Says Theorem und die Krise


Eine der alten Einsichten der Ökonomie, die seit Jahrzehnten missverstanden und diskreditiert wird, ist das „Say’sche Theorem“, benannt nach Jean Baptiste Say, der festhielt, daß langfristig Produktion und Konsum ident sind. Wir produzieren, um zu konsumieren, und jedes Geschäft kann vereinfacht als Warentausch dargestellt werden. Er argumentierte:

L’homme dont l’industrie s’applique á donner de la valeur aux choses en leur créant un usage quelconque, ne peut espérer que cette valeur sera appréciée et payée, que là ou d’autres hommes auront les moyens d’en faire l’aquisition. Ces moyens, en quoi consistent-ils? En d’autres valeuers, d’autres produits, fruits de leur industrie, de leurs capitaux, de leurs terres : d’où il résulte, quoiqu’au premier aperçu cela semble un paradoxe, que c’est la production qui ouvre des débouches aux produits.

Zu deutsch:

Der Mensch, der seinen Fleiß darauf verwendet, Dingen einen Wert zu geben, in dem er irgendeinen Nutzen in ihnen schafft, kann nicht hoffen, daß dieser Wert anerkannt wird und bezahlt, außer dort, wo andere Menschen die Mitteln hätten, um eine Anschaffung davon zu tätigen. Diese Mittel, worin bestehen sie? Aus anderen Werten, aus anderen Produkten, Früchten ihres Fleißes, ihrer Kapitalien, ihrer Länder : Woraus sich ergibt, was dem ersten Anschein nach einem Paradoxon gleicht, daß es die Produktion ist, die die Nachfrage nach Produkten eröffnet.

Diese Erkenntnis ist auch in der heutigen Wirtschaftskrise nicht unwesentlich, wie uns Scott Sumner erinnert:

Either we have the capacity to produce houses, or we don’t. Whether those houses are purchased for cash or with mortgages tells us NOTHING about an economy’s PPF [Production Possibilities Frontier]. It’s impossible for an economy to produce more than it’s owners and workers can afford. (But it certainly can consume more than its citizen’s can afford.)

Die Annahme, die Schuldenkrise wäre dadurch verursacht, daß man langfristig sinkendes Wachstum durch Schulden überdecken wollte, ist in dieser Form inkorrekt. Man könnte schon eher sagen, daß es über Vermögenseffekte zu einem individuellen Überkonsum kam. Genauso ist die Annahme verfehlt, daß die vorhandene Arbeit starr beschränkt wäre, wie es immer wieder in politischen Debatten um das Pensionsantrittsalter durchschimmert. Wenn mehr Leistungen erbracht werden, die anderen auch etwas wert sind, können auch mehr Leistungen nachgefragt werden.

Says Theorem sagt nicht, daß es nicht zu einer Unterproduktion und damit Arbeitslosigkeit kommen kann. Es sagt uns aber, daß nicht mehr produziert wird, als die Produzenten (im weitesten Sinne) nachfragen können. Und so ist die Frage, die uns beschäftigen muß, wie man in Ländern wie Spanien oder Frankreich die Regeln so ändern kann, daß mehr Leistungen produziert werden, die für andere einen Nutzen haben, und so Menschen durch die „Früchte ihres Fleißes“ in die Lage versetzt werden, selbst vermehrt Leistungen nachzufragen und wiederum Arbeitslosigkeit zu reduzieren.

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