Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn!

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche – mit einem lauten, lärmenden Einzug, einem Volksfest, heller Aufregung. In diesem feierlichen Einzug ist der furchtbare Auszug aus der Stadt, den Jesus am Karfreitag zu gehen hat, schon angelegt, und so ist es gar nicht so verkehrt, wenn auf Deutsch die Woche, die mit dem Palmsonntag beginnt, eben „Woche der Trauer“, Karwoche, heißt. Freilich ist es auch eine „Hebdomada Sancta“, eine heilige Woche, in der das ganze Heilsgeschehen auf engsten Raum komprimiert ist.

Jesu Jüngerschar ist an jenem Sonntag groß, wie es immer ist, wenn man erfolgreich zu sein scheint. Und sie grüßt Jesus als König, sie ruft:

λέγοντες· εὐλογημένος ὁ ἐρχόμενος, ὁ βασιλεὺς ἐν ὀνόματι κυρίου· ἐν οὐρανῷ εἰρήνη καὶ δόξα ἐν ὑψίστοις. (Lk 19,38)

Sie sagten: Ein Gepriesener sei der Kommende, der König, im Namen des Herrn; im Himmel Friede und Ehre in den Höhen. (Meine Übertragung)

Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe! (Einheitsübersetzung)

Dieser Aufruf ist anfangs ein Zitat aus Psalm 117 (118 H), das wie für die Karwoche geschrieben scheint:

[…] Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken. Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein. Ich danke dir, dass du mich erhört hast; du bist für mich zum Retter geworden. Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen. Ach, Herr, bring doch Hilfe! Ach, Herr, gib doch Gelingen! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. […]

Doch sie erweitern es um den Königsruf. Das kann eine Provokation der römischen Machthaber sein, es ist wohl eine Provokation der Schriftgelehrten sein, ist doch etwa in Psalm 24 der Herr selbst als König identifiziert, und ein weltlicher König würde auch kaum Frieden im Himmel bewirken. So ist es verständlich, wenn die Pharisäer rufen: „Meister, bring Deine Jünger zum Schweigen!“ Doch es geht nicht: Die Freude ist zu groß, die Wahrheit kann nicht verschwiegen werden.

Die Jüngerschar ruft wegen Jesu’ mächtiger Taten, wie der Evangelist verrät, der vielen Wunder, der eindrucksvollen Worte. Als aus dem mächtigen Prediger ein Gefangener wird, schmilzt diese Jüngerschar freilich schnell zusammen, und die großen Wunder sind schnell vergessen.

Offen für Gottes Zeichen

Der neue Papst sorgt für Reaktionen. Die Böswilligen haben sofort Punkte in den Aussagen oder der Biographie Franziskus’ gesucht, die man zumindest Ahnungslosen als perfid verkaufen kann. Sein scheinbar geringeres Bewußtsein für die tiefsinnigen Symbole des Papstamtes und die Würde der Liturgie verstört manche, obwohl er doch erst seit kurzem im Amt ist und als Seelsorger in Argentinien selbstverständlich andere Erfahrungen mitbringt als sein Vorgänger. Andere stoßen sich daran, er sei zu konservativ, zu progressiv, oder was für andere Schubladen es im Diskurs über die Kirche so gibt.

In seiner Predigt zum Hochfest des hl. Josef – Namenspatron seines Amtsvorgängers –, die ja auch die Predigt zur Feier seiner Amteinführung war, lenkt Papst Franziskus den Blick aufs Wesentliche:

Wie lebt Josef seine Berufung als Hüter von Maria, Jesus und der Kirche? In der ständigen Aufmerksamkeit gegenüber Gott, offen für dessen Zeichen, verfügbar für dessen Plan, dem er den eigenen unterordnet. Es ist das, was Gott von David verlangt, wie wir in der ersten Lesung gehört haben: Gott will nicht ein vom Menschen gebautes Haus, sondern er wünscht sich die Treue zu seinem Wort, zu seinem Plan. Und Gott selbst ist es dann, der das Haus baut, aber aus lebendigen, von seinem Geist gekennzeichneten Steinen. Und Josef ist „Hüter“, weil er auf Gott zu hören versteht, sich von seinem Willen leiten lässt. Und gerade deshalb ist er noch einfühlsamer für die ihm anvertrauten Menschen, weiß mit Realismus die Ereignisse zu deuten, ist aufmerksam auf seine Umgebung und versteht die klügsten Entscheidungen zu treffen. An ihm sehen wir, liebe Freunde, wie man auf den Ruf Gottes antwortet: verfügbar und unverzüglich; aber wir sehen auch, welches die Mitte der christlichen Berufung ist: Christus!

Jedes Pontifikat hat seine guten und schlechten Seiten, wie sie eben jeder Mensch hat; doch in unserem Begehren, Splitter in den Augen der anderen zu finden, verlieren wir in den ganzen kirchenpolitischen Diskussionen den wichtigsten aus dem Blick: Christus. Schön, daß wir im neuen Wappen des Papstes durch das sternflammende Christusmonogramm auf Jesus hingelenkt werden, von dessen Willen wir uns leiten lassen sollen. Wie es in Psalm 142,10 (143,10 H) heißt:

Lehre mich, deinen Willen zu tun; denn du bist mein Gott. / Dein guter Geist leite mich auf ebenem Pfad.

„Ändere dich wenigstens morgen!“

Die Evangelienstelle von der Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin, die er vor der Steinigung bewahrt, ist eine der bekannteren Perikopen, deren berühmter Satz „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ geradezu sprichwörtlich geworden ist. Sie begegnet uns diesmal am fünften Fastensonntag in der Kirche.

Interessanterweise ist umstritten, ob die Passage zum Bestand des ursprünglichen Manuskripts des Johannes-Evangeliums gehört habe. Der theologischen Bedeutung des Textes tut das aber so oder so keinen Abbruch, und die Kirche hat den Text schon in der Antike als inspiriert erkannt.

Der Schlußsatz Jesu an die Ehebrecherin wird heute oft falsch verstanden. Er sagt zu ihr: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ Die Verurteilung, von der hier die Rede ist, ist ein Todesurteil. Die Frau sollte ja gesteinigt werden, und Jesus sagt ihr zu: Auch ich werde dich jetzt nicht steinigen. Man muß sich vorstellen, welche Todesängste diese Frau vorher durchgestanden hat – und nun darf sie aufatmen, ist aus der Todesgefahr unerwartet errettet.

Doch er gibt ihr dafür einen Auftrag: Geh, und sündige von jetzt an nicht mehr. Das ist im Kern ein Beichtgeschehen, in dem Gott einen neuen Anfang gewährt. Der hl. Augustinus geht darauf in seinem „Tractatus in Iohannies Evangelium“ in kräftiger Sprache ein:

Also, die am Herrn die Sanftmut lieben, sollen acht geben und die Wahrheit fürchten. „Mild ist der Herr und gerecht“. Du liebst ihn, weil er milde ist; fürchte ihn, weil er gerecht ist. Als mild hat er gesagt: „Ich habe geschwiegen“, aber als gerecht: „Werde ich etwa immer schweigen?“. „Barmherzig und gnädig ist der Herr.“ Ja, fürwahr. Füge noch hinzu: „langmütig“; füge noch weiter hinzu: „und sehr barmherzig“, aber fürchte, was zuletzt kommt: „und wahrhaft ist er“. Denn die er jetzt erträgt als Sünder, wird er dereinst richten als Verächter. „Oder verachtest du den Reichtum seiner Langmut und Milde, ohne zu bedenken, daß die Nachsicht Gottes dich zur Buße ruft? Du aber häufst dir gemäß deiner Herzenshärte und deines unbußfertigen Herzens den Zorn auf für den Tag des Zornes imd der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, der jedem vergelten wird nach seinen Werken“. Sanftmütig ist der Herr, langmütig ist der Herr, barmherzig ist der Herr, aber auch gerecht ist der Herr, und wahrhaftig ist der Herr. Er gibt dir Zeit zur Besserung, aber du liebst mehr den Aufschub als die Besserung. Bist du gestern schlecht gewesen? Sei heute gut. Und hast du den heutigen Tag schlecht zugebracht? Ändere dich wenigstens morgen. Immerwährend wartest du und versprichst dir von der Barmherzigkeit Gottes sehr viel, als ob der, welcher dir durch Buße Verzeihung verhieß, dir auch ein längeres Leben verheißen hätte. Woher weißt du, was der morgige Tag bringt? Mit Recht sagst du in deinem Herzen: Wenn ich mich bessere, wird Gott mir alle Sünden vergeben. Wir können nicht bestreiten, daß Gott den Gebesserten und Bekehrten Verzeihung verhieß. Aber bei dem Propheten, bei dem du mir liest, daß Gott dem Gebesserten Verzeihung verhieß, liest du mir nicht, daß dir Gott ein langes Leben verhieß.

In der Epistel heißt es daher passend am fünften Fastensonntag: „Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.“ (Phil 3, 13b-14)

Habemus papam

Habemus Papam ©news.va

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Eine große Freude! Mit ihm hatte ich nicht gerechnet, aber wohl der Heilige Geist, der so einen demütigen, menschenfreundlichen und glaubensfesten Arbeiter für den Weinberg des Herrn bestellt hat. Mehr kann und will ich jetzt gar nicht zum neuen Papst Franziskus I. sagen, und die journalistischen „Sofortanalysen“ will ich mir sparen. Seine ersten Worte sprechen für sich selbst.

Außerdem darf ich auf eine Kurzbiographie auf Radio Vatikan verweisen, die den 1936 in Buenos Aires geborenen Jorge Mario Bergoglio näher vorstellt. Ebenso interessant ein mehr journalistischer Beitrag des National Catholic Reporter und ein längerer Artikel auf news.va, der die Frage beantwortet: „Who is Pope Francis?“.

Der verlorene Sohn und die Gerechtigkeit

Der vierte Fastensonntag ist der Sonntag „Laetare“, an dem liturgisch die österliche Freude in die Dunkelheit des Fastens vorleuchtet. Weswegen ich auch immer ein wenig säuerlich reagiere, wenn man bei der Messe das Rosa des Laetare-Sonntags einspart und doch nur Paramente im normalen Fasten-Violett verwendet.

Im Introitus heißt es:

Laetare Ierusalem: et conventum facite omnes qui diligitis eam: gaudete cum laetitia, qui in tristitia fuistis: ut exsultetis, et satiemini ab uberibus consolationis vestrae.

Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr über sie traurig wart. Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum! – Einheitsübersetzung

Freuen sollen wir uns, und auf den ersten Blick gibt das Tagesevangelium mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn auch jeden Anlaß dafür. Trotz seiner Treulosigkeit nimmt der Vater den „verlorenen Sohn“ wieder auf, als dieser reumütig – oder zumindest vordergründig zerknirscht – zurückkehrt. Man denkt unwillkürlich an Ostern, wenn es im Exsultet heißt: „O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden.“ Für den Sohn wendet sich sein Abfall vom Vater, der in zuerst ins Verderben führt, ins Gute, da der Vater ihn nicht bloß als Tagelöhner wiederaufnimmt, sondern in festlichem Gewand. Da fragt man sich mit dem älteren Sohn zurecht: Ist das fair?

Ob die Rede des Vaters – „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein.“ – auf den älteren Sohn gewirkt hat, wissen wir nicht. Aber die erste Empörung des Sohnes ist zu verstehen. Gerechtigkeit wird mitunter so definiert, wie es schon Cicero getan hat: Jeder erhält das, was ihm zusteht. Aber steht dem verlorenen Sohn so ein Fest zu? Er ist zwar reuig, aber deckt das alle seine vorherigen Taten zu? Ist das gerecht in Relation zum treuen Bruder, der seinem Vater immer eine Hilfe war? Ist es also besser, ein Sünder zu sein, um dann große Freude über seine Erlösung zu erfahren?

Genau darauf gibt der Vater mit seinem oben zitierten Satz eine Antwort: Wir haben immer die Freude gehabt, beieinander zu sein. Das ist keine Selbstverständlichkeit, und selbst das Fest für den verlorenen Sohn kann doch die Zeit nicht aufwiegen, die der Vater und der treue Bruder miteinander verbringen durften, in der der andere Sohn „tot“ war und sich kurzfristigen Vergnügungen hingegeben hat, die ihn ruiniert zurückließen und die Liebe des Vaters nicht ersetzen konnten. Aber es gibt noch eine andere Antwort, die Gregor der Große (zitiert nach Catena Aurea) gegeben hat:

Daraus können wir ersehen, daß die wahre Gerechtigkeit Mitleid, die falsche jedoch Abweisung an den Tag legt – wenngleich auch die Gerechten sich mit Recht über die Sünder empören. Aber es ist ein Unterschied, ob etwas aus Stolz oder aus Eifer für rechtes Verhalten geschieht: Denn wenn auch die Gerechten nach außen hin durch Zurechtweisung heftig tadeln, so bewahren sie doch Sanftmut durch die Liebe: Sie stellen die, die sie zurechtweisen, in ihrem Herzen höher als sich selbst. So schützen sie durch die Zurechtweisung die Untergebenen, und durch die Demut sich selbst. Die hingegen, die wegen ihrer falschen Gerechtigkeit überheblich werden, verachten alle anderen und lassen sich zu keiner Erbarmung gegen die Schwachen herab. Und sie werden umso schlimmere Sünder, je weniger sie sich dafür halten.

An dieser angewandten, liebenden Gerechtigkeit läßt es der treue Bruder mangeln – so daß wir ehrlicherweise zugeben müssen, gleichzeitg im treuen wie im verlorenen Sohn ein Spiegelbild unseres Handelns wiederzufinden: Verschwenderisch mit unserem Erbteil, aber oft ohne Mitleid und voll Selbstgerechtigkeit gegenüber denen, die um Erbarmen bitten.

Perpetua und Felizitas

Im I. Hochgebet, dem Römischen Kanon, werden die Namen ehrwürdiger Märtyrer genannt, darunter der heiligen Perpetua und Felizitas, die in der severischen Christenverfolgung gemeinsam den Tod fanden. Diese soll zwar nach Ansicht einiger Historiker keine zentral gelenkte Verfolgung gewesen sein, sondern eher von regionalem Gepräge, was aber den Opfern reichlich egal gewesen sein wird. Der Festtag der beiden Märtyrerinnen, die für ihren Übertritt zum Christentum mit dem Leben bezahlt haben, ist der 7. März. Wenn ich den auch etwas verpaßt habe, so glücklicherweise andere nicht.

Auf „Braut des Lammes“ findet sich ein lesenswerter Beitrag zu den beiden Frauen, einer Herrin und ihrer Dienerin, die im Glauben zu Schwestern wurden. Über sie weiß man mehr als über viele andere, da über ihr Martyrium ein zeitgenössischer Text vorliegt, die „Passio Sanctarum Perpetuae et Felicitatis“ – hier in deutscher Übersetzung – , die in den Kapiteln 3 bis 10 aus Aufzeichnungen der heiligen Perpetua selbst aus der Zeit ihrer Haft besteht. Ein aufrüttelndes Zeugnis.

Wie würden die Medien auf einen außereuropäischer Papst reagieren?

In den Mainstream-Medien wird derzeit von den immer gleichen Personen die Zeit bis zum Konklave damit überbrückt, einen Quotenpapst herbeizurufen. Er solle ein Afrikaner sein – oder doch ein Lateinamerikaner – aber die sind nicht exotisch genug — vielleicht ein Ostasiat? Im Fall eines Afrikaners würden sich die ersten Schlagzeilen wenigstens schnell schreiben lassen: „Der Vatikan-Obama“.

Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn hat es in einem Fernsehinterview sinngemäß so gesagt: Die Wahl ist eine Persönlichkeitswahl, bei der es darum geht, denjenigen zu wählen, den Gott selbst für diese Position ausersehen hat.

Allein durch die demographische Verschiebung der Kirche gibt es freilich mehr Personen aus außereuropäischen Ländern als früher, die zurecht als „papabile“ gelten, eine Verschiebung, die sich in den nächsten Jahrzehnten immer stärker im Kardinalskollegium niederschlagen wird.

Wer aber glaubt, dieselben Personen, die einen außereuropäischen Papst herbeischreiben, würden diesen auch tatsächlich mit Respekt vor seinem kulturellen Hintergrund behandeln, der irrt, wie Mark Shea auf dem US-Religionsportal patheos.com darstellt.

Seine These: Die behauptete Multikulturalität und der propagierte „Relativismus“ seien nur Nebelgranaten, um die eigene, hedonistische Ideologie zu verbreiten. Sein Beispiel: Ein Wiederabdruck eines Artikels Mahatma Gandhis zur Empfängnisverhütung, in der sich dieser strikt gegen eine Trennung der schöpferischen Rolle der Sexualität von ihrer Praxis ausspricht.

Nicht einmal eine relativistische Erklärung wurde geduldet, die ja in den behaupteten Multikulturalismus gepaßt hätte; stattdessen wurde Gandhi von US-Medien und Bloggern des Jahres 2013 einfach lächerlich gemacht, verspottet oder verteufelt. Sheas Schlußfolgerung:

Exactly the same thing will happen with a Pope from a developing nation. When we get one […], there will be a few days of wonder that an African or Asian is doing the job, and then the hand-wringing will start about the Pope suffering from post-colonial false consciousness (meaning “he believes the Catholic faith”), outdated “tribal” sexism (and by “tribal” we think you catch our drift, hint, hint), “backward” superstitions and so forth.

Da trifft Shea genau ins Schwarze.

Sedisvakanz

Wenn dieser Text online geht, wird Papst Benedikt XVI.’ Abdankung bereits vollzogen sein, die Schweizergarde symbolhaft ihre Bewachung von Castel Gandolfo beendet haben, Ring und Siegel des Papstes vielleicht schon zerschlagen sein. Die Sedisvakanz beginnt.

Früher waren Sedisvakanzen manchmal wirklich schreckliche Zeiten, wie Friedrich Schiller das Interregnum auf dem Kaiserthron im 13. Jahrhundert nannte, Zeiten der Unsicherheit und Rechtslosigkeit.

Doch in diesem Fall ist es anders: Papst Benedikt XVI. hat im Gegenteil durch seine Abdankung und entsprechende Rechtsetzung eine möglichst kurze Sedisvakanz ermöglicht, und übergibt seinem Nachfolger ein wohlgeordnetes Haus. Er wollte wohl mit dieser Gewissheit aus dem Amt scheiden, als er merkte, seine Kräfte schwänden.

Es ist wahr: Der Wellengang, durch den das Schifflein Petri fuhr, war in den vergangenen Jahren sehr hoch. Christenverfolgungen im Nahen Osten, in China usw., blutige Anschlähe in Afrika (siehe zuletzt Nigeria und Sansibar), gesellschaftliche Umwälzungen in Nordamerika und Europa, die Marginalisierung des Wertes menschlichen Lebens und der Menschenrechte in weiten Teilen der Welt, widerstreitende innerkirchliche Fraktionen, … . „Doch Gott wird seine Kirche nicht kentern lassen“, sagte Papst Benedikt XVI. bei seiner Abschluß-Audienz. Papst Benedikt XVI. hat seinen menschlichen Teil dazu beigetragen.

Es gibt viele Gründe, warum ich mit Wehmut auf das Ende dieses Pontifikats blicke, wenngleich ich eigentlich zutiefst dankbar sein sollte, daß Gott uns diesen Papst immerhin für fast acht Jahr geschenkt hat. Für diesen bescheidenen, tiefsinnigen, nachdenklichen, liebevollen Papst will ich heute noch einmal Danke sagen. Alles Gute!

Was macht die Menschenrechte zu universalen Rechten?

Was macht die Menschenrechte zu universalen Rechten? Das ist eine gute und wichtige Frage, nicht zuletzt angesichts der Nichtbeachtung und Umdefinition der Menschenrechte, die vielerorts stattfindet. Sind sie nicht universal, sondern bloß Ausdruck zeitbedingter Befindlichkeiten, lohnt es sich kaum, für sie zu einzutreten. Es ist dann mehr eine Frage des Geschmacks. Sind Sie aber universal – wie können wir dann ihre Mißachtung so einfach hinnehmen?

Solche Fragen stellen sich allerdings Politiker eher selten; umso erfreulicher daher, daß der vatikanische „Außenminister“ Erzbischof Dominique Mamberti dieses Herzstück der Menschenrechtsdebatte im UN-Menschenrechtsrat thematisierte.

Mamberti bringt es auf den Punkt: Sind Menschenrechten frei definierbar und entstehen sie durch bloße Übereinkunft der Staaten? Oder fließen sie aus der Würde jedes Menschen? Und ist es wirklich sinnvoll, in immer neuen Resolution wortreich nicht nur die bestehenden Rechte zu verteidigen, sondern gleich noch neue zu kreieren – oder sollte nicht zuvorderst ein effektiver Schutz der grundlegenden Menschenrechte gewährleistet sein? Mamberti:

In fact, the number of resolutions is less important than their effectiveness, the imposition of new rights and principles should be replaced by respect for and strengthening of those already agreed upon. In this way, the common good will be sought, cooperation among nations will be reinforced, and the principle of subsidiarity will be fully respected.

Die Kirche ist fest überzeugt, daß die Menschenrechte in der „transzendenten Dimension der menschlichen Würde“, wie Mamberti sagt, wurzeln. Jedem Menschen erwachsen daraus unantastbare Rechte und unverrückbare Pflichten, die geschützt und erfüllt werden müssen. Ohne die Pflichten entarten die Rechte zum Egoismus, ohne die Rechte sind die Pflichten bloß ein drückendes Joch – und doch dürfen sie nicht konditional sein, will man die Menschen nicht doch wieder der Willkür der Machthabenden ausliefern.

Mamberti schließt mit einem Appell, einem schmerzhaften Appell, weil er angesichts der z.T. Godot-gleiche Qualität der Arbeit des UN-Menschenrechtsrats, in dem ja auch Länder wie China, Libyen, Republik Kongo oder Saudi-Arabien vertreten sind, bitter klingt:

[I]t would be useless to proclaim rights if at the same time we did not do everything in our power to ensure the duty of respecting them, on the part of everyone, everywhere and for everyone

Es wäre nutzlos, Rechte zu verkünden, wenn wir gleichzeitig nicht alles in unserer Macht stehende täten, um die Pflicht ihres Respektierung zu garantieren, seitens jedes einzelnen, überall und für jeden.

Die Rede Mambertis ist aufrüttelnd und lesenswert.

„Ihr Gott ist der Bauch“

An diesem zweiten Sonntag der Fastenzeit wird als Evangelium die Perikope von der Verklärung gelesen und in Verbindung mit einem Abschnitt des Briefes des Apostels Paulus an die Philipper und den Bundesschluß Gottes mit Abraham gesetzt. Ein interessanter Dreiklang, bei dem mich der Epistel-Text sofort angesprungen hat:

Ahmt mir nach, Brüder, und schaut auf jene, die nach dem Vorbild wandeln, das ihr in uns habt!  Denn viele wandeln – ich habe von ihnen oft zu euch gesprochen und sage es jetzt unter Tränen – als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch, ihr Ruhm liegt in ihrer Schande, ihr Trachten richtet sich auf das Irdische. Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dort erwarten wir auch als Retter den Herrn Jesus Christus, der, vermöge der Macht, durch die er sich alles unterwerfen kann, unseren hinfälligen Leib umwandeln und seinem verherrlichten Leib gleichgestalten wird. Daher, meine lieben, ersehnten Brüder, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest im Herrn, Geliebte!
(Phil 3,17-4,1; Übersetzung von Rupert Storr („Grünewald-Bibel“) via Volksbibel 2000)

Bei diesem Text steht auch eine Kurzfassung zur Verfügung, die erst bei „Unsere Heimat aber ist im Himmel“ einsetzt. Doch die mahnenden Worte des Apostels davor bilden einen passenden Gegensatz zur Verklärungsgeschichte. Die Verklärung demonstriert, daß Jesu Heimat der Himmel ist, und gibt eine Vorahnung der großen Verwandlung Jesu zu Ostern. Doch Paulus erinnert uns daran, daß wir eine Wahl haben. Wir müssen ja keineswegs Jesus folgen – wir können uns vom „Bauch“ regieren lassen, kurzfristigen Vorteil auf Erden der Heimat im Himmel vorziehen. Und wie oft tun wir das nicht auch?

Der Text ist in der Fastenzeit gut platziert, weil wir uns diese Frage gerade in dieser Zeit stellen sollten. Wo ist unsere Heimat? Nach welchem Vorbild „wandeln“ wir? Und lassen wir uns von Jesus anrühren und verwandeln?

Paulus ruft: „Steht fest im Herrn, Geliebte!“, nennt die Angesprochenen „meine Freude und mein Ehrenkranz“: Er ist überzeugt, daß das kein unschaffbares, lebensfremdes Programm ist. Es wurde doch von ihm und anderen vorgelebt! Und es ist kein Programm der Perfektion, weil es keine perfekten Menschen gibt, sondern ein Programm des Weges. Deswegen nennt er die Adressaten des Briefes „meine Freude“, obwohl sie anscheinend durchaus ermahnt und ermuntert werden müssen.

Wir müssen also nicht verzagen – aber wir müssen den Weg wagen, sonst kommen wir am Ziel, der „Heimat“, nicht an.