Zum Dreifaltigkeitssonntag

Der Dreifaltigkeitssonntag stellt schwere Kost dar, weil die Dreifaltigkeit selbst schwere Kost darstellt. In welchem Verhältnis stehen Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist, die doch ein und dasselbe sind, vollkommen eins, und doch übereinander sprechen können, wie Jesus etwa über den Heiligen Geist als Beistand spricht oder über seine Rückkehr zum Vater im Himmel. Andererseits –– das Johannesevangelium ist hier vielleicht am deutlichsten — finden sich viele Hinweise auf diese Einheit bereits in der Heiligen Schrift selbst. So heißt es ja im Johannesprolog: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Oder bei Lukas: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“

Augustinus versucht es im „Gottesstaat“ so darzustellen:

Wir halten im Glauben fest und verkünden unentwegt, daß der Vater das Wort erzeugt hat, d. i. die Weisheit, durch die alles erschaffen worden ist, den eingeborenen Sohn, der Eine den Einen, der Ewige den gleich Ewigen, der unerreichbar Gute den gleich Guten; und daß der Heilige Geist zumal sowohl des Vaters als auch des Sohnes Geist ist; auch er gleichwesentlich und gleichewig den beiden; und daß dieses Ganze einerseits eine Dreifaltigkeit ist wegen der Besonderheit der Personen, andrerseits der eine Gott wegen der untrennbaren Gottheit, sowie der eine Allmächtige wegen der untrennbaren Allmacht, jedoch so, daß auch, wenn man nach dem einzelnen fragt, die Antwort lautet: Jeder von ihnen ist sowohl Gott als auch allmächtig; und wenn nach allen zumal: Es gibt nicht drei Götter oder drei Allmächtige, sondern nur einen allmächtigen Gott; so vollständig ist hier in dreien die untrennbare Einheit, und so will sie verkündet werden.

Diese Dreifaltigkeit findet sich mit etwas gutem Willen bereits im Alten Testament, wie Augustinus in den „Bekenntnissen“ an Hand der Schöpfungsgeschichte erläutert:

Sieh, geheimnisvoll tritt mir entgegen die Dreifaltigkeit, und die bist du, mein Gott; denn du, o Vater, hast im Anfange unserer Weisheit, die deine, aus dir geborene, dir gleiche und gleichewige Weisheit ist, d, h. in deinem Sohne, Himmel und Erde geschaffen. Viel haben wir bereits vom Himmel des Himmels, von der gestaltlosen und leeren Erde und dem finsteren Abgrunde mit Bezug auf die haltlose und irrende Gestaltlosigkeit der geistigen Schöpfung gesagt; und diese wäre ja darin verblieben, hätte sie sich nicht zu dem hingewandt, von dem jegliches Leben herrührt; jetzt erst wurde sie durch die Erleuchtung zu einem Leben voll Schönheit und zu dem Himmel des Himmels, der später zwischen Wasser und Wasser gesetzt ward. In dem Namen „Gott“ fand ich bereits den Vater, der dieses geschaffen, und den S o h n in jenem „Anfang“, in dem er es geschaffen. Und da ich an die Dreifaltigkeit meines Gottes glaubte, suchte ich diesem Glauben gemäß weiter in seiner Heiligen Schrift, und siehe: „Dein G e i s t schwebte über den Wassern“. Siehe, da ist ja mein dreifaltiger Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, der Schöpfer der gesamten Schöpfung.

An der Wesenseinheit Jesu Christi mit dem Vater hängt die Bedeutung des Kreuzesopfers und der Kommunion: Gott selbst, der eine, vollkommene, wird Mensch (etwas Partikuläres, Unvollkommenes!), nimmt Leiden und Tod auf sich. Gott selbst schenkt sich uns in der Eucharistiefeier durch Jahrhunderte in Verbindung mit dem letzten Abendmahl. Das ist ein Geheimnis des Glaubens: Nicht, weil es geheim gehalten wird, sondern weil es unseren beschränkten Verstand übersteigt.

Pfingsten: Wendepunkt des Kirchenjahrs

Pfingsten ist ein Wendepunkt im Kirchenjahr, meist sogar ziemlich in seiner Mitte. Die Zeit der großen Festkreise um Weihnachten und Ostern wird damit beschlossen; der Dreifaltigkeitssonntag eröffnet dann einen Reigen von Sonntagen im Jahreskreis, der sozusagen den Alltag des liturgischen Jahres darstellt.

In der gerafften Chronologie des Kirchenjahres ist nach Geburt, Taufe, Wirken, Leiden und Auferstehung Jesu nun die Zeit gekommen, an den Heiligen Geist zu denken, den göttlichen Bestand, von dem Jesus im Johannesevangelium so ausführlich spricht. Dieser Beistand, der schon im Alten Testament unter verschiedenen Namen erwähnt wird, trägt die Kirche durch die Zeit, die so trotz der oft furchtbaren Sünden ihrer Glieder doch der geheiligte Leib Christi bleibt. Nicht aus eigenem, sondern aus dem Geist heraus.

In der Präfation heißt entsprechend: „In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, immer und überall zu danken und diesen Tag in festlicher Freude zu feiern. Denn heute hast du das österliche Heilswerk vollendet, heute hast du den Heiligen Geist gesandt über alle, die du mit Christus auferweckt und zu deinen Kindern berufen hast.“

Wie zu den Aposteln, die in wunderbarer Weise so gesprochen haben, dass das ganze Völkergemisch in Jerusalem sie verstehen konnte, so kommt der Heilige Geist auch heute zu uns — ein begeisternde Helfer, für den wir dankbar sein dürfen.

Mit der Aussendung des Geistes, mit der Verheißung des Beistands, der göttlichen Hilfe hier auf Erden, zeigt sich, dass die Auferstehung nicht bloß eine gute Nachricht für den „Jüngsten Tag“ ist, sondern Ostern bereits hier und jetzt sichtbar wird, in den Menschen lebendig wird, die Christus aufgenommen aufgenommen haben.

„In Ihnen bin ich verherrlicht“

Der Sonntag nach Christi Himmelfahrt bringt einen Text aus dem Johannesevangelium, der den Abschied Jesu von seinen Schülern, seinen Jüngern, noch einmal reflektiert — diesmal chronologisch nach dem letzten Abendmahl verortet.

Warum bleibt der auferstandene Herr nicht ständig auf Erden? Warum verabschiedet er sich, wo er doch den den Tod so glorreich überwinden wird? Johannes’ Antwort ist einfach: Weil die Aufgabe seiner leiblichen Präsenz erfüllt ist, kann er sie aufgeben. Weil der Abschied kein echter Abschied sein wird, sondern eher eine Änderung der Art der Anwesenheit, ist er kein Schlussakkord, sondern die Eröffnung des nächsten Akts des Heilsgeschehens.

So heißt es im Johannesevangelium: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. […] Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. […] Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.“

Jesus hat lange genug gewirkt und gepredigt, dass seine Jünger den wahren Glauben gefunden, erkannt und angenommen haben. Sie haben dies schon vor Tod und Auferstehung Jesu getan! Folter, Kreuzigung und Sterben werden ihren Glauben schwer prüfen, und die unglaubliche Auferstehung ebenfalls; doch sie werden die Prüfung bestehen. In ihnen, in ihrem Wirken wird Jesus verherrlicht sein, der so zwar selbst zum Vater hinübergeht, aber doch auf Erden sicht- und spürbar bleibt.

Diese Rede ist im Johannesevangelium wohl mit Bedacht zu finden, denn sie gilt nicht nur den unmittelbaren Schülern Jesu, sondern der Kirche durch die Zeit. Und wie wird Jesus in uns verherrlicht? Die Leseordnung hat klugerweise einen Abschnitt aus dem 1. Brief des Petrus zur Erhellung dieses Umstands gewählt:

„Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln. Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr selig zu preisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt. Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott verherrlichen, indem er sich zu diesem Namen bekennt.“

Nein, wir müssen uns nicht alle in Gefahr begeben. Wir sollen auch gar nicht (schließlich sollen wir uns ausdrücklich nicht in fremde Angelegenheiten mischen!). Sondern durch unsere Worten und Taten uns zu Christus bekennen. Leider ist es nicht ganz so einfach, wie es klingt.

Jesus, der Weg zu sich selbst

Letzte Woche verglich sich Jesus mit der Tür zum Schafpferch, die der einzige Weg zwischen Gatter und Weide ist, diesen Sonntag wird er noch deutlicher.

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Noch mehr: Wer ihn sieht, der sieht auch den Vater. Wie schon im Johannesprolog ist auch in dieser Stelle der Kern der Dreifaltigkeitslehre zum Greifen nahe: Vater und Sohn sind eigentlich eins, und doch verschieden. Das ist freilich für die Jünger noch starker Tobak. „Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!“ sagt Jesus dem Apostel Philippus daher auch.

Damit betont der Bericht des Johannesevangeliums auch, dass die Wunder Jesu nicht Selbstzweck sind, und dass es umgekehrt kein Widerspruch zur Liebe Gottes ist, dass diese Wunder nicht zum Massenphänomen des Christentums geworden sind. Denn sie sind vor allem Zeichen, die Gottes Liebe und Hinwendung, Jesu Vollmacht bezeugen sollen. Momente, in denen der Himmel schon auf die Erde reicht.

Der berühmte Ausspruch „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ ist im Kontext besonders interessant. Denn Jesus befindet sich in Jerusalem und bereitet seine Jünger in einer Abschiedsrede auf sein bevorstehendes Leiden und Sterben vor. Sein Weg ist auch unser Weg, die imitatio Christi nimmt uns in Leiden, in Auferstehung, in die beim Vater bereiteten Wohnungen hinein. Und wieder kommen wir zum Gleichnis mit der Tür zurück. Dort sagt Jesus: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Wenn er die Tür ist, durch die man Weide findet, ist er genauso der Weg, durch den man zum Leben kommt. Wenn er und der Vater aber in Wahrheit eins sind, und der Vater alles lebendig macht, so ist auch Jesus selbst das Leben. Er ist also paradoxerweise der Weg zu sich selbst. Klingt eigentlich ziemlich modern.

„Ich bin die Tür zu den Schafen“

Zumindest ich habe das Gefühl, die Osterzeit vergehe wie im Flug. Jetzt ist auch schon der vierte Sonntag der Osterzeit, quasi Halbzeit. An diesem Sonntag wird der Anfang der sogenannten Hirtenrede aus dem Johannesevangelium gelesen, in der an späterer Stelle (gelesen im Lesejahr B) der bekannte Satz fällt: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“

Der Text steht aber auch in engem Zusammenhang mit der Stelle, die am vierten Fastensonntag gelesen wurde. An deren Ende wendet sich Jesus im Gespräch an einige Pharisäer, nachdem Jesus berichtet worden war, dass ein von ihm geheilter Blinder von den Pharisäern aus der Synagoge ausgeschlossen worden war. Nun setzt er fort: Die Schafe hören auf die Stimme ihres Hirten, der sie beim Namen nennt und kennt — so wie Gott die Menschen ruft und kennt. Der Hirt kommt zu den Schafen durch die Tür; der Dieb steigt heimlich ein, um sich der Tiere zu bemächtigen. Jesus nennt sich nun selbst die Tür, durch die der Hirte zu den Schafen kommt. Man könnte sagen, dass es sich um eine Paraphrase des Satzes handelt: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“. (Joh 14,6)

Manche haben mit Vers 8 gerungen: „Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.“ Chrysostomus betont daher, dass damit nicht die Propheten gemeint sein können — auf die die Schafe auch oft nicht gehört haben –, sondern Aufrührer, falsche Propheten. Sie wollen den Schafen das Leben in Fülle nehmen, das ihnen Jesus als Tür zur Weide eröffnet.

Vor dieser Symbolik ist es klar, warum als Antwortpsalm Psalm 22 (masoretisch 23) vorgesehen ist:

Der Herr ist mein Hirte,
nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen;
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher.
Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang
und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

NÖ: Verbot christlicher Lieder in der Schule?

Es ist einer der Grotesken der modernen Zeit, dass Intoleranz und Fundamentalismus im Gewand der behaupteten „Diskriminierung“ daherkommt. Ein krasser Fall davon beschäftigt seit Tagen den „Standard“, der sich ja immer mehr zum Zentralorgan der Gegner organisierter Religionsausübung mausert.

Aber der Reihe nach. In Volksschulen werden Lieder gesungen; der Lehrplan sieht auch vor, dass ein Teil der Stunden des Gesamtunterrichts dafür verwendet wird. In einer Schule in Tulln hat man das Vorgeschriebene mit dem Praktischen verbunden und angesichts der bevorstehenden Erstkommunionfeier der überwältigenden Mehrheit der Klasse einige dort vorgesehene Lieder auch gemeinsam gesungen. Der „Standard“ schreibt das gewichtigere „einstudiert“ — wer die Praxis kennt, kann da freilich nur schmunzeln.

Die Eltern eines Mädchen haben sich darüber beschwert, weil sie sich darin „religiös diskriminiert“ sahen. Liedgut religiösen Inhalts — oder, wenn man es genau nimmt, irgendeines weltanschaulichen Inhalts — ist offenbar verpönt. Womit außer Liedern über bunte Blumen wohl nicht mehr viel überbleibt. Die meisten Weihnachtslieder kann man z.B. vergessen.1

Aber so wird meist gar nicht argumentiert; meist sind es lediglich christliche Ausdrucksformen, die also aus der Öffentlichkeit verbannt werden sollen, im Visier solcher Beschwerden. Anscheinend haben die Eltern mit der „Indoktrinierung“ ihrer Kinder durch andere Weltanschauungen kein Problem.

Ein zuständiger Bediensteter des Landes Niederösterreichs war sich nicht dumm genug, die Beschwerde der Eltern auch noch für berechtigt zu halten. Seine folgenreiche Fehlentscheidung wird im „Standard“ wortreich begrüßt, seine Versetzung tränenreich beklagt.

Und natürlich gab Heinz Mayer, Verfassungsexperte für jede Lebenslage, eine Wortspende ab, in dem er von einem Grundrecht schwadronierte, nicht mit Religion behelligt zu werden. Dieses Grundrecht gibt es freilich nicht, weil es kein Recht geben kann, mit einer Meinung oder Weltanschauung nicht konfrontiert werden zu dürfen. Es stünde in direktem Widerspruch zur Meinungsfreiheit.

Wenn es ein solches Recht gäbe, könnte man übrigens jeden Unterricht für Politische Bildung, Philosophie oder Ethik gleich kübeln, weil man dort mit einem möglicherweise unangenehmen religiösen oder anderweitig weltanschaulichen Inhalten konfrontiert würde.

Pragmatisch sage ich einmal so: Wenn die Kinder auch keine Toleranzmusicals und Umweltschutztage mehr über sich ergehen lassen müssen, keine Geschenke für Mutter- oder Vatertag basteln sollen, alle Feiertage vom Nationalfeiertag über Ostern zum 1. Mai einfach kommentarlos an sich vorüberziehen lassen, dann hätten die beiden Eltern vielleicht einen Punkt. In einer solchen weltanschaulich völlig neutralen Schule lernen die Kinder außerhalb des reinen Lesens, Schreibens und Rechnens allerdings nicht viel. Und die dafür notwendigen nichtssagenden Texte müssen wohl auch erst gefunden werden.

Wobei: Es ist so wie mit der Kommunikation. Man kann nicht nicht kommunizieren. Man kann nicht ohne Weltanschauung kommunizieren. Einen wirklich völlig weltanschauungsfreien Text gibt es nicht.


  1. Aber vielleicht greift man dann ja wieder auf die Deutsche Weihnacht unseliger NS-Zeiten zurück — damals wurde ja schon einmal der Versuch unternommen, Weihnachtslieder von christlichem Bezug zu lösen. 

Wien – Bregenz: Zwei Kirchen, zwei Anschläge

Zwei Anschläge an einem Tag: Auf die Bregenzer Mariahilf-Kirche wurde ein Brandanschlag mit Brandbeschleunigern verübt. Wie Vorarlberg Online meldet, wurde die Brandstiftung am 4. Mai am kurz nach Mitternacht begangen. Nach 1 Uhr wurde der Brand bemerkt; zwei Personen konnten durch ihr beherztes Eingreifen schlimmeres Verhindern und löschten den Brand weitgehend, bis schließlich auch die Feuerwehr eintraf.

Rund 600 km entfernt wurde die Wiener Karlskirche beschmiert und schwerer Sachschaden an dem aufwendig restaurierten Objekt verursacht. Dabei wurde u.a. das Anarchiezeichen hinterlassen und der Spruch „Auf Repression folgt Widerstand“. Warum die feigen Täter ihre Sprüche dann nicht auf Staatsgebäuden hinterlassen haben, wenn es ihnen angeblich um Repression ginge, sondern auf einer Kirche, die an jemanden erinnert, der selbst Opfer staatlicher Repression wurde — nämlich Jesus –, bleibt wohl deren dunkles Geheimnis.

Wiewohl die beiden Anschläge wahrscheinlich nichts miteinander zu tun haben, sind sie Ausdruck einer zunehmenden Aggression gegen Christen, insbesondere die katholische Kirche, und des Versuchs, Zeugnisse der Geschichte auszulöschen. Der „Pastafari“-Antrag ist typischer Ausdruck dieser steigenden, medial durchaus geförderten Intoleranz gegenüber dem Christentum. Es heißt immer: „Wehret den Anfängen!“, doch die sind wohl schon vorbei, wenn man die Kette an Anschlägen gegen Kirchen ansieht, die in letzter Zeit in Österreich stattgefunden haben.

Ihr wurdet mit dem kostbaren Blut Christi losgekauft

Welches Evangelium an dritten Sonntag der Osterzeit gelesen wird, ist regional unterschiedlich: Entweder die Emmausgeschichte, zu der sich auf diesem Blog schon Einträge aus den Jahren 2012 und 2013 finden lassen, oder das Evangelium von der Erscheinung des auferstandenen Jesus am See Genesareth, in dem er das Brot mit ihnen bricht und sie hundertdreiundfünfzig Fische fangen lässt. 153 ist übrigens eine Dreieckszahl zur Zahl 17, die wiederum ein Symbol der Fülle und Vollkommenheit ist und etwa in den Psalmen bemüht wird. Und zwei Bücher der Psalmen sind auf jeweils 17 Psalmen angelegt. Das nur nebenbei.

Diesem Bericht folgt dann, schon außerhalb des Leseabschnitts, die Berufung oder Bestätigung Petri als Hirten der Christen. Petrus kommt jedenfalls unabhängig vom Evangelium in der Epistel zu Wort. bAus dem ersten Petrusbrief wird nämlich folgende Stelle in der zweiten Lesung zitiert, der das Ostergeschehen in wenigen Worten zusammenfasst:

Wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht. Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen, und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen. Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, so dass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt.

Das sind wuchtige Worte, die da an die Christen Kleinasiens gerichtet werden. Und auch an uns gerichtet sind. Wie im Johannesprolog wird darauf hingewiesen, dass Jesus bereits von Anfang an als unser Retter und Erlöser feststand — unseretwegen. Aus Liebe zu den Menschen, die durch das Zeugnis der Auferstehung an Gott glauben, auf ihn hoffen können. Aus Gottes Liebe zu den Menschen heraus können wir also glauben und hoffen, und, wie es wenige Verse später heißt, auch lieben: „Der Wahrheit gehorsam, habt ihr euer Herz rein gemacht für eine aufrichtige Bruderliebe; darum hört nicht auf, einander von Herzen zu lieben.“

Die „ererbte Lebensweise“ ist sinnlos, weil sie nicht auf den Grund und das Ziel unseres Seins gerichtet ist. In der Interpretation dieses Textes stellt es sich so dar, dass Jesu’ Kreuzestod uns auch dadurch rettet, dass er uns durch sein Zeugnis und Beispiel auf den richtigen Weg bringt — den Weg zu Gott.

Der Vier-Päpste-Tag zum Nachschauen

Der heutige „Tag der vier Päpste“ war wirklich ein Fest einer Weltkirche. Tausende Menschen aus der ganzen Welt sind zusammengekommen, haben gemeinsam gebetet, manche haben die Nacht gemeinsam durchgewacht. Ein Fest der Gaben, die Jesus Christus seiner Kirche spendet. Ein Fest der vielen Menschen, die glauben.

Auf den Seiten des Vatikan ist die relativ kurze Predigt von Papst Franziskus’ dokumentiert. Die Messe kann man dank des entsprechenden Kanals des Vatikans auf YouTube ansehen. Achtung: Da sind schon über drei Stunden einzuplanen.

Ein stimmungsvoller Bericht ist auf kath.net zu lesen. Die Ansprache beim Regina Coeli, in der Papst Franziskus dazu aufgerufen hat, seine geheiligten Amtsvorgänger dadurch zu würdigen, ihren Lehren zu folgen, ist bei Radio Vatikan zu finden.

Zwei heilige Väter

Heilige Väter © news.va

Heilige Väter © news.va

Die Heiligsprechung zweier Päpste ein besonderes Ereignis im Leben der Kirche. Umso mehr, da noch viele Menschen leben, die den beiden persönlich begegnet sind, die Zeugnis davon geben, was für beeindruckende Menschen die beiden waren. Die beiden Persönlichkeiten sind im übrigen wesentlich enger verknüpft, als Kritiker gelten lassen. Wie es eine Website ausdrückte, „Johannes XXIII. und Johannes Paul II. wurden von maßgeblichen weltlichen Meinungsträgern nicht auf derselben Seite der Barrikade verortet.“ Tatsächlich ist der Geist, der sie handeln ließ, der gleiche.

Der Blick auf die Pontifikate wird meist durch politische Sichtverengungen behindert. Papst Johannes XXIII. wird von vielen für alle Missstände verantwortlich gemacht, die sich mit den Veränderungen in der Katholischen Kirche durch das Zweite Vatikanischen Konzil und die folgenden Entscheidungen der Kurie in Zusammenhang bringen lassen. Papst Johannes Paul II. wurde von anderen seine entschiedene Gegnerschaft zum kommunistischen Unrechtsregime nicht verziehen, das er selbst am eigenen Leib erfahren hatte, wie auch sein Eintreten für eine neue Theologie des Leibes, die quer zum linksliberalen Mainstream steht.

Nach den schweren Verwerfungen des Zweiten Weltkriegs und die Zeit auch des spirituellen Wiederaufbaus, durch die Papst Pius XII. die Kirche so erfolgreich führte, waren manche Beobachter 1958 von der Wahl des damals 77jährigen Patriarchen von Venedig, Angelo Roncalli, überrascht. Noch heute wird vom Kompromisskandidaten gesprochen. Doch gerade jemand mit der Lebenserfahrung Roncallis — von seinem Dienst im Ersten Weltkrieg, seine diplomatischen Aufgaben für die Kurie wie seine engagierte seelsorgerische Arbeit — war eben der richtige, um durch sein Beispiel, Worte und Taten Wege zu zeigen, wie man von Christus glaubwürdig Zeugnis ablegen kann. Nichts anderes war das Ziel des so oft missverstandenen Aggiornamento, der Verheutigung. Nicht der Inhalt steht zur Disposition, sondern die Sprache, die Formen, mit denen man die frohe Botschaft verkündet. In diesem Sinn ist z.B. auch seine Wiederaufnahme einer päpstlichen Reisetätigkeit zu sehen.

Hier spannt sich der Bogen zu Papst Johannes Paul II., der durch sein Leben bereits vor seiner Papstwahl ein Kreuz zu tragen hatte. Den Zweiten Weltkrieg mit seiner immensen Vernichtungskraft gerade in Polen hat der junge Karol Wojtyla hautnah miterlebt, dabei es trotz eigener Not unternommen, anderen Menschen zu helfen. Unter größer Gefahr trat er 1942 in ein geheimes Priesterseminar ein. Über sein Wirken in Polen ist viel geschrieben worden, von seinem eindrucksvollen Einsatz für den Bau der Kirche in Nowa Huta und seinem Eintreten für die Freiheit der Religion und des Gewissens gegen die kommunistischen Machthaber bis zu seinem Engagement für die deutsch-polnische Aussöhnung. Genauso wie bei Roncalli darf man aber den Seelsorger nicht aus den Augen verlieren, der den Menschen demütig und liebevoll dienen will.

Als Papst Johannes Paul II. hat er sich sehr um das rechte Verständnis des jüngsten Konzils bemüht, auch um die innerkirchliche Versöhnung. Er war ein Bote der Freiheit des Glaubens, der Würde des Menschen in der Welt. Und er hat sich ebenfalls sehr darum bemüht, durch seine Reisen, Reden, Predigten, die Weltjugendtage und mehr eine zeitgemäße Verkündigung des Glaubens zu fördern. Sein Leiden in den letzten Lebensjahren war selbst ein Stück Verkündigung: Wie wir Menschen unser Kreuz tragen können und sollen, wie auch Leiden und Krankheit uns unsere Würde nicht nimmt, wie jeder Mensch auch in dunklen Stunden einem Ruf Gott folgen kann.

Johannes Paul II. und Johannes XXIII. sind auf der „gleichen Seite der Barrikade“ zu Hause: Auf der Seite Christi und seiner Kirche. Freilich waren sie keine perfekten Menschen. Die gibt es auch gar nicht, zumindest nicht auf Erden. Ihre dunklen Seiten waren ihnen wohl auch selbst schmerzlich bewusst. Doch ein „Heiliger“ wird man nicht durch Perfektion, sondern dadurch, dass man sein Leben vor Gott hinlegt, bereit ist, sich ganz auf ihn einzulassen und sich bemüht, seinen Willen zu erkennen und zu tun. Dieser Bereitschaft hat Gott sein Siegel aufgedrückt, wie es in den Wundern zum Ausdruck kommt, die mit der Fürsprache der beiden in Verbindung gebracht werden. Für Papst Johannes XXIII. hat man auf die Aufarbeitung der Wunderberichte für die Heiligsprechung verzichtet, da sein Tugendgrad hinreichend bekannt sei. Das ist aber eher als Abkürzung des Verfahrens zu werten: Sein Leichnam stellte sich bei der Exhumierung ja als unverwest heraus, was (abhängig allerdings von klimatischen Bedingungen) traditionell ein Zeichen der Heiligkeit ist.

Zwei heilige Väter – und dank der Teilnahme des emeritierten Papstes Benedikt XVI. wird es sogar zum „Vierpäpstetag“. Wir sind doch eine gut behütete Kirche.