Carl Zuckmayer begegnet Thomas Bernhard und Karl Barth …

Vor vierzig Jahren starb der große deutsche Dramatiker Carl Zuckmayer in Visp in der Schweiz. Der damals gerade Achtzigjährige konnte dabei auf ein bewegtes, durchaus erfolgreiches Leben zurückblicken. Einige seiner Stücke, wie der „Hauptmann von Köpenick“ oder „Des Teufels General“, sind bis heute ein Begriff. Er schrieb an mehreren Drehbüchern mit, so für den „Blauen Engel“ oder den Oscar-Werner-Film „Entscheidung vor Morgengrauen“. Seine Autobiographie „Als wär’s ein Stück von mir“ war ein absoluter Bestseller.

Im Ersten Weltkrieg war er hochdekorierter Kriegsfreiwilliger. Doch die Erfahrungen des Krieges hatten ihn zu einem vehementen Kritiker von Militarismus und Kriegsbegeisterung werden lassen. Nach glänzenden Erfolgen kommt mit der Machtergreifung Hitlers die jähe Zäsur. Politisch ist Zuckmayer ohnehin unerwünscht, dazu kommt seine Herkunft, da seine Mutter jüdische Wurzeln hatte.

Freumbichler und Bernhard

Der österreichische Ständestaat ist für viele deutsche Kulturschaffende Zufluchtsort, so auch für Carl Zuckmayer, der nach Henndorf am Wallersee in Salzburg ins Exil geht. Dort publiziert er weiter, jetzt vor allem Prosa und Zeitschriftenbeiträge. Und er lernt Johannes Freumbichler kennen, einen bis dahin erfolglosen Schriftsteller. Über Vermittlung von Freumbichlers Lebensgefährtin Anna Bernhard erhält Zuckmayer den Entwurf für Freumbichlers Werk „Philomena Ellenhub“; Zuckmayers Frau Alice half Freumbichler bei der Ordnung und Straffung des Werks, Zuckmayer selbst bei der Bewerbung.

Mit Erfolg: 1937 erschien das Werk unter großem Beifall, Freumbichler erhielt den österreichischen Staatspreis für Literatur. Und hatte nun das Geld, um seine liebe Anna Bernhard zu heiraten.

Sein Enkel sollte wesentlich bekannter werden: Thomas Bernhard. Ihm verhalf Carl Zuckmayer 1952 zu einem Job beim „Demokratischen Volksblatt“, der damaligen Salzburger SPÖ-Parteizeitung. Als Jahre später Bernhards erster Roman erschien, war es Zuckmayer, der das Buch mit einer positiven Rezension in der „Zeit“ einer breiten Öffentlichkeit bekanntmachte.

Ein rheinischer Katholik

Zuckmayer war politisch schwer einzuordnen, was ihm sein Leben oft schwer machte. Und er war etwas anderes, dass ihm das Leben im Literaturbetrieb ebenfalls nicht einfacher machte: Ein überzeugter Katholik. Damit folgte er seinem Vater, dem rheinhessischen Weinkapselfabrikanten. Seine Mutter war evangelisch.

Seine Autobiographie teilte Zuckmayer nicht umsonst nach den Horen des Stundengebets ein. In diesem Text berichtet Zuckmayer, dass die katholische Sozialisation seiner Kindheit ein großer Glücksfall für ihn war: Das „große Mysterium der Menschwerdung, das Wunder der Transfiguration“, das „in jeder Messe neu geschieht“, wird in den Ritualen des Gottesdiensts für das Kind Zuckmayer zum selbstverständlichen Teil des täglichen Lebens. „es ist Sonntag, der allen gehört, und an dem sich der dicke schwarze Mann aus dem Pfarrhaus in eine Heiligenfigur mit prachtvollen Gewändern verwandelt.“ – „[E]s ist nichts pietistisch Würdevolles oder Griesgrämiges dabei.“

Im Alter lernt Zuckmayer den evangelischen Theologen Karl Barth kennen und findet über diesen Umweg stärker zur Bedeutung des Glaubens. Eine „späte Freundschaft“, die man auch in den Briefen der beiden nachspüren kann. Sie sind immer wieder verschiedener Meinung, aber sie diskutieren drängende Themen der damaligen Zeit, die Zuckmayer als tieferen Denker ausweisen, als man ihm vielleicht nach dem Klischee zugetraut hätte.

Der Vater der Wüstenväter

Ohne Antonius den Großen († 356) wäre das Mönchtum vielleicht nicht so, wie es ist. Er legte sein Geschick ganz in die Hand Jesu und führte ein asketisches, einfaches Leben als Einsiedler. Bald fand er Nachahmer und Bewunderer, und ganze Gemeinschaften von sogenannten „Wüstenvätern“ bildeten sich um ihn herum und nach seinem Vorbild. Darum ist er auch einer der, wenn nicht überhaupt der Begründer des Mönchtums, wenn auch etwas unfreiwillig. Denn ein Einsiedler will für gewöhnlich nicht in großer Gesellschaft leben.

Der hl. Athanasius berichtet in seiner Antonius-Biographie, dass zwei Bibelstellen wegweisend für den Vater der Wüstenväter waren: Der Vers aus dem Matthäus-Evangelium, als Jesus dem reichen Jüngling antwortet: „Jesus sagte ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh hin, verkaufe, was du hast, und gib den Erlös den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir!“ (Mt 19,21) und wenn Jesus den Jüngern sagt: „Seid nicht so besorgt um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.“ (Mt 6,34)

Eine kleine Anekdote, die Athanasius berichtet, erhellt den Charakter des Antonius:

Als er einmal wieder so gezwungen wurde von denen, die in Not waren, und auch der Heermeister ihn inständig bat, herabzukommen, da erschien er wirklich, sagte einige Worte, die zum Heile dienten und für die Bittsteller bestimmt waren, und wollte wieder wegeilen. Als nun der Dux, wie er genannt wird, ihn ersuchte, er möge ein wenig länger bleiben, da erwiderte er, er könne nicht bei ihnen weilen und überzeugte ihn davon durch ein liebliches Gleichnis. Er sagte nämlich: „Wie die Fische sterben, wenn sie auf dem Trockenen bleiben, so werden die Mönche schlaff, wenn sie mit euch sich verhalten und bei euch bleiben. Wie der Fisch in das Meer, so müssen wir auf den Berg eilen, damit wir nicht durch unser Zögern der Dinge vergessen, die da innen sind.“ Als der General dies und vieles andere von ihm gehört hatte, da sagte er voll Verwunderung, er sei in Wahrheit ein Diener des Herrn. Denn woher hätte ein einfacher Mensch einen so tiefen und gewaltigen Verstand, wenn er nicht ein Liebling Gottes wäre? (Übersetzung von Anton Stegmann und Hans Mertel)

Antonius starb hochbetagt und hochverehrt — sogar der Kaiser hatte ihm einen Brief geschrieben — im Jahr 356. Sein Gedenktag ist der 17. Jänner.

Steigt die Ungleichheit seit 700 Jahren?

Guido Alfani von der Mailänder Bocconi-Universtät hat sich selbst eine schwierige Aufgabe gestellt, nämlich Daten über die Vermögensverteilungen der vorindustriellen Zeit zusammenzutragen und zu analysieren.

In einem im Herbst veröffentlichten Artikel bei Cliometrica, „The rich in historical perspective: evidence for preindustrial Europe (ca. 1300–1800)“ präsentiert er seine Ergebnisse, die nahtlos an die Datenreihen von Thomas Piketty anschließen sollen. Eine frei zugängliche Vorversion] kann man hier lesen.

Seine Kernaussage: Von 1300 bis 1800 hätte sich Reichtum fortwährend in den Händen des reichsten Dezils konzentriert. Lediglich die große Pestepidemie des 14. Jahrhunderts hätte diesen Prozess konterkariert. Auch der Anteil derjeniger, die das zehnfache des Medianvermögens halten, sei eindeutig gestiegen.

Große Lücken, große Schlussfolgerungen

Wer sich den Artikel näher ansieht, wird aber bald feststellen, dass Alfanis Schlussfolgerungen angesichts der Datenlage mutig sind. Die Mühe, die hier in den letzten Jahren für das Zusammentragen historischer Daten verwendet wurde, ist beachtenswert. Leider wird sie von überschießenden Verallgemeinerungen überdeckt.

Die Daten stammen aus Vermögensverzeichnissen für Steuerzwecke, die in Savoyen — er nennt es „Sabaudian State“ –, dem Gebiet der Republik Florenz, des Königreichs Neapel und in Venedig angelegt wurden, und werden mit Daten aus Katalonien und den südlichen Niederlanden (Belgien) abgeglichen. Dies ist dank des EINITE Projekts möglich, bei dem unter Federführung Alfanis eine Reihe von Wissenschaftern historische Unterlagen nach einer gemeinsame Methode sichten und auswerten.

In den Daten fallen große Lücken auf:

  • Es fehlen notwendigerweise diejenigen Personen, deren Vermögen zu gering war, um besteuert zu werden.
  • Ebenso fehlt Vermögen, das keiner Besteuerung im Sinne dieser Vermögensverzeichnisse unterlag. So fehlen Lehensgüter in der Untersuchung, wie Alfani selbst zugibt. Gerade für die erste Zeit werden diese wohl von erheblicher Bedeutung gewesen sei. Dann fehlt das Eigentum kirchlicher Einrichtungen, die doch eine erhebliche ökonomische, soziale und gesellschaftliche Rolle gespielt haben. Sie boten für viele Ärmere Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs, waren Bildungs- und Sozialeinrichtungen, natürlich auch Machtzentren. Die Enteignungen kirchlicher Güter im späten 18. und 19. Jahrhundert müssten große Spuren hinterlassen.
  • Die Hauptstädte der betroffenen Gebiete — Turin, Venedig, Florenz und Neapel — sind ausgeschlossen, da sie auf Grund besonderer Steuerbefreiungen in den Steuerlisten nicht vorkommen.
  • Die Bewertung der Güter ist selbst heute ein schwieriges Thema. Wie die Bewertung der Vermögensgüter funktioniert, wird nicht beleuchtet.

Der Aufstieg des Bürgertums

Alfani denkt, dass steuerfreie Adelsgüter eine so geringe Rolle gespielt hätten, dass sie kaum Einfluss auf seine Rechnung haben würden. Das schließt er aus Listen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Ich befürchte allerdings, dass er vor allem den Aufschwung des Bürgertums — der Handwerker und Kaufleute –, und die Verstädterung misst. Natürlich nimmt im Vergleichszeitraum relativ der Wert des landwirtschaftliche Vermögen der Adeligen und der Kirche (beides ja nur z.T. erfasst) ab. Umgekehrt werden in manchen Gegenden Bauern vermehrt zu Eigentümern ihres Landes — das führt aber eher zu einer statistisch noch stärkeren Konzentration des Vermögens, da aus nicht erfasstem Lehensgut plötzlich erfasstes Privatgut wird, aus nicht erfassten Besitzlosen erfasste Personen mit wenig Besitz.

Jeder, der Produktionsfunktionen noch im Kopf hat, wird sich außerdem erinnern, dass man an in den einfachsten Modellen an drei Stellschrauben drehen kann: An der geleisteten Arbeit, am eingesetztes Kapital und der verwendeten Technologie. Ein wesentlicher Teil der steigenden Produktionsmöglichkeiten der neuzeitlichen Staaten auf der italienischen Halbinsel geht auf die Kombination besserer Technologien mit dem nötigen Kapitaleinsatz zurück. Glasbläserhütten, Tuchwebereien, Seidenbau oder Buchdruckereien entstehen nicht von selbst.

Es ergibt Sinn, dass die großen Pestepidemien, der sogenannte „Schwarze Tod“, Ungleichheit einebnen, weil sie so viel Menschen das Leben kosten, dass sie die Gesellschaft zerreißen. Ökonomisch gesprochen wird Arbeit knapper, so dass dessen Entlohnung ansteigt, während der Wert des eingesetzten Kapitals und Wissens relativ sinkt. Güter, die niemand bewirtschaften kann, sind wertlos. Es sollte Alfani und auch Thomas Piketty im Übrigen zu denken geben, dass große Reduktionen der Ungleichheit immer mit großen Katastrophen einhergehen: Die Pest bei Alfani, erster und zweiter Weltkrieg bei Piketty.

Jedenfalls ist die aufgezeige „Konzentration“ des Vermögens auch ein Artefakt einer steigenden, technologisch aufwendigeren Produktion, die wiederum allgemein zu einem steigenden Lebensstandard geführt hat. Diese Wechselwirkung entgeht Alfani, der nur auf die Verteilung des erfassten Vermögens blickt, leider völlig.

Übrigens: Eine Kurzzusammenfassung von Alfanis Thesen gibt es auf VoxEU.

Auf dem Weg zur elektronischen Person?

Die Fortschritte bei der Programmierung sogenannter „Künstlicher Intelligenzen“ und Automatisierung immer weiterer Bereiche der Arbeitswelt erfordert auch eine Anpassung des gesetzlichen Rahmens. Keine Frage. Das EU-Parlament hat sich mit dieser Frage im Justizausschuss ausführlich beschäftigt, wie der Guardian berichtet. Das Ergebnis kann man in diesem Berichtsentwurf lesen, der u.a. Frankensteins Monster und den Golem bemüht.

Unter anderem wird vorgeschlagen, für die „ausgeklügelsten autonomen Roboter“ den Status einer „elektronischen Person mit speziellen Rechten und Verpflichtungen“ zu schaffen. Damit würde der Roboter schadenersatzpflichtig. Außerdem soll eine eigene Pflichtversicherung für Schäden von Robotern analog zur Kfz-Haftpflichtversicherung eingeführt werden.

Ein interessantes Thema, das in dem Bericht angerissen wird, ist auch die Schaffung von „Cyborgs“ — die „Reparatur und Optimierung von Menschen“, wie es im Text heißt. Ein ethisch hochbrisanter Bereich, bei dem vieles „einfach getan“ wird, ohne über die weiteren Folgen nachzudenken.

Leider wird es wie immer dort am konkretesten, wo es um neue Bürokratie geht: Natürlich braucht es eine eigene „Europäische Agentur für Robotik und Künstliche Intelligenz“, und natürlich braucht es eine Besteuerung auf Grundlage des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz im Betrieb.

Das EU-Parlament hat allerdings kein Initiativrecht, d.h. es kann keine Gesetzesvorschläge machen. Ob dieser Bericht Folgen haben wird, bleibt also der Kommission überlassen.

Wie konnte Gott das nur zulassen?

„Wie konnte Gott das nur zulassen?“ — Diese Frage wird nach persönlichen und weniger persönlichen Katastrophen gern gestellt. Sie ist verständlich, denn gerade dann, wenn einen Leid mit Wucht trifft, sucht man nach einer Erklärung. Und die eigene, unvermittelte Erfahrung widerspricht oft dem persönlichen Bild, das man von Gott hat.

Ich habe diese Frage trotzdem immer als seltsam empfunden. Zum einen insinuiert sie einen Grundzustand, in dem Leid in der Welt abwesend ist. Das widerspricht doch grundsätzlich der Lebenserfahrung! Zum anderen wird sie meist nur gestellt, wenn man selbst betroffen ist. Wie blind für die Leiden anderer war mancher vielleicht zuvor, wenn er sich erst dann diese Frage stellt, wenn es um ihn selbst geht?

Auch die Bibel beschäftigt sich ausführlich mit der Frage: „Wie konnte Gott das nur zulassen?“ Das ganze Buch Hiob handelt von nichts anderem. Die Jünger haben sich bei der Kreuzigung wohl ebenso genau diese Frage gestellt.

Doch gibt es zwei Begebenheiten in der Bibel, die mir persönlich für diese Frage wichtig erscheinen. Das eine ist ein subtiles Detail der Erzählung von Adam und Eva. Kinder gebiert Eva erst nach dem Sündenfall, als der Tod in die Welt kam. Werden hängt mit Vergehen eng zusammen, und dieses Vergehen ist mit Leid verknüpft. Solange wir in einer Welt des Werdens und Vergehens leben, solange leben wir notwendigerweise in einer Welt, in der Leid existiert.

Das andere ist ein gewaltiges Ereignis: der Kreuzestod Christi und seine Auferstehung. Wenn Gott zulässt, dass buchstäblich er selbst gekreuzigt wird, ist die ganze Frage: „Wie konnte er das zulassen?“ völlig sinnentleert. Doch was Gott daraus macht, ist einfach wunderbar. Aus dem Leid des Kreuzes wird die Fülle des Lebens, eines Lebens, in dem es kein Werden und Vergehen mehr gibt, und damit auch kein Leid.

Der heilige Papst Johannes Paul II. hat sich im apostolischen Schreiben Salvifici Doloris ausführlich mit der Frage des Leidens beschäftigt, insbesondere mit dem Sinn des Leidens. Er gibt darin keine billigen Antworten, und zeigt doch die vielen Weisen auf, in denen Sinn im Leiden liegen und gefunden werden kann. Auch und gerade in unserem Umgang mit dem Leid anderer! Gerade in kritischen Situationen ein lesenswerter Text.

Je gebildeter, desto sinnloser?

Dominic Cummings war der Wahlkampfleiter der Vote Leave-Kampagne für den Brexit, zuvor Berater des damaligen Unterrichtsministers Michael Gove. Im „Spectator“ schreibt er in einem langen, aber sehr anregenden Text über seine Erfahrungen in der Brexit-Kampagne, insbesondere, warum die Abstimmung für den Austritt aus der EU ausgegangen ist.

Ein Abschnitt daraus hat mich besonders zum Nachdenken angeregt:

I’ve learned over the years that ‘rational discussion’ accomplishes almost nothing in politics, particularly with people better educated than average. Most educated people are not set up to listen or change their minds about politics, however sensible they are in other fields.

Ich habe mit der Zeit gelernt, dass „vernünftige Diskussionen“ in der Politik fast nichts erreichen, insbesondere mit überdurchschnittlich gebildeten Leuten. Die meisten gebildeten Leute sind nicht darauf eingestellt, beim Thema Politik hinzuhören oder ihre Meinung zu ändern, wie verständig sie auch in anderen Bereichen sein mögen.

Wenn ich darüber nachdenke, wieviele Diskussionen ich schon geführt habe, ohne dass ich oder mein Gegenüber etwas an der eigene Position geändert hätten; wie oft bei einer allfälligen Wiederholung dann doch wieder die gleichen Argumente hervorgeholt werden — dann glaube ich gerne, dass Cummings da irgendwie recht hat.

Je gebildeter man ist, desto leichter kann man eben wegrationalisieren, dass die eigenen Argumente eigentlich widerlegt wurden. i

Hilarius von Poitiers, der Hammer der Arianer

Der 13. Jänner ist der Gedenktag des heiligen Hilarius von Poitiers († 367/368). Ursprünglich war er Beamter des Römischen Reiches, dabei offenbar gut gebildet. Wie er in seinen zwölf Büchern über die Dreieinigkeit schreibt, führten ihn auf der Suche nach der „Aufgabe, die dem Menschenleben von ihm selbst und von Gott her eigne“, die Bücher des Alten Testaments auf die Spur des Christentums:

„Ich bin, der ich bin“; und wiederum: „Dies sage den Kindern Israels: der da ist, hat mich zu euch gesandt“. Geradezu bewundert habe ich eine so endgültig-eindeutige Gottesbezeichnung, die die unfaßliche Erkenntnis des göttlichen Wesens in einer für menschliche Fassungskraft höchst geeigneten Sprechweise angab.

Er wurde später Bischof — vielleicht der erste — in Poitiers, das damals Pictavium hieß. Der hl. Martin hat ihn nach seinem Militärdienst aufgesucht, wie sein Biograph Sulpicius berichtet, und Hilarius hat ihn zum sogenannten „Exorzisten“ geweiht, einem niederen Weihegrad. Eigentlich wollte Hilarius den frommen Mann zum Diakon machen, doch Martin hielt sich für unwürdig, dieses Amt zu bekleiden.

Der hl. Hilarius von Poitiers heilt ein Kind. Illustration aus dem Weißenauer Passionale

Der hl. Hilarius von Poitiers heilt ein Kind. Illustration aus dem Weißenauer Passionale

Der Hammer der Arianer

Martin hatte wahrscheinlich einen guten Grund, gerade Hilarius aufzusuchen. Denn dieser gehörte zu den Verteidigern der Kirche gegen den Arianismus, eine auch heute verbreitete Irrlehre, nach der Jesus Christus nicht selbst Gott ist, sondern ein geschaffenes, von ihm verschiedenes Wesen. Es geht im Kern um den Monotheismus und die Rolle Jesu.

Die Arianer genossen zu dieser Zeit kaiserliche Unterstützung; viele Bischöfe unterwarfen sich gehorsam. Nicht so Hilarius, der die Dreifaltigkeit verteidigte und die bewusste Trennung der rechtgläubigen Bischöfe vom arianischen Bischofs Saturninus von Arles und seinen engsten Vertrauten betrieb.

Darauf kam es zur Synode von Biterrae (Béziers), bei der die arianischen Bischöfe die inhaltliche Auseinandersetzung vermieden und sich Hilarius’ entledigten: Er wurde auf kaiserlichen Befehl nach Phrygien verbannt — offenbar unter falschen Anschuldigungen. Hilarius selbst schreibt:

Als ich nachher durch die Partei jener Pseudoapostel zur Synode zu Bitterae zu kommen gezwungen wurde, machte ich ihnen das Anerbieten, diese Ketzerei aufzudecken und zu widerlegen. Aber diese fürchteten die öffentliche Kundmachung und wollten die von mir vorgebrachten Beschuldigungen nicht anhören, weil sie glaubten, sie könnten Christo ihre Unschuld vorlügen, wenn sie absichtlich nicht wüßten, was sie nachher mit Wissen tun wollten.

In einem anderen Buch deutet er an, dass er aufgrund falscher Anschuldigungen des Arianers Saturninus verbannt wurde:

[…] so freute ich mich im Herrn, daß ihr unbefleckt und unangetastet von aller Ansteckung der verabscheuungswürdigen Ketzerei geblieben seid, daß ihr Teil nehmet an meiner Verbannung, in welche mich Saturninus aus Furcht vor seinem eigenen Gewissen, mit Hintergehung des Kaisers, verstoßen hatte, […]

Er schreib in der Verbannung mehrere Bücher, darunter das erste bekannte Traktat zur Dreifaltigkeit. Gleichzeitig legte er Wert darauf, weiter mit den Arianern ins Gespräch zu kommen, um den Frieden und die geistige Umkehr der Arianer zu fördern. Er nennt sie auch weiterhin Brüder, auch wenn sie sich nicht gerade brüderlich verhalten. Seine klare Argumentation konnte jedenfalls viele überzeugen, zum nicänischen Glauben zurückzukehren, weswegen er auch der Hammer der Arianer (malleus arianorum) genannt wurde.

Der Kaiser schlägt zurück

Wen er nicht überzeugen konnte, war Kaiser Constantius II.. Dieser lehnte das nicänische Glaubensbekenntnis ab; er wollte ein neues, einheitliches christliches Glaubensbekenntnis erreichen und den arianischen Streit entscheiden. Auf einem Konzil von Sirmium wurde daher ein Entwurf für eine Formel vorgelegt, nach der der Sohn „in allem wie der Vater“ ist, und die Verwendung des Begriffes „Wesen“ streng abgelehnt wird.

Damit sollen die Vertreter verschiedener Schattierungen des „Semi-Arianismus“ zufriedengestellt werden. Die sogenannten Anomoier, die vertraten, Vater und Sohn seien verschieden, waren damit zwar ausgebootet worden, und der reine Arianismus in der Minderheit geblieben. Ebenso war damit aber das nicänische Glaubensbekenntnis von 325 hinfällig, in dem Gott Sohn „eines Wesens mit dem Vater“ genannt wird. Der Text von Sirmium war allerdings nur ein Vorschlag.

Hilarius berichtet in einer Schrift „De Synodis“ an seine gallischen Freunde über diese Entwicklungen. Er schlägt darin auch eine Brücke zwischen Griechen und Lateinern, in dem er demonstriert, dass im Westen mitunter kritisierte Glaubensbekenntnisse aus sprachlichen Missverständnissen heraus abgelehnt werden. Das wird später eine wichtige Rolle spielen, um die kirchliche Einheit wiederherzustellen.

Die von Hilarius hier skizzierte Verständigung will der Kaiserhof verhindern und setzt zwei getrennte Synoden für Ost und West an, eine in Ariminium (Rimini) und eine in Seleucia in Isaurien. Letztere hätte ursprünglich in Nicomedien stattfinden sollen, musste aber auf Grund eines Erdbebens verlegt werden.

Die Bischöfe in Ariminium sahen keinen Grund, vom Glaubensbekenntnis von Nicäa abzuweichen. Daher wurde ihre Gesandtschaft, die sie mit einem entsprechenden Brief zum Kaiser gesandt hatte, zuerst aufgehalten, dann nach Nike in Thrakien verbracht, wo sie eine Formel zu unterzeichnen hatten, nach der der Sohn dem Vater ähnlich sei — auch das „in allem“ wurde gestrichen. Die westlichen Bischöfe wurden nun zur Unterzeichnung gezwungen oder verbannt.

An der östlichen Synode in Seleucia nahm auch der exilierte Hilarius teil, dessen Ruf als gebildeter, versierter Theologe und Disputant ihm offenbar vorauseilte. Auch hier erfolgte — trotz der starken arianischen Tendenzen im Osten — keine Einigung auf die Formel von Sirmium. Auf Wunsch des Kaisers mussten zehn Delegierte nach Konstantinopel zur Berichterstattung kommen, mit ähnlichem Ergebnis wie für den Westen.

Eine „Synode von Konstantinopel“ schloss aus Sicht des Kaisers den Prozess ab. Ihr Glaubensbekenntnis ist uns überliefert, und lässt weiten arianischen Spielraum.

Hilarius kehrt zurück

Hilarius durfte oder musste 360 wieder nach Poitiers reisen — er war den arianischen Hofbischöfen im Osten so lästig geworden, dass sie ihn lieber im fernen Gallien sehen wollten. Dort wurde er jubelnd empfangen. Bald konnte er den gallischen Bischöfen zeigen, dass die Formel von Konstantinopel nur ein Deckmantel für den Arianismus sei. In einer Regionalsynode wurde schließlich der Arianer Saturninus von Arles abgesetzt. Hilarius versuchte allerdings auch, die Hardliner von einer konzilianteren Haltung zu überzeugen, was er erfolgreich und überzeugend tat.

Mit dem Aufstand Julians gegen Kaiser Constantius’ und dem Tod des Letzteren wurde auch die Macht der Arianer merklich schwächer. So erklärte Papst Liberius die erzwungenen Beschlüsse von Ariminium für ungültig.

Schließlich unternahm Hilarius es 364, den Bischof Auxentius von Mailand als Arianer zu entlarven und seine Umkehr oder Absetzung zu erreichen. Auxentius aber stand beim Kaiser offenbar in hoher Gunst und es war vielmehr Hilarius, der Mailand verlassen musste.

Der hl. Hilarius wirkte bis zu seinem Tod in Poitiers, der heute allgemein mit 367 angegeben wird. Übrigens spornte er in dieser Zeit auch den hl. Martin an, ein Kloster in Ligugé zu gründen. Er gilt als Kirchenlehrer und wird auch in der Ostkirche geschätzt und verehrt.

Der Falter gegen Erwin Pröll, Runde 57

Erwin Pröll ist ein mächtiger Mann. So jemand hat viele (und viele falsche) Freunde und natürlich auch viele Feinde. Daher ist es folgerichtig, dass in regelmäßigen Abständen Gerüchte und Geschichten über ihn auftauchen, die ihn diskreditieren sollen. Manche, wie die immer noch schenkelklopfend erzählte „Weinkönigin“-Story, haben sich nach Recherchen als „gut erfunden“ herausgestellt, andere, wie problematische Landesveranlagungen, wurden bald von anderen, ähnlichen Problemen im Österreich verdeckt und verloren so an Brisanz.

Jetzt also wird wieder die Erwin Pröll Stiftung ausgegraben, die zum 60. Geburtstag des niederösterreichischen Landeshauptmanns gegründet wurde. Der Falter hat hier offenbar in Kooperation mit den niederösterreichischen Grünen gearbeitet und übt sich in erprobter Übertreibung: „Geheimakten“, „an der Opposition vorbei“, „Spielgeld“. Neu ist die Story nicht, die schon 2009 einmal vom Falter ausgetestet wurde.

Auf Twitter attackiert Falter-Chefredakteur Florian Klenk andere Medien, die seine Story nicht mit dem gleichem Spin übernehmen, so etwa Kurier-Herausgeber Helmut Brandstätter. Offenbar hatte der Kurier den Grundsatz „audiatur et altera pars“ beherzigt und berichtete auch über die Pläne der Stiftung für eine Art Akademie. Das schmeckte Klenk überhaupt nicht.

Aber nicht einmal die Kritiker behaupten, dass sich irgendjemand mit dem Geld der Stiftung bereichert hätte. Die Landesräte der anderen Parteien haben den Subventionen für die Stiftung immer zugestimmt, also kann von einer heimlichen Zuwendung, die „an der Opposition vorbei“ erfolgte, wohl keine Rede sein. Außer, ich definiere Opposition in einer Landesverfassung, die allen Parteien ab einer gewissen Größe Sitze in der Landesregierung zubilligt, als diejenigen Parteien, die zu klein sind, um einen Sitz zugewiesen zu bekommen.

Ehrlich: Es ist für den Falter armselig, wenn er bei einem Landeshauptmann, dem die Zeitung eigentlich schon seit Jahren einen ans Zeug flicken will, keine aufregendere Geschichte findet.

Jetzt setzt man stattdessen auf journalistische Wehleidigkeit. Weil die ÖVP Niederösterreich genauso scharf zurückschießt und u.a. den Falter-Artikel „Fake News“ nennt, und eine Klagsdrohung gegen die ÖVP wegen dieser Bezeichnung publik gemacht wird, wird das Thema in Richtung „So geht man mit Journalisten nicht um“ verschoben. Aber warum eigentlich nicht? Wie heißt es: Wer austeilt, muss auch einstecken können. Wer „Best of Böse“ und andere Schmähungen produziert, muss schon vertragen, wenn er von anderen ähnlich behandelt wird.

Die verlorene Welt von Enzersdorf im Thale

Die Auswertung von Luftbildern und die Arbeit mit Spektroskopen, Magnetometern etc. hat es der Archäologie ermöglicht, in Bodenformationen und Erdschichtungen Spuren vergangener Siedlungstätigkeit zu entdecken.

Durch die modernen Luftbild-Datenbanken ist es nun aber auch interessierten Laien möglich, Spuren vergangener Zeiten zu entdecken. So im Falle von Enzersdorf im Thale, wie die Niederösterreichischen Nachrichten berichten.

Dort hat der Heimatforscher Heinz Bidner zusammen mit Gerhard Hasenhündl, Lehrer am BG/BRG Hollabrunn und Mitarbeiter des Museumsvereins Hollabrunn, den NÖ-Atlas ausgewertet, der auch die Möglichkeit bietet, sich reine Geländehöhen ohne Vegetation anzeigen zu lassen. So sind Erhebungen oder Gräben, die sich in dicht bewaldetem Gebiet befinden, besonders gut sichtbar.

Dabei konnten sie vier Dörfer, eine Siedlungszeile und Konturen einer Verteidigungsanlage entdecken. Einige dieser abgekommenen Dörfer können mit überlieferten Namen in Verbindung gebracht werden, so Krales, bei dem sich Spuren einer einfachen Burganlage erhalten haben, oder ein vermutetes Unter-Abtsdorf. Eine schöne Beschreibung gibt es auf der Website von Enzersdorf im Thale: http://www.enzersdorf-im-thale.at/versunkene-orte/.

Die Karte verrät eine hohe Siedlungsdichte, wie sie in Mitteleuropa bis zur großen Pestkatastrophe üblich war. Nach der Pest gab es eine Zeit der Wirren in Österreich, verwüsteten Hussiten, Ungarn und später Türken das Weinviertel, auch klimatische Veränderungen machten den Menschen zu schaffen. Spätestens im 15. Jahrhunderten verödeten zahlreiche Orte in Niederösterreich. Das Wüstungsarchiv zählt allein 498 mittelalterliche Wüstungen, deren Lage lokalisiert wurde, in diesem Bundesland. Etliche weitere harren noch ihrer Verortung.

Vor einigen Jahren hat sich das Bundesdenkmalamt, das von den Heimatforschern Bidner und Hasenhündl auch im Falle der Enzersdorfer Funde informiert wurde, intensiv mit Wüstungsforschung beschäftigt. Im Weinviertel wurde an vier abgekommenen Orten im Zuge großer Straßenbauprojekte geforscht. In der Wüstung Aichenstauden (Auersthal) konnte ein Höhepunkt der Aktivitäten um 1300 ermittelt werden, sowie ein Abkommen im 15. Jahrhundert.

Allerdings haben nicht bloß natürliche oder menschliche Katastrophen das Siedlungsbild verändert. Heike Krause und Thomas Kühtreiber weisen darauf hin, dass es einen Konzentrationsprozess gegeben hat: Kleinere Siedlungen wurden zugunsten größerer, funktionell aufgewerteter Dörfer aufgegeben. Bei neugegründeten Märkten und Städten ist dieser Vorgang besonders deutlich.

Dies ist auch vor dem Hintergrund einer Bereinigung der Feudalstruktur zu sehen und des Endes des sogenannten Villikationssystems, bei dem ein Herrensitz samt Eigenwirtschaft (Salland) und ihn umgebenden Bauernhöfen eine Einheit gebildet haben. Wird der Herrensitz aufgegeben, so kann das zur Übertragung der umgebenden Siedlung in ein anderes Dorf führen. Freilich kann es, je nach Situation, auch zur Ausweitung der Siedlung vor Ort kommen, wenn die frühere Eigenwirtschaft aufgeteilt wird und so neue Bauernstellen entstehen.

Schließlich werden auch Orte einfach in günstigere Lagen verlegt, mitunter mit wechselnden Namen, wie es noch 1830 mit Kimmerleinsdorf geschah, dass nach seiner Zerstörung in Gefolge eines gewaltigen Eisstosses auf der Donau als Franzensdorf wiederaufgebaut wurde. Der Name rührt von der Unterstützung der überlebenden Dorfbewohner bzw. des Dorfneubaus durch Kaiser Franz her.

Welche Ursache die Verwüstungen in Enzersdorf im Thale im einzelnen hatten, wird zum Teil nicht mehr rekonstruierbar sein, doch eine Mischung der erwähnten Ursachen — Verlegungen, Konzentration nach Enzersdorf, schließlich die Katastrophen des 14./15. Jh. — wird auch von den Heimatforschern vertreten, die etwa zwei nahe beieinanderliegende Funde als Ortsverlegung deuten.

Jedenfalls ein spannender Blick in die Vergangenheit, der durch modernste Technik ermöglicht wird.

Macht die Digitalisierung arbeitslos?

Wird die weiter fortschreitende Automatisierung den Großteil der Menschen arbeitslos machen? Das ist eine der Befürchtungen, die seit Jahrhunderten im Zuge technischer Veränderungen geäußert wurden. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Befürchtung nicht einmal korrekt sein könnte.

Johannes Schweighofer hat letztes Jahr in „Wirtschaft und Gesellschaft“ einen interessanten Aufsatz veröffentlicht, in dem er den aktuellen Stand der Forschung diskutiert.

So wird in der Literatur debattiert, ob für die zunehmende Automatisierung hohe akademische Bildung der beste persönliche Rettungsanker ist, oder aber die Mitte des Arbeitsmarkts wegbricht: Während besonders abstrakte Aufgaben, die z.B. viel Kreativität verlangen, und manuelle Tätigkeiten, die rasche Reaktionen auf die jeweilige Situation und persönlichen Kontakt erfordern, bestehen blieben, würden Berufe mit standardisierten Abläufen unter die Räder kommen. Diese „Polarisierungshypothese“ ließe sich regional empirisch nachweisen, wobei nicht bloß Automatisierung, sondern auch die Verlagerung der Produktion in andere Länder dafür verantwortlich sei. Es gebe aber auch widersprechende Befunde.

Der Hype um „Industrie 4.0“ wird von Schweighofer nicht geteilt. Tatsächlich gebe es große Umwälzungen, doch die früher prognostizierten Wachstumsschübe und positiven (!) Beschäftigungseffekte haben sich nicht eingestellt, doch aus das Gegenteil massiver Arbeitsplatzverluste nicht.

Während die langfristigen Folgen der Fortschritte in der Automatisierung in der Industrie und im Dienstleistungssektor (Stichworte Digitalisierung, Neuronale Netzwerke) enorm sein würden, seien kurzfristig keine dramatischen Umwälzungen zu erwarten, so Schweighofers Resümee der bisherigen Empirie.

Die generelle Arbeitslosigkeit ist meiner Meinung nach aber ohnehin schon auf Grund folgender ökonomischer Gesetze nicht zu befürchten: Des Gesetzes des komparativen Vorteils und des Say’sche Theorems.

Ersteres sagt: Auch wenn A alle Güter besser erzeugen kann als B, wird der Gesamtwohlstand höher sein, wenn sich A und B jeweils auf das spezialisieren, worin sie vergleichsweise besser sind, und miteinander in Handel treten. Letzteres, oft überzogen interpretiert, sagt nichts anderes als: Wir produzieren, um zu konsumieren. Das Tauschmittel Geld verstellt oft den Blick auf diese einfache Tatsache. Menschen arbeiten, um entweder die Früchte ihrer Arbeit selbst zu konsumieren oder gegen andere Güter zu tauschen. Daher ist es in einer freien Gesellschaft auch bei hoher Automatisierung selbstverständlich, dass Menschen weiter arbeiten werden.

Freilich sagt das wenig über die sozialen Umstände aus, die dann herrschen. Aber schon jetzt ist die Wahl zwischen hohen Mindestlöhnen bzw. Lohnkosten und niedriger Arbeitslosigkeit ein reales Problem vieler Länder. Die Frage wird also nicht sein: Gibt es genug Arbeit? sondern: Wollen wir die Bedingungen, unter denen diese Arbeit geleistet werden müsste, akzeptieren.