Hildegard Burjan


Seligsprechung von Hildegard Burjan: Blick auf den Altar des Stephansdoms, © Kathbild.at/Rupprecht

Seligsprechung von Hildegard Burjan, © Kathbild.at/Rupprecht

Es ist manchmal erschütternd, wie wenig sich über die Zeiten ändert, und es ist manchmal wunderbar, wie wenig sich über die Zeiten ändert. Im Falle Hildegard Burjans trifft beides zu. Sie lebte in einer Zeit, in der die sogenannten Intellektuellen vom christlichen Glauben wenig hielten, und sich stattdessen selbstgestrickten Heilslehren hingaben. Sie lebte in einer Zeit des Umbruchs, in der viele die Situation für ausweglos hielten, und in ihrer Verzweiflung noch auswegloser machten. Sie aber war einer der Menschen, die sich nicht von den Unwägbarkeiten des Lebens erschüttern ließ. Auf ihrer Suche war ihr Gott begegnet, eine Begegnung, die ihr Leben wandelte und sie Vertrauen schöpfen ließ. Und aus diesem Vertrauen gewann sie die Zuversicht und Kraft, sich für den Glauben und für ihre Nächsten einzusetzen. Und das ist das Wunderbare: Daß es solche Begegnungen immer wieder gibt, und immer wieder Menschen wie Hildegard Burjan Leuchttürme des Glaubens, der Liebe und Hoffnung werden.

Nun wurde Hildegard Burjan also offiziell seliggesprochen; der Kurienkardinal Angelo Amato verlas dazu im Wiener Stephansdom als Präfekt der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse das Seligsprechungsdekret. Doch in seinem Angelusgebet ging auch Papst Benedikt XVI. auf Hildegard Burjan ein, wie Radio Vatikan berichtet:

[… Hildegard Burjan]  sagte: „Ich weiß sicher, daß es nur ein wahres Glück gibt, und das ist die Liebe Gottes! Alles andere kann erfreuen, aber Wert hat es nur, wenn es aus dieser Liebe stammt, in ihr begründet ist.“ Aus dieser Liebe hat sie gelebt. Und als Gründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis hat sie Frauen um sich geschart, die bis heute Quelle dieser Liebe sein wollen, um den notleidenden Menschen Trost und Hilfe zukommen zu lassen. Nach dem Beispiel von Hildegard Burjan laßt auch uns Boten der helfenden Liebe Gottes sein. […]

Die 1883 in Görlitz in der Lausitz geborene Hildegard stammte aus der säkularen, jüdischen Familie Freund. 1907 heiratete sie den ungarischen Unternehmer Alexander Burjan.  1908 litt sie  einer schweren Erkrankung, die zu zahlreichen Operationen und starken Schmerzen führte. Sieben Monate verbrachte sie in einem Berliner Krankenhaus. Unverhofft wurde sie am Ostermorgen 1909 gesund, und ausgerechnet im nicht gerade katholischen Berlin findet sie in die Kirche und wir im August 1909 getauft. Durch und durch getauft: Ihr ganzes Leben hatte eine dramatische Wende erfahren. Sie übersiedelt dann nach Wien, wo sie ihre Tochter Lisa zur Welt bringt, obwohl ihr die Ärzte wegen ihrer vorigen Erkrankung zur Abtreibung ihrer Tochter geraten hatten. Sie engagierte sich immer intensiver für soziale und spirituelle Anliegen, gründete 1912 den Verein christlicher Heimarbeiterinnen, um das Los dieser Berufsgruppe zu verbessern, und versucht im Weltkrieg, durch persönlichen Einsatz Not zu lindern.

1917 freundet sie sich mit Prälat Dr. Ignaz Seipel an, der auch Österreichs erster Sozialminister war, und wird 1918 Stellvertreterin des Obmanns der Wiener Christlichsozialen, Leopold Kunschak, und wirkt 1919/20 als Abgeordnete in der Nationalversammlung, weswegen sie auch die erste seliggesprochene Parlamentarierin ist. Sie zieht sich aber aus der direkten Politik zurück, auch wenn sie weiter Politikern beratend zu Seite steht, so Ignaz Seipel, der mehrmals als Bundeskanzler Österreich durch wirtschaftlich und gesellschaftliche schwierige Zeiten zu steuern versucht. 1919 gründet sie die Caritas Socialis, der sie als erste Generalleiterin vorsteht. Sie stirbt 1933, gerade 50, in Wien.

Es paßt einfach zum heutigen Evangelium, in dem Jesus einen Menschen von einem unreinen Geist befreit, wie Hildegard Burjan sich selbst bemüht hat, in tiefem Vertrauen auf Gottes Liebe und Barmherzigkeit Menschen zu befreien, und wie sie selbst als Fürsprecherin einer jungen Frau geholfen hat, die medizinisch keine gesunden Kinder bekommen konnte. Sie selbst, die nach der Expertise der Ärzte kein Kind hätte bekommen dürfen, ist zur Fürsprecherin des Lebens geworden.  Wie der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl so treffend vor vielen Jahren dazu sagte:

Ein markantes Zeichen in einer Zeit, wo hunderte Kinder abgetrieben werden, dafür Dutzende im Reagenzglas gezeugt oft in Eisschränken warten müssen, ob sie weiterleben dürfen. Der Lebenseinsatz von Hildegard Burjan, nicht zuletzt auch jene Gebetserhörung, soll zeigen, welche Würde der Mensch, der Ungeborene und Kranke hat, der heute so leichtfertig nach dem Nutzen für die Gesellschaft bemessen und über dessen Eintritt ins Leben oft aus sehr durchsichtigem, egoistischen Kalkül entschieden wird. Hildegard Burjan wurde in ihrer Zuwendung zu den Menschen zu einem Abbild der Liebe Jesu. Wir erwarten uns von ihrer Verehrung als Selige eine Neuentdeckung SEINES für die Menschen geöffneten Herzens in einer oft so herzlosen, wahrhaft unseligen Zeit.

Das Wirken Burjans ist auch heute noch spürbar: Die Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, die von Hildegard Burjan gegründet worden war, ist in Österreich, Deutschland, Ungarn, Südtirol und Brasilien tätig, und arbeitet in der Sterbehospizen ebenso wie in der Erwachsenenbildung, im Kindergarten ebenso wie in der spirirtuellen Begleitung. Einen Überblick über die Arbeit der Caritas Socialis kann man auf ihrer eigens dafür eingerichteten Seite lesen, cs.or.at. Über ihre Gründerin hat die Gemeinschaft einen schönen und informativen Internetauftritt gestaltet, der unter hildegardburjan.at zu finden ist.

Auf katholisch.at gibt es ein Dossier zur neuen Seligen, auf den Seiten der Erzdiözese Wien eine Bilderserie von der Festmesse zur Seligsprechung.

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