Die US-Notenbank steigt aufs Gas


Die US-Notenbank hat sich mehr Transparenz verordnet. Eines der Zeichen davon ist die Offenheit des Statements der letzten Sitzung des entscheidenden Federal Open Market Committee, und ebenso Ben Bernankes Reaktionen bei der folgenden Pressekonferenz.

Anders als die EZB hat die US-Notenbank einen zweifachen Auftrag, nämlich sowohl Beschäftigung als auch Preisstabilität. Angesichts einer moderaten Inflation, aber hoher Arbeitslosigkeit in den USA will die Fed 2012 bis 2014 die Zinsen niedrig halten und die Geldmenge ausweiten. Das ist eine umfassende Ansage, bindet sie doch die Notenbank für die nächsten zweieinhalb Jahre. Gleichzeitig will sie die Inflation langfristig bei zwei Prozent halten, bei langsam, aber stetig fallender Arbeitslosigkeit.

Natürlich warnen nicht wenige vor der großen Inflationswelle, wenn, wie es den Medien so schön heißt, die Druckerpresse angeworfen wird. Doch in dieser Zeit der Unsicherheit haben wir ein anderes Problem: Ein dysfunktionales Finanzsystem, das – überspitzt formuliert –nicht mehr als Transmissionsriemen der Geldpolitik funktioniert. In den USA ist der Effekt bei weitem nicht so ausgeprägt wie in Europa, weil die USA ihre Bankenkrise besser überstanden und gelöst haben. Viele Finanzinstitutionen horten momentan Geld, um auch in Krisenfällen liquide zu bleiben, und weil niemand weiß, wer als nächster in Schwierigkeiten geraten wird, macht man am liebsten mit niemandem Geschäfte. Kurz: Die Risikoaversion ist enorm gestiegen, und der Geldkreislauf gestört.

Wenn man zu Illustrationszwecken die Quantitätsgleichung des Geldes bemüht, ist (Geldmenge * Umlaufgeschwindigkeit) also gesunken, und der Konterpart, (Preis * Menge), sinkt entsprechend. Die Preise und Löhne sind kurzfristig starr; daher ist es die Menge, die auf die sinkende nominelle Nachfrage zuerst reagiert. Die folgende mühsame, langwierige und kaskadenartige Anpassung der relativen Preise und Löhne führt zu weiteren Verwerfungen. Hier kann die Notenbank nun gegensteuern, so daß die nominelle Nachfrage wieder steigt. Damit können zwar strukturelle Probleme nicht gelöst werden, wohl aber die nötigen Anpassungen leichter vollbracht werden.

Damit die Politikänderung der Notenbank aber rasch und richtig dosiert wirkt, muß sie gut und glaubwürdig kommuniziert werden – und dazu trägt die neue Transparenz der Federal Reserve unter Ben Bernanke sicher bei.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s