Salomos Bitten


Die 1. Lesung im heutigen Sonntagsgottesdienst hat mich besonders beeindruckt. Denn darin fragt der Herr den jungen König Salomon nach einer Bitte, die er ihm gewähren solle. Und worum bittet Salomon? Er sagt: „Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht. Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren?“

Auch Papst Benedikt XVI. hat bei der Ansprache zum Angelus diese Stelle in den Mittelpunkt gerückt, hier in einer hatscherten vorläufigen Übersetzung meinerseits mit Hilfe zahlreicher elektronischer Hilfsmittel:

So betete er zu Gott, ihm „ein hörendes Herz“ zu gewähren. Was bedeutet dieser Ausdruck? Wir wissen, dass das „Herz“ in der Bibel nicht bloß einen Körperteil, sondern die Mitte einer Person, den Sitz seines Willens und seines Verstandes bezeichnet. Wir könnten sagen: Das Gewissen. „Hörendes Herz“ bezeichnet ein Gewissen, das weiß, zuzuhören, dass für die Stimme der Wahrheit empfänglich ist, und deshalb fähig ist, Gut von Böse zu unterscheiden. Im Fall Salomos ist die Bitte von der Verantwortung motiviert, ein Volk zu führen, Israel, das Volk Gottes, das Gott auserwählt hat, um der Welt seinen Heilsplan zu zeigen. Der König von Israel muss daher danach streben, immer im Einklang mit Gott zu sein, sein Wort zu hören, um das Volk auf den Wegen des Herrn zu führen, dem Weg der Gerechtigkeit und des Friedens. Aber das Beispiel Salomos gilt jedem Menschen. Jeder von uns hat ein Gewissen, um in einem gewissen Sinn „König“ zu sein; d.h. um die große menschliche Würde auszuüben, nach dem redlichen Gewissen zu handeln, Gutes zu tun und Böses zu vermeiden. Das Gewissen fordert die Fähigkeit, auf die Stimme der Wahrheit hören, seinen Anweisungen gehorsam zu sein. Die Menschen, die Regierungsaufgaben wahrnehmen, haben natürlich eine größere Verantwortung, und bedürfen daher – wie es Salomo lehrt – noch mehr der Hilfe Gottes, aber jeder hat seinen Teil zu tun, in der konkreten Situation, in der er sich befindet. Eine falsche Denkweise suggeriert uns, von Gott bevorzugende Taten oder Zustände zu verlangen; in Wirklichkeit hängt die wahre Qualität unseres Lebens und des gemeinsamen Lebens vom redlichen Gewissen eines jeden ab, von der Fähigkeit eines jeden, das Gute zu erkennen, es vom Bösen zu trennen, und geduldig zu versuchen, es umzusetzen.

Diese Stelle steht in geradezu grausamen Kontrast zum Verbrechen in Norwegen, wo ein Mensch einen ganz anderen Weg als eingeschlagen hat, den Weg des Hasses, wie es Papst Benedikt XVI. indirekt nennt. Es ist wohl notwendiger denn je, sich die Bitte Salomos zu eigen zu machen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s