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Selbstmissionare


Alipius stellt sich eine Frage, die ich mir auch schon öfter gestellt habe:

Warum gibt es so viele Atheisten, die den Drang verspüren, sich in Kommentaren oder Emails direkt an mich zu wenden, um mir klar zu machen, daß Gott nicht existiert und im gleichen Atemzug schon fast hysterische Warntöne vor der Gefahr der Religion ausstoßen und versuchen, angst zu verbreiten?

Besonders die sogenannten „Neuen Atheisten“, die Richard Dawkins als ihrem Propheten blindlings folgen, sind davon betroffen. Dabei verwickeln sie sich in ihren Missionsdrang oft in jede Menge innere Widersprüche. Es fängt bei ganz banalen Dingen an, wie der Frage nach dem Ursprung ihres Wertmaßstabs, nach dem sie Folgen von Religiosität beurteilen können, oder der Spannung zwischen dem Biologismus der Neuen Atheisten und der gleichzeitigen Bekämpfung einer evolutionär anscheined erfolgreichen Erscheinung wie Religiosität, und zeigt sich auch im Diskurs, der mehr durch Immunisierungsstrategien und Herabsetzung des Gegenübers als durch rigorose logische Argumentation gekennzeichnet ist.

Doch Alipius erhält meiner Meinung nach eine gute Antwort darauf von Raphaela:

Irgendwann saß ich ihm [einem Professor] unter vier Augen in seinem Zimmer gegenüber. Fachliche Besprechung wurde zugunsten des x-ten „Glaube ist Blödsinn“-Exkurses unterbrochen. Ich wieder kommentarlos dabei. Da hielt er’s nicht mehr aus und fragte mich geradeheraus, ob ich es denn irgendwie beleidigend oder ärgerlich oder verstörend fände, wenn er so argumentiere.

Ich sah ihn an und antwortete, daß ich absolut kein Problem damit hätte, wenn er seine Sicht der Dinge darlege, da er aber doch sehr oft und an thematisch nicht immer ganz nachvollziehbaren Stellen damit anfange, könne ich mir die Frage nicht ganz verkneifen, WEN er eigentlich damit überzeugen wolle.

Der Groschen fiel — in extrem gedehnter Zeitlupe. Als er schließlich kapiert hatte, was ich gerade gesagt hatte, saß er starr da und lachte nervös und stammelte immer wieder, daß er NATÜRLICH nicht sich selbst davon überzeugen wolle…

… und hat danach in den zwei weiteren Jahren, in denen ich ihn noch als Prof. hatte, in meiner Gegenwart das Thema kein einziges Mal mehr angeschnitten. Da wußte ich irgendwann, daß ich ihn durchschaut hatte.

Es sind zu einem guten Teil eben Selbstmissionare, die sich immer und immer wieder davon überzeugen müssen, dass ihr eigener Glaube (oder nach eigener Ansicht „Nichtglaube“) richtig ist.

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