Strauss-Kahn und Tristane Banon


Die Verhaftung des IWF-Generaldirektors Dominique Strauss-Kahn wegen des Verdachts versuchter Vergewaltigung war für viele ein Schock. Strauss-Kahn ist einer der wichtigsten sozialistischen Politiker in Frankreich, dessen Tätigkeit für den Währungsfonds vom britischen Guardian so beurteilt wird: „Strauss-Kahn moved the fund in a more progressive direction“. Er soll eine wesentliche Rolle dabei gespielt haben, Deutschland für die massiven Geldspritzen für Griechenland und die anderen Länder, die sich in einer Schuldenkrise zu finden, ins Boot zu holen, und verabschiedete den Währungsfonds von seiner langjährigen Maxime der Entscheidungsfreiheit im Wirtschaftsleben.

Ob er sich nun tatsächlich eines sexuellen Übergriffs schuldig gemacht hat – sein Anwalt dementiert dies –, werden Berufenere klären. Es ist zeigt aber von bitterer Ironie, dass der Guardian erst am 13. Mai einen Artikel veröffentlichte, dass Strauss-Kahns Sexualleben keinen Einfluss auf seine Kandidatur für die französische Präsidentschaft haben werde; die Verfasserin Melissa Bounoua endete ausdrücklich mit der Aufforderung, ein Auge auf den viel versprechenden Kandidaten zu haben, aber bitte nicht in seinem Schlafzimmer. Ein Auszug:

Is Dominique Strauss-Kahn, current head of the International Monetary Fund, a “queutard” – literally, a man who makes extensive use of his intimate parts? In any case, that’s a talent for which he won an award last Tuesday at the satirical prize ceremony “Les Gerard” (the French political equivalent to the Razzy awards).

This dubious honour wasn’t only based on rumours. Strauss-Kahn (widely known as DSK) had an affair with Piroska Nagy, a Hungarian economist, while working at the IMF in 2008. […]

There was a fuss last year when a young French author, Tristane Banon, described her encounter with him. She explained that she had interviewed him for a book about public figures and their missteps, and claimed she had to fight him off physically. She said she hadn’t made a complaint at the time, because she didn’t want to be “the girl who had a problem with a politician”.

This side of DSK’s life has almost become folklore in France. […] “The great seducer” – that’s how the French press politely refer to Strauss-Kahn. Anne Sinclair, his wife of 20 years, appears to deal with his reputation with surprising pragmatism.

Die Geschichte mit Tristane Banon war also auch da schon gut bekannt. Die 31jährige französische Journalistin soll eigenen Angaben zu Folge von Dominique Strauss-Kahn 2002 belästigt worden sein. Er soll gewaltsam versucht haben, sie auszuziehen. Die damals noch blutjunge Reporterin war nachher zu einem Anwalt gegangen, doch auf Anraten ihrer Mutter Anne Mansouret, einer sozialistischen Regionalpolitikern, erhob sie keine Anzeige gegen den mächtigen Parteifreund, der auch mit der Familie bekannt war, wie Paris-Normandie berichtet. Eine Entscheidung, die Mansouret heute bedauert. Allerdings ging Banon mit der Geschichte fünf Jahre später an die Öffentlichkeit, wie man hier auch beim Figaro nachlesen kann. Strauss-Kahn soll gemeint haben, er wisse nicht, was damals über ihn gekommen sei.

Über den Wahrheitsgehalt der aktuellen Anschuldigungen kann man momentan nichts sagen. Was man aber aus der Vergangenheit Strauss-Kahns, aber etwa auch Jacques Chiracs und anderer folgern kann, das ist, das auch in Demokratien die Verbindung von Macht und Sexualität oft die dunkelsten Seiten eines Menschen zum Vorschein bringt.

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Ein Gedanke zu “Strauss-Kahn und Tristane Banon

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