Bereitet Euch, um den Menschen zu sehen, der Gott ist


Der dritte Adventsonntag ist schon der Sonntag der Vorfreude: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe!“ So lautet der Eröffnungsvers im Messbuch, ein Zitat aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper – und er passt gut zum Evangelium, in dem von Johannes dem Täufer die Rede ist, der ebenfalls verkündet, daß der Herr nahe sei. Freilich sagt er: Kehrt um und tut Buße. Letzten Sonntag brachte ich ein Zitat des Beda Venerabilis, das diese Gedanken zusammengefügt hat: „Was aber ist eine bessere Nachricht als: tuet Buße, denn das Himmelreich wird sich nähern.“ Die innere Umkehr bereitet Freude, wie wenn man sich verlaufen hat und nun endlich den richtigen Weg eingeschlagen hat.

Diesmal habe ich eine Passage aus einer Predigt des englischen Mönchs und Gelehrten Beda Venerabilis übersetzt, in der er den Anfang des Johannesevangeliums auslegt. Da diesen Sonntag als Evangelienstelle die Verse 6-8 und 19-28 des ersten Kapitels aus Johannes vorgesehen sind, habe ich mir einige Absätze herausgesucht, in denen die Verse 6-9 behandelt werden. Die Bibelverse sind ebenfalls nach Bedas Text übersetzt, um so den Zusammenhang zwischen Predigt und Bibelversen besser darzustellen.

Gesandt ist vor jenem [Christus] ein Mensch großer Verdienste, dessen Zeugnis alle vorbereiten sollte, um bald, wie sich zeigen würde, Gottes Weisheit selbst zu hören, um die Sonne der Gerechtigkeit selbst zu sehen, schon bedeckt durch die Wolke des Leibes; das ist, um den Menschen zu sehen und zu hören, der Gott sei, voll der Gnade und der Wahrheit.

Joh 1,6-7 Es war, sagte er,  ein Mensch gesandt von Gott, der den Namen Johannes hatte. Dieser kam zum Zeugnis, damit er das Zeugnis erweise vom Licht, damit alle durch jenen glaubten.

Er behauptete nicht, damit alle in jenen glaubten; denn verflucht der Mensch, der in einen Menschen glaubt und das Fleisch zu seine Armen macht [Jer 17,5; EÜ: „auf schwaches Fleisch sich stützt“]; sondern damit alle glaubten durch jenen, das heißt, damit sie durch sein Zeugnis glaubten an das Licht, das sie aber noch nicht zu sehen wußten, den Herrn, nämlich Jesus Christus, der von sich selbst bezeugt: Ich bin das Licht der Welt; wer mir folgt, wandelt nicht in der Finsternis, sondern wird im Licht des Lebens wohnen. [Joh 8,12]

Joh 1,8-9 Es folgt: Nicht war jener das Licht, sondern [jener war,] damit er das Zeugnis über das Licht erweise. Es war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt.

Und die heiligen Menschen werden zurecht als das Licht gerufen, weil der Herr zu ihnen sagt: Ihr seid das Licht der Welt [Mt 5,14]; und der Apostel Paulus: einst wart ihr in der Finsternis, nun aber im Licht des Herrn. [Eph 5,8] Aber vieles unterscheidet zwischen dem Licht, das erleuchtet wird, und dem Licht, das erleuchtet, zwischen diesen, die die Teilhabe am wahren Licht erhalten, damit sie leuchten, und dem ewigen Licht selbst, das nicht nur genügt, um in sich selbst zu leuchten, sondern auch, um durch seine Gegenwart, wen immer es berührt,  zu erleuchten.  Zum Vergleich dieses wahren Lichtes wurde nicht bloß beliebig herausgewählten geringeren, indessen sogar Johannes selbst, dem niemand größerer unter von Frauen geborenen heranwuchs,  bestätigt, nicht das Licht zu sein, damit nämlich gezeigt wird, daß Christus nicht ist, wofür er gehalten wurde. Denn jener, wie geschrieben ist, war eine brennende und leuchtende Lampe [Joh 5,35]; brennend freilich durch den Glauben und durch die Liebe, leuchtend durch das Wort und die Tat. Die Gnade des Lichtes aber in die Herzen einzugießen gehört dem einzigen zu, über den gesagt wird:

Joh 1,9 Er war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt.

Alle nämlich, die erleuchtet werden, sei es durch natürliches Talent oder auch göttliche Weisheit. Denn so wie niemand von sich selbst abstammen kann, so kann auch niemand von sich selbst  weise sein, sondern er wird durch jenen erleuchtet, über den geschrieben ist: Alle Weisheit ist von Gott, dem Herrn. [Sir 1,1]

Für den vierten Adventsonntag werde ich dann ein Stück aus dem Lukaskommentar des Beda Venerabilis übersetzen. Wie immer bin ich für Anregungen und Fehlerhinweise dankbar.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Bereitet Euch, um den Menschen zu sehen, der Gott ist

  1. Pingback: Frohbotschaft statt Drohbotschaft … « Aus dem Hollerbusch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s