla ein passendes Gerät herausbringen. Jolla? Das ist ein neues Unternehmen, das von früheren Nokia-Mitarbeitern gegründet worden ist, um ein neues MeeGo-Gerät im Gefolge des relativ erfolgreichen MeeGo-Erstlings Nokia N9 auf den Markt zu bringen. Mehr über Jolla kann man hier auf jollatides.com erfahren, eigene Homepage hat das Unternehmen noch nicht. Aber es wird Ende November seine Software vorstellen, bald auch ein erstes Gerät, es hat einen Vertrag mit einem großen chinesischen Mobiltelephonhändler und eine Firmenallianz für das MeeGo-basierte Betriebssystem, das „Sailfish OS“ heißen soll, auf die Beine gestellt. Selbst wenn ihr Gerät schlußendlich nichts für mich sein sollte, bin ich gespannt, was das junge Unternehmen hervorbringen wird.
Gefällt mir:
Gefällt mir Lade...