Eurozone: Es ist ein Loch im Eimer


Der Titel dieses Blogeintrags ist einfach von Paul Krugman abgekupfert, der für einen Artikel über die Krise der Eurozone genau dieses Lied bemüht, in dem einer zuerst beklagt, dass im Kübel zum Wasserschöpfen ein Loch ist, und der andere Ratschlag um Ratschlag zu geben, wie man den Kübel reparieren könnte, bis am Schluss rauskommt, dass eben Wasser brauche – aber im Kübel ist doch ein Loch drin …

Wie kommt er zu dem Vergleich? Für den ausgebauten Rettungsschirm, der durch seine bloße Existenz einen Vertrauensverlust (und damit einhergehend eine Zinsspirale und die Gefahr eines Staatsbankrotts) in die langfristige Zahlungsfähigkeit von Italien, Spanien etc. verhindern soll, müssen die verbliebenen Länder Mittel solcher Höhe stemmen, daß zumindest einige davon selbst wieder vom Rettungsschirm aufgefangen werden müssten.

Wer Krugmans oft durch die parteipolitische Brille gefärbte Meinungen zur Krise der Eurozone über die Monate verfolgt hat, wird es allerdings bemerkenswert finden, dass er nun die EZB in die Verantwortung nimmt: Sie müsste durch die Duldung oder sogar Schaffung etwas höherer Inflation die notwendigen Preis- und Lohnanpassungen in den bedrohten Peripherieländern erleichtern. Und er fordert, dass die EZB Staatsschulden finanziert – ein Vorschlag mit meiner Meinung nach gefährlichen Konsequenzen. Weniger wegen momentaner Preisschübe, sondern wegen der nachhaltigen Veränderung der politischen Rechnung bei Staatsverschuldung. Trotzdem trifft er den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt:

The broader problem, however, is that the whole euro system was designed to fight the last economic war. It’s a Maginot Line built to prevent a replay of the 1970s, which is worse than useless when the real danger is a replay of the 1930s.

Damit befindet er sich in der Gesellschaft Scott Sumners, mit dem Krugman selten einer Meinung ist. Der hatte Anfang Oktober in einem Blogpost die kontraktive Geldpolitik der EZB scharf kritisiert, insbesondere die Zinswende im April 2011, die zu einem dramatischen Verfall der impliziten Inflationserwartungen geführt hat. Sein Verdikt:

They are engaged in monetary tightening by any reasonable definition. And this monetary tightening is reducing inflation expectations and increasing the likelihood of recession. There really should be even more outrage than there is. We are not talking about a conservative, hide-bound institution that is too cautious to take the bold action needed (as many assume), we are talking about a rogue elephant that is actively and aggressively driving Europe into recession. That’s an outrage.

Wir reden hier natürlich über die ganze Eurozone. Die im Vergleich zu anderen Euroländern hohe Inflation in Österreich hat mit der EZB und einer Stimulierung der Nachfrage wenig zu tun, und dafür viel mit der heimischen Politik. Diese hausgemachte Inflation stiftet allerdings keinen wirtschaftlichen Nutzen, höchstens budgetären.

Ein Gedanke zu “Eurozone: Es ist ein Loch im Eimer

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