Der fallende Whiskey-Preis in Teheran und andere Nahost-Einsichten


Edward Nicolae Luttwak ist ein Spion, Historiker, Außenpolitikberater, Ökonom, Polyglott, und noch mehr. Im Tablet Magazin gibt es ein interessanteres Interview mit Luttwak, in dem es vor allem um den Nahen Osten und die Rolle der USA darin geht.

So meint er über den Griff des iranischen Regimes auf das Volk:

Es gibt ein gutes Maß der Kontrolle der Gesellschaft im Iran, und dass ist der Preis echten importierten schottischen Whiskeys in Teheran, weil es a) verboten ist, und b) praktisch gesehen aus Dubai geschmuggelt werden muss, und der einzige Weg, wie der Whiskey nach Dubai kommen kann, ist in Kooperation mit den Revolutionsgarden. Der Preis des Whiskey ist seit Jahren im Sinken, und Sie können auf eine Party in Nord-Teheran gehen und werden jede Menge Whiskey bekommen. Und er ist nur ein wenig teurer als in Nordwest-Washington.

Wenn ich ihn richtig verstehe, führt die Selbst-Identifikation des Regimes mit einer relativ strikten Auslegung des schiitischen Islam, gepaart mit wirtschaftlicher Stagnation und gesellschaftlicher Repression, für Luttwak dazu, dass die Bürger des Iran selbst immer „post-islamischer“ werden, weil sie sich vom Regime abwenden.

Über Israel:

Der allerinnerste Kreis der israelischen Sicherheit liegt sogar innerhalb der Grenzen von 1967. Und dort leben fast 1,5 Millionen Araber, einige davon Christen, einige Moslems. Die jetzige Situation hilft, ihre Loyalität zum israelischen Staat zu festigen. Wenn Sie sie fragen: „Sind Sie loyal zum Staat Israel?“, werden sie sagen: „Oh nein, wir hassen sie alle.“ Sind sie in Terroranschläge verwickelt? Die Antwort ist, dass von den 1,5 Millionen alle, die in Terroranschläge verwickelt sind oder in irgendein einfaches Verbrecherwesen, in meinem Haus schlafen könnten. Oder wenn nicht, könnten sie in einem Motel schlafen.

Luttwak ist ein scharfer Denker, und in seiner Tour d’horizon streift er die Ermordung Osama bin Ladens, warum Ägypten politisch islamisch bleiben wird, wieviele Leute man braucht, um alle Bars zu schließen, und warum ein Regime á la Putin das Ende einer effizienten Verwaltung bedeutet. Manches kann ich nicht nachvollziehen, manches ist wohl provokant gemeint, aber vieles regt zum Nachdenken an.

Vom gleichen Autor erschien 2007 zum Nahen Osten ein Artikel in „Cicero“, in dem er u.a. meinte:

Man sollte die Menschen im Nahen Osten weder angreifen, noch sollte man ihnen freundlich entgegenkommen – man sollte ihnen endlich erlauben, ihre eigene Geschichte zu haben. Das ist es, was Nahostexperten jedweder Couleur ihnen anscheinend unbedingt vorenthalten wollen.

Das bringt uns zu dem Fehler, den wir alle machen. Wir widmen dem Nahen Osten – einer Region, die sich weitgehend im Stillstand befindet, und aus der beinahe keine wissenschaftlichen oder künstlerischen Impulse kommen – viel zu viel Aufmerksamkeit.

Dieser Absatz steht natürlich in einem langen Artikel, in dem Luttwak dem Nahen Osten selbst viel Aufmerksamkeit zukommen lässt. Ebenfalls ein provokanter Text, und auch nach der großen arabischen Revolte 2011 immer noch lesbar und interessant.

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