Una noche: Filmfiktion und kubanische Realität vermischen sich

Es ist eine skurrile Geschichte, in der sich Fiktion und Realität vermengen: „Una noche“ ist ein Film über kubanische Bootsflüchtlinge, besetzt mit einheimischen Schauspielern; ein ambitioniertes Projekt einer jungen Filmemacherin, Lucy Mulloy, das die Lage der kubanischen Jugend ohne verklärende Romantik in den Blick nehmen will. Der Film dreht gerade seine Runde durch die Festivals. Auf der Berlinale hatte er seine Weltpremiere; beim Tribeca Festival in New York hat er gerade einen Preis gewonnen. Doch zwei der Hauptdarsteller, die zum Festival kommen hätten sollen, sind nach der Einreise in die USA verschwunden. Pikanterweise hat einer der beiden sogar den Preis des besten Hauptdarstellers zugesprochen bekommen, nämlich Javier Núñez Florián, der sich den Preis mit Dariel Arrechada teilt.

Es gibt das Gerücht, daß die beiden sich abgesetzt hätten, quasi in Imitation ihres Films, aber das ist Spekulation – wenn es ihnen auch nicht zu verdenken wäre. Kuba ist immer noch von einer allmächtigen Diktatur geprägt, ein Land ohne Freiraum, ohne Luft zum Atmen, wie man bildlich sagt. Wer dieses Gefängnis verlassen kann, der tut es auch. So wie letztes Jahr fünf Tänzer des Nationalballets, als es sich auf Tour in Kanada befunden hat, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen. Ob Javier Núñez Florián und Anailín de la Rúa de la Torre aber tatsächlich bloß die Chance auf Freiheit ergriffen haben, oder ob ihnen etwas zugestoßen ist, wissen wir freilich im Moment nicht. Ob ein Schauspieler wirklich bei der Verleihung seines eigenen Preises fehlen will? Ich bin mir unter diesen Umständen nicht so sicher, ob die beiden wirklich einfach die Freiheit gesucht haben.Man kann sich nur den Wünschen der Regisseurin Lucy Mulloy anschließen, daß die beiden gesund und wohlbehalten sind.

Kubanischer Vorfrühling?

Der Besuch des Papstes hat die prekäre Menschenrechtssituation in Kuba wieder ins Bewußtsein gebracht. Doch auch die wirtschaftliche Situation der Karibikinsel ist äußerst angespannt – so ist die Produktivität der staatlichen Landwirtschaft, des dominierenden Wirtschaftszweigs des Landes, so niedrig, daß 80% der Lebensmittel importiert werden müssen, wie der Economist in einem lesenswerten, ausführlichen Artikel über Kuba berichtet.

Zwar gibt es zögerliche Reformen, die unter Raúl Castro etwas an Schwung genommen haben, doch die ineffizienten, aufgeblähten und teuren Staatsbetriebe sind für das Regime, besonders die vielen mittleren Funktionäre, wichtige Quellen von Macht, Einfluß und Status, die nur preisgegeben werden, wenn es nicht mehr anders geht. So brechen Einzelunternehmen und kleine Genossenschaften in einigen mittlerweile erlaubten Bereichen durch die Schneedecke kubanischer Politik, doch rundherum lastet sie schwer auf dem Land. Ob es für einen Frühling bescheidenen Wohlstands reichen wird?

(über @a_sator)

Der Papst in Kuba

Die Reise Papst Benedikt XVI. nach Kuba ist vielleicht eine seiner wichtigsten. Die Reise seinens Amtsvorgängers, des seligen Johannes Paul II. des Großen, hat in der karibischen Diktatur ein wenig die Fenster geöffnet, frische Luft hereingelassen, und bleibende Spuren in der kubanischen Gesellschaft hinterlassen.

Die Gläubigen Kubas leiden trotzdem immer noch unter Repressalien des offiziell atheistischen Regimes; diese Menschen soll die Reise des Heiligen Vaters bestärken. Gleichzeitig geht es aber auch darum, Perspektiven für ein freieres, inklusives Kuba aufzuzeigen, Perspektiven, die nicht mit Blut eröffnet werden sollen, wie es schon viel zu oft in der kubanischen Geschichte versucht wurde, sondern mit friedlichen Mitteln. Nicht umsonst hat der Papst in seiner Predigt während der Messe zum 400. Jahrestag der Wiederauffindung der barmherzigen Jungfrau von Cobre mit diesen Worten geschlossen:

Liebe Brüder und Schwestern, vor dem Blick der Barmherzigen Jungfrau von El Cobre möchte ich euch dazu aufrufen, eurem Glauben neue Kraft zu geben, damit ihr aus Christus und für Christus leben und mit den Waffen des Friedens, der Vergebung und des Verständnisses für den Aufbau einer offenen und erneuerten Gesellschaft, einer besseren, menschenwürdigeren Gesellschaft kämpfen könnt, die die Güte Gottes stärker widerspiegelt.

In seiner Predigt ist er sehr deutlich auf die konkreten Umstände der Kirche Kubas eingegangen, in der vieles im Verborgenen geschehen muss, damit es überhaupt geschehen kann. Und wenn Benedikt XVI. davon spricht, wie sehr Gott die menschliche Freiheit nicht nur respektiert, sondern geradezu zu benötigen scheint, so ist das natürlich auch ein Hinweis an die kubanische Führung. Gott kann die menschliche Freiheit respektieren – warum nicht ihr? Der kubanische Präsident Raúl Castro war übrigens entgegen den ursprünglichen Plänen zur Messe erschienen, an der immerhin eine Viertel Millionen Kubaner teilgenommen haben.

Die kubanische Führung sitzt längst nicht so fest im Sattel, wie oft scheint. Die wirtschaftliche Lage ist schlecht, die politische noch prekärer. Auch in Kuba kann es zu blutigen Auseinandersetzungen wie in anderen Diktaturen kommen, spätestens nach dem Tode der Castro-Brüder. Der Kirche kommt in dieser Zeit, trotz aller Repression der Regierung, eine entscheidende Rolle zu, an einem positiven, friedlichen Wandel zu arbeiten. Die Reise des Papstes ist wohl ein Versuch, der Kirche vor Ort dabei zu helfen.