Startseite » Glaube & Geist » Den Magoi auf der Spur

Den Magoi auf der Spur


Am 6. Jänner wird ja traditionell Dreikönig gefeiert, auch wenn beim Evangelisten Matthäus weder von exakt dreien noch von Königen die Rede ist, denn es heißt im Evangelium lakonisch:

Τοῦ δὲ Ἰησοῦ γεννηθέντος ἐν Βηθλέεμ τῆς Ἰουδαίας ἐν ἡμέραις Ἡρῴδου τοῦ βασιλέως, ἰδοὺ μάγοι ἀπὸ ἀνατολῶν παρεγένοντο εἰς Ἱεροσόλυμα λέγοντες, Ποῦ ἐστιν ὁ τεχθεὶς βασιλεὺς τῶν Ἰουδαίων; εἴδομεν γὰρ αὐτοῦ τὸν ἀστέρα ἐν τῇ ἀνατολῇ καὶ ἤλθομεν προσκυνῆσαι αὐτῷ.

Ich selbst würde das laienhaft so übertragen:

Als Jesus in Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen Herodes’ des Königs, siehe, da kamen Mager aus dem Osten nach Jerusalem und sagten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Osten gesehen und kamen her, um ihm selbst zu huldigen.“

Aber was sind Magoi? Das griechische Wort Μάγος (mágos) kann zweierlei bedeuten:

  1. Ursprünglich bezeichnet es einen medischen Stamm, wie im 5. Jh. v. Chr. Herodot (Historien 1,101) und zur Zeit Jesu auch Strabo (Geographie 15.3.1) zu berichten wissen. Die Mager scheinen dabei auch nach persischen Quellen priesterliche Aufgaben gehabt zu haben. Es ist ja auch in anderen Völkern üblich gewesen, dass die Priesterschaft mit bestimmten Sippen und Stämmen verbunden war, siehe etwa die Leviten in Israel. Später werden die zoroastrischen Priester als Mager bezeichnet.
  2. Schon in der Antike wurde aber bei den Griechen Magi gleichbedeutend mit Scharlatan und (bösartiger) Zauberei, wovon sich ja unser Wort „Magier“ ableitet. In dieser Bedeutung kommt das Wort auch in der Apostelgeschichte vor, so in Kapitel 13, Vers 6, wo ein falscher Prophet namens Barjesus als „Magos“ bezeichnet wird, und in Kapitel 8, Vers 9 wird von einem Simon mit dem Wort μαγεύων gesagt, dass er zaubere.

Das Wissen um die doppelte Bedeutung des Wortes ging übrigens nicht  verloren. Es wird auch in Isidor von Sevillas Etymologien weitergegeben, die im Mittelalter als Nachschlagewerk unter Gelehrten weit verbreitet waren.

Matthäus erwähnt ausdrücklich, dass es sich um Magoi aus dem Osten handelt, wohl auch, damit keine Verwechslung mit der abwertenden Bedeutung des Wortes möglich ist, die er übrigens auch nicht verwendet. Wir können doch ausschließen, dass Matthäus von Scharlatanen sprechen wollte.

Magoi aus dem Osten deutet nach Mesopotamien und Persien, ins Reich der Parther. Justinus der Märtyrer, der im 2. Jh. n. Chr. schreibt,  verortet die Magoi, die zu Jesus reisen, übrigens in Arabien, wobei er aber auch Damaskus im Wissen um seine geographische Lage zu Arabien schlägt. Dazu hat er auch exegetische Gründe, weil er einige Stellen aus dem Alten Testament so auf die Geburt Jesu beziehen kann.

Das Wort Magoi wurde im Griechischen auch für andere Priester, Sterndeuter und Wahrsager aus Persien und Mesopotamien verwendet, wobei aber etwa um 3. Jh. n. Chr. Origines großen Wert auf die Unterscheidung von Magern und Chaldäern legt, denn sein Kontrahent will in den Magern des Matthäus chaldäische Sterndeuter sehen. Es ist interessant, dass nach Jahrhunderten der Forschung die Magoi des Matthäus immer noch entweder als echte Mager, Chaldäer oder Syrer (Damaskus) identifiziert werden, und damit die Diskussion gewissermaßen seit 1800 Jahren auf dem gleichen Stand ist.

Auch interessant, dass Matthäus Priester einer Religion erwähnt, die im griechischen und römischen Raum eher als suspekt betrachtet wurde, und ausgerechnet diese Priester dem so besonders angekündigten König der Juden huldigen wollen. Die Juden aber hatten positive Erfahrungen mit den Persern gemacht, besonders mit Großkönig Kyros dem Großen, der sie aus dem Exil nach Israel zurückkehren ließ und den Jesaja einen Gesalbten des Herrn nennt. Im Buch Daniel wird geschildert, dass Großkönig Dareios nach der Errettung Daniels aus der Löwengrube geschrieben haben soll:

Friede sei mit euch in Fülle!  Hiermit ordne ich an: Im ganzen Gebiet meines Reiches soll man vor dem Gott Daniels zittern und sich vor ihm fürchten. Denn er ist der lebendige Gott; er lebt in Ewigkeit. Sein Reich geht niemals unter; seine Herrschaft hat kein Ende. Er rettet und befreit; er wirkt Zeichen und Wunder am Himmel und auf der Erde; er hat Daniel aus den Tatzen der Löwen errettet.

Der Glaube der Perser wurde von den Juden der frühen Antike wohl noch am ehesten als monotheistisch (wenn auch nicht im strengen Sinn) gesehen, und stand damit jedenfalls näher als die wimmelnden Götterhimmel der Griechen und Römer. Meine These: Für Matthäus, der ja aus einer jüdischen Perspektive schreibt, sind die Mager also keineswegs im gleichen Sinn heidnische Huldiger wie es, sagen wir, drei römischer Priester wären. Vielleicht finde ich ja noch mehr Informationen dazu, ob ich da etwas auf der Spur bin.

2 thoughts on “Den Magoi auf der Spur

  1. Pingback: Leo der Große zum Dreikönigstag « Aus dem Hollerbusch

  2. Pingback: Und als man ihn suchte, ließ er sich finden. « Aus dem Hollerbusch

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s