Beda Venerabilis: Weihnachten und die Sonnenwende


Mit dem vierten Adventsonntag erreicht meine Reihe von Übersetzungen aus dem Werk des angelsächsischen Mönchs und Gelehrten Beda Venerabilis († 735) nach seinem Kommentar zum Markusevangelium und einer Predigt nun seinen Kommentar zum Lukasevangelium. Wie immer freue ich mich über Hinweise, um die Übersetzung zu berichtigen.

Lk 1,26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa gesandt mit dem Namen Nazareth.

Deshalb werden die Engel mit persönlichen Namen ausgezeichnet, damit durch die Bezeichnungen schon im Wirken gezeigt werde, was sie vermögen. Denn weder wurden ihnen in jener heiligen Stadt, die alles Wissen von der Erscheinung des allmächtigen Gottes her vollendet, deshalb eigene Namen zugelost, noch konnten die Personen jene ohne Namen nicht verstehen. Sondern, nachdem sie zu uns kamen um etwas auszuführen, tragen sie bei uns auch die Namen von den Aufgaben.

Zu Maria, der Jungfrau, wird also Gabriel gesandt, der Stärke Gottes genannt wird. Jener kam freilich, um zu berichten, wer würdig ist, demütig zu erscheinen, die Gewalten der Lüfte niederzuringen. Über diesen wird durch den Psalmisten gesagt: Der Herr ist stark und mächtig, der Herr ist mächtig im Kampf (Ps 24,8). Und wieder, der Herr der Mächte ist der König der Ehre (Ps 24,10). Durch die Stärke Gottes also war es anzukündigen, wer als der Herr der Mächte und Starke im Streit gegen die Gewalten der Lüfte zum Kampf kam.

Im sechsten Monat aber – verstehe den März – [wurde er verkündet,] an dessen fünfundzwanzigsten Tag unser Herr sowohl empfangen als auch gelitten haben soll, sowie auch am fünfundzwanzigsten Tag des Monats Dezember geboren. Insofern wir glauben, dass sowohl dies an diesem Tag (wie einige annehmen) zur Frühlings-Tagundnachtgleiche als auch jenem zur Wintersonnenwende geschah, stimmt es jedenfalls zusammen, dass er mit dem Zuwachs des Lichtes empfangen oder geboren wurde, dieser, der jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt (Joh 1,9).

Jedoch wenn jemand darlegen möchte, dass vor der Zeit der Geburt des Herrn oder des Empfangs des Herrn sowohl das Licht wuchs als auch die Finsternis anstieg, sagen auch wir wie auch Johannes damals im Angesicht seiner Ankunft das Himmelreich verkündete, und nun auch den Predigern befohlen wird: Macht ihm den Weg, der aufsteigt über den [Sonnen-]Untergang. (Ps 68,5) Warum aber Johannes um die Herbst-Tagundnachtgleiche empfangen wurde, um die Sommersonnenwende geboren sei, lehrt er selbst, der entweder aus sich oder aus dem Alten Testament (wie viele bestätigen) als Mensch erzählt: Es ist nötig, dass jener wächst, ich aber kleiner werde (Joh 3,30).

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