Ein Eisbär im Rückwärtsgang

Wer Babys aufwachsen sieht, weiß, dass ihre ersten Krabbelversuche im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten losgehen. Denn die Arme, die auch das Gewicht des Kopfes in die Höhe stemmen, sind am Anfang viel stärker als die Beine, wie Siu-Lan Tan anschaulich im Blog der Oxford University Press erklärt. Das ganze ist mit einem unglaublich süßen Video aus dem Tiergarten von Toronto illustriert, in dem ein kleiner Eisbär seine ersten Gehversuche — erraten: rückwärts — unternimmt.

Kaum zu glauben, dass aus solchen Jungen einmal höchstgefährliche Räuber werden, die selbst vor der Jagd auf Artgenossen nicht halt machen — insbesondere auf Eisbärenjunge.

Der ganze Bienenschwarm in Aufregung

Man spricht heute gerne von der Schwarmintelligenz, doch in Sachen Neonicotinoide würde ich von etwas anderem sprechen. Kaum jemand wußte über das Thema vor der Abstimmung im Ministerrat bescheid. Kaum jemand berichtete über die Vorschläge und Gegenvorschläge. Auch die erste Abstimmung am 18. März schlug keine Wellen. Jetzt, post facto, sind alle Experten, wissen, was den Bienen fehlt – und daß die Phalanx der Gegner eines Neonicotinoid-Verbots – Finnland, Großbritannien, Litauen, Slowakei, Spanien, Tschechien und Österreich – Schergen der chemischen Industrie sind. title=”Bonuspunkte für die Worte „Konzerne“, „Agrochemie“ und „Agrarindustrie“.” target=”_blank” Freilich bleiben Neonicotinoide weiter im Einsatz und in der Umwelt, denn erstens betrifft das Verbot nur bestimmte Mittel mit Neonicotinoiden, und zweitens werden die Nikotin-verwandten Stoffe auch in Produkten wie etwa Flohhalsbändern verwendet, die vom Verbot nicht betroffen sind.

Nun ist es natürlich zum ersten einmal kein Wunder, daß ein Insektizid genau das tut, was sein Name verspricht: Insekten töten. Insofern ist die publizierte Erregung etwa von Stefan Mandl hanebüchen. In der Landwirtschaft ist der vorbeugende Einsatz von Pestiziden heutzutage gang und gäbe. Das betrifft nicht nur die konventionelle, sondern auch die sogenannte biologische Landwirtschaft, die z.B. mit Kupfer gegen Pilzbefall spritzt oder verschiedene Gifte einsetzt.

Ob Neonicotinoide nun Bienen mehr schädigen als alternative Pestizide es tun würden, ist tatsächlich umstritten. Ob der Zusammenbruch der Bienenvölker darauf zurückzuführen ist, im Großen und Ganzen ebenfalls. Es gibt einige Fälle, bei denen ein überschießender Einsatz von Neonicotinoiden mit dem Sterben von Bienenvölkern in Verbindung gebracht wird. Eine Testreihe britischer Forscher mit Hummeln konnte allerdings die Hypothese nicht falsifizieren, daß die Nähe von mit Neonicotinoiden behandeltem Saatgut keine signifikanten Effekte auf die Gesundheit der Völker hätte. Anders gesagt: Sie fanden keinen Zusammenhang zwischen Hummelpopulation und Neonicotinoiden. Allerdings ist im Test wohl von einem sachgerechten Umgang mit Clothianidin und Imidacloprid, so die Namen der Insektizide, auszugehen.

Ebenso hat die US-Umweltbehörde in einer Studie über den Rückgang der Bienenvölker festgestellt, daß Pyrethroide die gefährlichsten Pestizide für Bienen sind; sie werden in Österreich anscheinend aber weitaus weniger eingesetzt als in den USA. Diese Studie hat aber sehr wohl Wechselwirkungen zwischen Neonikotinoiden und anderen Faktoren gefunden, die ingesamt abträglich für die Bienengesundheit sind. Die größte Gefahr bleibt aber die Varroa-Milbe, die von den Imkern wiederum mit Insektizid-Einsatz bekämpft wird, durch die Verbauung der Landschaft und das Fehlen der früheren Ackerraine werden die möglichen Futterplätze der Bienen immer weiter beschränkt. Darüber hinaus sind viele Mikroben, die Bienen befallen, mittlerweile gegen Antibiotika resistent. Es gibt zwar Bienenvölker, die durch Verhaltensanpassung gegen die Varroa-Milbe resistent sind, doch haben sie geringe Popularität – ich vermute einmal wegen geringeren Ertrags. Stattdessen werden ganz andere Merkmale gefördert, wie Eberhard Höfer im „Standard“ etwas überspitzt beschreibt, wie sogar ein schönes Muster der Bienenkönigin.

Die Entscheidung von EU-Kommissar Tonio Borg beruht übrigens offiziell auf dieser Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, die längst nicht so klar ist, wie man nach der Zeitungslektüre glauben müsste. Allerdings macht sie deutlich, daß bestimmte Formen des Säens gebeizten Saatsguts durch dabei eintretende Verwehung ein höheres Risiko entstehen lassen.

Besonders für den Raps- und Kukuruz-Anbau werden Folgen durch den Wegfall befürchtet. Ich teile die Befürchtung insofern nicht, als ja die Neonicotionoide in Neunziger Jahren eingeführt wurden, um für den Menschen gefährlichere Stoffe abzulösen. Ein Rückgriff auf gefährlichere Substanzen wird wohl der Ausweg sein, den die meisten wählen werden.

Das Kommunikationsmanagement des österreichischen Landwirtschaftsministern Niki Berlakovich war aber jedenfalls verbesserungswürdig, um es milde zu sagen. Warum erfahre ich nur über große Umwege, daß Österreich einen Kompromißvorschlag auf wissenschaftlicher Basis unterstützt hat? Oder daß es hier tatsächlich stark divergierende Ansichten in der Fachwelt gibt? Daß hier möglicherweise verschiedene Lobbyinginteressen zusammenprallen, denn es stehen wohl schon andere Unternehmen Gewehr bei Fuß, um Ersatz-Insektizide – und damit wieder Bienenkiller – als Ersatz bereit zu stellen? Berlakovich hätte sich wohl eine Scheibe von der deutschen Amtskollegin Ilse Aigner abschneiden können: Sie wollte Borgs Vorschlag durch Erweiterungen zu Fall bringen, als da aber nichts fruchtete und die Niederlage absehbar war, schlug sie sich in der endgültigen Abstimmung auf die Seite des Verbots.

Taktgefühl für Seelöwen

Mir ist das nicht ganz unbekannt: Ich kann eine Melodie nicht nachsingen, aber ich hab sie im Kopf. Und wenigstens den Rhythmus mache ich dann doch nach. Zumindest in unbeobachteten Momenten. Manchmal konnte man Tiere per Dressur schon dazu bringen, Melodien zu imitieren. Gibt es aber auch Tiere, die Musik empfinden, ohne sie selbst nachahmen zu können? Zumindest eines:

Forschern der Universität von Santa Cruz (USA) ist es gelungen, die Seelöwin Ronan soweit zu bringen, den Rhythmus von Liedern zu imitieren. Bis dahin war dieses Rhythmusgefühl hauptsächlich bei Papageien und anderen lernfähigen Vögeln beobachtet worden, die selbst melodiöse Töne hervorbringen können. Daher war die Theorie entstanden, daß zwischen der Fähigkeit, Melodien zu imitieren, und dem musikalischen Rhythmusgefühl ein evolutionärer notwendiger Zusammenhang besteht – das eine wäre einfach eine Nebenleistung des anderen. Die Seelöwin Ronan widerlegt diese Annahme – wobei das Team (Peter Cook, Andrew Rouse, Margaret Wilson, Colleen Reichmuth) aber konzediert, daß Ronan ein außergewöhnlich lernfähiges Exemplar ihrer Spezies sei.

Hier der ausführliche Artikel im Journal of Comparative Psychology dazu. Und passend dazu ein Artikel von Science Daily zu einer Studie darüber, ob Rhesusaffen eine regelmäßige Schlagfolge aus einem Musikstück herausfiltern können – können sie übrigens nicht.

Die kleinen Quanten in der großen Biologie

Von der Quantenbiologie hatte ich bis dato noch nicht viel gehört, doch wenn man diesem leicht verständlichen Bericht der BBC glauben darf, konnten schon einige Mechanismen identifiziert werden, die sich durch die Anwendung der Quantenmechanik in der Biologie leichter erklären lassen. Darunter etwa die Photosynthese der Pflanzen oder gewisse Abläufe beim Geruchssinn. Die passende Folge vom BBC World Service kann man hier bei den Briten als MP3 herunterladen. Beides lohnt sich: Eine kurze Einführung in ein spannendes Kapitel der Wissenschaft.

Bowles und Gintis: Warum helfen wir einander?

Samuel Bowles (*1939) und Herbert Gintis (*1940) und Samuel Bowles gehören zu den Pionieren, die Erkenntnisse aus Biologie und Psychologie in die Wirtschaftswissenschaften einbringen. Dabei fokussieren sie auf die Fragen der Netzwerkeffekte, der Kooperation und Exklusion. Nun haben sie mehrere ihrer Artikel zu einem Buch umgearbeitet: „A Cooperative Species — Human Reciprocity and its Evolution“.

Für gewöhnlich wird in der Ökonomie behelfsweise kooperatives Verhalten als Erfüllung der Nutzenmaximierung beschrieben. Das ist aber wenig erhellend, weil der Nutzenbegriff sehr flexibel ist. Wenn wir z.B. jemandem Unbekannten aufhelfen, der vor uns hinfällt, so kann man über wiederholte Spiele eine Aktion aus Eigennutz behaupten. Doch wäre damit wenig gewonnen. In der Biologie wurden anthropomorphe Konstrukte wie „egoistische Gene“ bemüht, um die Selektion kooperativen Verhaltens zu erklären. Eine andere Theorie lautet etwa, daß Gene, die altruistisches Verhalten fördern, durch wechselseitiges altruistisches Handeln in einer eng verwandten Gruppe gefördert würden.

Bowles and Gintis lehnen das aber schon aus Gründen der Wahrscheinlichkeitsrechnung ab. Es hätte sich zudem gezeigt, daß Menschen ein echtes Mitgefühl für andere, Sorge um das Wohlergehen anderer hätten, und ethisches Verhalten um seiner selbst willen schätzen — womit sich auch eine Brücke zu Akerlof und Krantons „Economics of Identity“ schlagen ließe. So haben spieltheoretische Experimente oft gezeigt, daß Menschen gerade bei einmaligen Spielen keine „rationale“ Strategie wählen, sondern sich von ihren Grundsätzen der Gerechtigkeit leiten lassen.

Die Autoren sehen Konflikte, insbesondere Kriegshandlungen zwischen Kleinstgruppen als Haupttriebfeder einer gemeinsamen Evolution kultureller Institutionen und individuellen kooperativen Verhaltens. Dabei sollen sich ihrer These nach Scham und Schuldgefühle und die Internalisierung sozialer Normen entwickelt haben. Dadurch sinke die Kosten der Regeleinhaltung, und die Gegenseitigkeit der Kooperation sei besser abgesichert. Deswegen sei auch eine koordinierte Bestrafung notwendig, die wiederum durch die Internalisierung sozialer Normen erleichtert würde. So könne die Gruppe gegen Außenstehende leichter bestehen. Diese Evolution bedeutet auch, daß die Normen einer Gruppe nicht insgesamt als verhandelt bezeichnet werden können, sondern Ergebnis einer langen Entwicklung sind.

Im Buch werden diese Thesen an Hand verschiedener Modelle durchexerziert, mit Beispielen illustriert. Nach fast 300 Seiten ist man jedenfalls am Stand der Forschung. Man muß beim Lesen den politischen (linken) Hintergrund der Autoren aber ein wenig im Hinterkopf behalten. Und die Beweislage ist manchmal doch etwas dünn, wie die Autoren selbst konzedieren.

Wer Mäuse liebt, sollte mehr Almochsen essen.

Wie viele Tiere müssen für einen Vegetarier sterben – oder sogar einen Veganer? Ein provokanter Artikel des australischen Universitätsprofessors Mike Archer, der Peter Singers Ethik – die von Tierrechtsaktivisten in modifizierter Form gerne verwendet wird – gewissermaßen auf die Spitze treibt, thematisiert diese Frage. Zuerst hält er ein leidenschaftliches Plädoyer für die Mäuse, u.a. mit der Info:

At least 100 mice are killed per hectare per year (500/4 × 0.8) to grow grain. Average yields are about 1.4 tonnes of wheat/hectare; 13% of the wheat is useable protein. Therefore, at least 55 sentient animals die to produce 100kg of useable plant protein: 25 times more than for the same amount of rangelands beef.

Um zu diesem Schluß zu kommen:

The challenge for the ethical eater is to choose the diet that causes the least deaths and environmental damage. There would appear to be far more ethical support for an omnivorous diet that includes rangeland-grown red meat and even more support for one that includes sustainably wild-harvested kangaroo.

Auf Österreich umgelegt, könnte man sagen: Wer Mäuse liebt, sollte mehr Almochsen essen.

(via Marginal Revolution, wo der Artikel mit der doppeldeutigen Überschrift „How brutal is vegetarianism to animals?“ – Wie brutal ist Vegetariertum für Tiere? – angekündigt wurde.)

Daniel Kehlmann oder die Vermessenheit der Welt

Es ist nun einmal üblich, zur Bewerbung eines Filmes durch Interviews mit mehr oder weniger geistreichem Inhalt die Werbetrommel zu rühren, und so hat sich der Schriftsteller Daniel Kehlmann anlässlich der Verfilmung seines Buches „Die Vermessung der Welt“ zu einer „Presse“-Plauderei mit Barbara Petsch begeben. Man sollte die Worte in solchen Gespräche also nicht auf die Goldwaage legen, insbesondere bei einem Routinier wie Kehlmann, der mit Publikumserwartungen und Statussignalen spielen kann und damit und dabei Werke schreibt, die man neugierig und mit Freude verschlingt.

Kehlmann versucht dabei, für das Publikum wagemutig-intellektuell zu klingen, in dem er verkündet, er würde sich mit der „philosophy of mind“ beschäftigen, also der Philosophie des Geistes, der Auslotung seiner Bedingheit und Existenz. Dann verkündet er, es gebe kein Ich, es sei nur ein Modell. Nun, das ist einmal ein non sequitur, einmal eine Binsenweisheit.

Wenn wir über die Wirklichkeit nachdenken, sie wissenschaftlich erkunden, so haben wir notwendigerweise nicht die komplexe Außenwelt, sondern ein Modell davon in unserem Kopf. Bekanntlich ist eine Landkarte im 1:1-Format wenig hilfreich, wie die berühmte Ökonomin Joan Robinson einmal festgestellt hat. Aber das hat Kehlmann wohl gar nicht gemeint, sondern eher die Schwierigkeit vieler Denker, von einer manichäischen Dichotomie zwischen Geist und Materie zu lassen. Nun ist man nun einmal ohne Leib kein Mensch, und der Leib verkörpert die Individualität, Einzigartigkeit jedes Menschen, damit auch die Berechtigung, vom Ich zu sprechen. Die Reduktion des Ich auf den Teil des Bewußtseins, dessen Entscheidungsprozeß so geschieht, wie sich das ein Geistesnarziss vorstellt, ist eine sinnlose Reduktion. Das zum Ich auch unbewußte, unwillkürliche Handlungen und Gedanken gehören, war schon Augustinus bekannt.

Christlich interpretiert sage ich: Es zeigt sich der Grund, warum Paulus den Leib als den Tempel der Seele bezeichnet hat, Thomas von Aquin hervorgehoben hat, daß die unsterbliche Seele ohne den sterblichen Leib nicht tätig sein kann. Ich möchte da auch Wittgenstein folgen, der die Anwendung des materialistischen Reduktionismus auf das Leib-Seele-Problem, wie es  Philosophen des 20. Jahrhunderts gerne tun, für einen Kategorienfehler hält. Mit den Mitteln der Naturwissenschaft kann man über die Seele nicht reden, so, wie man über den Inhalt eines Buch wenig aussagen kann, wenn man das Gesamtgewicht der Druckerschwärze ausgerechnet hat.

Was Darwin betrifft, lohnt sich das Verbreitern gar nicht, denn Darwin selbst hätte sich wohl sowohl über diese angeblich unausweichliche Konsequenz der Evolutionstheorie wie auch über die autoritative Nennung seines Namens gewundert. Die Evolutionsbiologie ist eine Wissenschaft, die sich weiterentwickelt hat, die neue Theorien aufgestellt, neue Fragen aufgeworfen hat, und sich von Darwins Erstskizze natürlich beträchtlich unterscheidet. Und um zu Wittgenstein zurückzukehren: Wieder sind wir im Kategorienfehler. Diesmal sogar ganz offensichtlich. Die Aussagen Kardinal Schönborns, dem er hier provokativ recht geben will, hat er wohl ebenso nicht aufmerksam gelesen, denn Schönborn will natürlich keine Aussage über die biologische Theorie abgeben, sondern über die philosophische Frage der Ordnung und des Sinns der Welt und der Geschöpfe in ihr. Das Staunen erfüllt ihn über diese Welt, und er meint, darin die Handschrift des Schöpfers zu sehen. Es ist eine Verteidigung gegen den disziplinären Imperialismus mancher Naturwissenschafter, die alles rein mit materialistischem Reduktionismus erklären wollen.

Über die Fehlbeschreibung des Buddhismus schweige ich ganz, da gibt es jedenfalls Berufenere als einen katholischen Hollerbusch.

Wie gesagt: Ich nehme an, daß Kehlmann diese Fehler mehr unterlaufen sind, weil er sich als interessant-intellektuell darstellen wollte, und gegenüber seiner Zielgruppe wird das damit wohl auch gelungen sein. Ganz davonkommen will ich ihn aber eben auch nicht lassen.

Die neuen Schädelmesser

Der konservative US-amerikanische „Weekly Standard“ hat einen interessanten Artikel zur „new phrenology“ veröffentlicht. Die Phrenologie war eine Lehre, daß man aus Schädelform etwas über den Charakter eines Menschen aussagen könnte. Die gibt es in dieser Form nicht mehr, sie hat aber würdige Nachfolger gefunden. Der Artikel zielt besonders auf jene, die politische Überzeugungen als biologisch bedingt abqualifizieren wollen, mit Ausnahme der jeweils eigenen Meinung, die überraschenderweise rein faktenbasiert zu sein scheint. Alles belegt durch Studien, die in den Zeitungen des Landes zitiert werden. Bloß, daß diese Studien jedem wissenschaftlichen Standard hohnsprechen.

Im amerikanischen Zweiparteiensystem ist die Verlockung einer Zweiteilung in die „Faktenbasierten“ und die anderen natürlich besonders groß. Aber auch bei uns ist diese Form des Diskurses, bei dem man Andersdenkenden unterstellt, sie würden nur aus niederen Instinkten – im Gegensatz zur eigenen Aufgeklärtheit – so handeln, durchaus anzutreffen. Eine bedenkliche Entwicklung, die den demokratischen Diskurs gefährdet.

Der Schauspieler unter den Kraken

Faszinierendes Video über den erst vor elf Jahren entdeckten Thaumoctopus mimicus, eine Art Chamälaonskraken, der verschiedene andere Seetiere imitieren kann, um sich gegenüber Freßfeinden zu tarnen:

Leider gibt es, kaum ist das Tier entdeckt, auch schon Leute, die den Kraken unbedingt in ihrem Aquarium halten wollen – wo das Tier allerdings schnell eingeht, und auch keinerlei Mimikry zeigt. Wozu auch, im Aquarium gibt es ja auch keine Freßfeinde. So fürchten Meeresbiologe, daß das seltene Tier aussterben könnte, bevor er überhaupt genau erforscht ist.

Und hier noch ein Film über das Chamäleon, oder besser den Schauspieler unter den Kopffüßern:

(über kottke.org)

„Aber sie weiss auch, dass es ein langer Weg war, bis sie es verstanden hatte.“

Ein berührender Text über den Lebensweg einer jungen Frau, die in ihrer Beziehung zu den Menschen und zu Gott ringt unnd wächst, und die in ihrer Schwangerschaft zweimal vor Entscheidungen über Leben und Tod gestellt wird, bei denen die Aktionen und Reaktionen der behandelnden Ärzte zum Teil fassungslos machen. Mehr will ich nicht verraten, der Text spricht für sich selbst.

(Danke an Elsas Nachtbrevier)