48 Seligpreisungen


Diesen Sonntag wird in der Heiligen Messe wieder die Stelle von den acht Seligpreisungen gelesen, mit denen Jesus über das Himmelreich spricht. Doch was genau mit den Seligpreisungen gemeint ist, wird von Übersetzung zu Übersetzung sehr unterschiedlich gesehen.

Daher zuerst das griechische Original aus dem Matthäusevangelium (soferne man beim griechischen Text des Matthäusevangeliums vom Original sprechen kann, und es nicht bloß eine Übersetzung eines hebräischen oder aramäischen Textes ist, wie schon Quellen aus dem 2. Jahrhundert nahelegen.)

Μακάριοι οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι, ὅτι αὐτῶν ἐστιν ἡ βασιλεία τῶν οὐρανῶν.
Μακάριοι οἱ πενθοῦντες, ὅτι αὐτοὶ παρακληθήσονται.
Μακάριοι οἱ πραεῖς, ὅτι αὐτοὶ κληρονομήσουσιν τὴν γῆν.
Μακάριοι οἱ πεινῶντες καὶ διψῶντες τὴν δικαιοσύνην, ὅτι αὐτοὶ χορτασθήσονται.
Μακάριοι οἱ ἐλεήμονες, ὅτι αὐτοὶ ἐλεηθήσονται.
Μακάριοι οἱ καθαροὶ τῇ καρδίᾳ, ὅτι αὐτοὶ τὸν θεὸν ὄψονται.
Μακάριοι οἱ εἰρηνοποιοί, ὅτι αὐτοὶ υἱοὶ θεοῦ κληθήσονται.
Μακάριοι οἱ δεδιωγμένοι ἕνεκεν δικαιοσύνης, ὅτι αὐτῶν ἐστιν ἡ βασιλεία τῶν οὐρανῶν.
Μακάριοί ἐστε ὅταν ὀνειδίσωσιν ὑμᾶς καὶ διώξωσιν καὶ εἴπωσιν πᾶν πονηρὸν καθ‘ ὑμῶν ψευδόμενοι ἕνεκεν ἐμοῦ: χαίρετε καὶ ἀγαλλιᾶσθε, ὅτι ὁ μισθὸς ὑμῶν πολὺς ἐν τοῖς οὐρανοῖς: οὕτως γὰρ ἐδίωξαν τοὺς προφήτας τοὺς πρὸ ὑμῶν.

Die Einheitsübersetzung wählt eine durchaus vertretbare, dem Text und der deutschsprachigen Tradition nahe Übersetzung; die erste Seligpreisung wird etwas gewagt übersetzt, denn die griechische Stelle spricht weniger von „Armen im Geiste“ als von  solchen, die um den Geist des Herrn bitten, besser gesagt, sogar darum betteln. Übrigens geht an dieser Stelle die Nova Vulgata sehr elegant vor, indem sie einfach die Konstruktion beibehält und von „pauperes spiritu“ schreibt, was mehrere Deutungen offen lässt. Hier also der Text der Einheitsübersetzung:

Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

Die Lutherbibel (hier in der Fassung von 1984) ist deutlich Pate für die Einheitsübersetzung gestanden. Interessant die Übersetzung der Angesprochenen der ersten Seligpreisung als „geistlich Arme“, und der siebenten Seligpreisung als „Friedfertige“, was eine Einengung gegenüber dem griechischen Text bedeutet.

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.

Die Neue Genfer Übersetzung ist wagemutiger. Aus dem Wort „Selig“ wird „Glücklich zu preisen“,  eine Formulierung, die die Bedeutung des griechischen Wortes zwar etwas streckt, aber nicht völlig ausschließt. Etwas verunglückt wohl der Satz „Denn im Himmel wartet eine große Belohnung auf euch“, der mehr an Verhandlungen mit einem Kleinkind erinnert.

Glücklich zu preisen sind die, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Glücklich zu preisen sind die, die trauern; denn sie werden getröstet werden.
Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen; denn sie werden die Erde als Besitz erhalten.
Glücklich zu preisen sind die, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie werden satt werden.
Glücklich zu preisen sind die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Glücklich zu preisen sind die, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott sehen.
Glücklich zu preisen sind die, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Glücklich zu preisen sind die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Glücklich zu preisen seid ihr, wenn man euch um meinetwillen beschimpft und verfolgt und euch zu Unrecht die schlimmsten Dinge nachsagt. Freut euch und jubelt! Denn im Himmel wartet eine große Belohnung auf euch. Genauso hat man ja vor euch schon die Propheten verfolgt.

Die „Gute Nachricht“ lehnt sich noch weiter aus dem Fenster und verlässt dabei nicht nur die ausgetretenen Pfade deutscher Bibelübersetzungen, sondern gleich den Urtext genauso. Μακάριοι als „Freuen dürfen sich alle“ zu übersetzen, ist einfach falsch. Jesus verbietet und erlaubt in dieser Rede niemandem, sich zu freuen, sondern er spricht aus, wie es ist bzw. sein wird.

Es entspricht dabei sicher der Intention einer Übertragung wie der „Guten Nachricht“, explizit zu machen, dass Gott derjenige ist, der tröstet, sich erbarmt usw. Aber die zugegeben schwierige Übertragung der ersten Seligpreisung ist plump geraten, und entspricht nicht unbedingt dem Inhalt des Originaltextes. Die zweite Seligpreisung ist kaum wiederzuerkennen, und der Beginn der achten arg verkürzt.

Freuen dürfen sich alle, die nur noch von Gott etwas erwarten – mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt.
Freuen dürfen sich alle, die unter dieser heillosen Welt leiden – Gott wird ihrem Leid ein Ende machen.
Freuen dürfen sich alle, die unterdrückt sind und auf Gewalt verzichten – Gott wird ihnen die Erde zum Besitz geben.
Freuen dürfen sich alle, die danach hungern und dürsten, dass sich auf der Erde Gottes gerechter Wille durchsetzt – Gott wird ihren Hunger stillen.
Freuen dürfen sich alle, die barmherzig sind – Gott wird auch mit ihnen barmherzig sein.
Freuen dürfen sich alle, die im Herzen rein sind – sie werden Gott sehen.
Freuen dürfen sich alle, die Frieden stiften – Gott wird sie als seine Söhne und Töchter annehmen.
Freuen dürfen sich alle, die verfolgt werden, weil sie tun, was Gott will – mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt.
Freuen dürft ihr euch, wenn sie euch beschimpfen und verfolgen und verleumden, weil ihr zu mir gehört. Freut euch und jubelt, denn bei Gott erwartet euch reicher Lohn. So haben sie die Propheten vor euch auch schon behandelt.

Zu guter Letzt vergleichen wir noch die eher evangelikale Übersetzung „Neues Leben“. Bei ihr sticht besonders hervor, dass in der achten Seligpreisung das Leiden um der Gerechtigkeit willen zu einem „Gott ganz zur Verfügung stellen“ wird. Die erste Seligpreisung ist sehr unkonventionell formuliert, und trifft gerade dadurch den Kern des Satzes besser als andere: Es geht um Menschen, die um den Geist Gottes bitten, weil sie wissen, dass sie arm sind an Geist und gegenüber des Geistes.

Gott segnet die, die erkennen, dass sie ihn brauchen, denn ihnen wird das Himmelreich geschenkt.
Gott segnet die, die traurig sind, denn sie werden getröstet werden.
Gott segnet die Freundlichen und Bescheidenen, denn ihnen wird die ganze Erde gehören.
Gott segnet die, die nach Gerechtigkeit hungern, denn sie werden sie im Überfluss erhalten.
Gott segnet die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren.
Gott segnet die, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen.
Gott segnet die, die sich um Frieden bemühen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
Gott segnet die, die ihr Leben Gott ganz zur Verfügung stellen, denn das Himmelreich wird ihnen gehören.
Gott segnet euch, wenn ihr verspottet und verfolgt werdet und wenn Lügen über euch verbreitet werden, weil ihr mir nachfolgt. Freut euch darüber! Jubelt! Denn im Himmel erwartet euch eine große Belohnung. Und denkt daran, auch die Propheten sind einst verfolgt worden.

Welche Übersetzung einen selbst am verständlichsten in die Welt der Bibel hinabtauchen lässt, ist wohl für jeden anders. Was für alle gleich ist: Vor weitreichenden Schlussfolgerungen sollte man einmal die verschiedenen Übersetzungen vergleichen, denn jede Übersetzung hat ihre eigenen Mängel.

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