So groß, wie du bist, so demütig sei du in allem


Das Fest Maria Lichtmeß wird auch „Reinigung Mariens“ genannt, denn die Evangelienstelle erinnert an die im Buch Levitikus vorgeschriebene Reinigung, oder auch „Darstellung des Herrn“, denn das Evangelium erinnert ebenso daran, daß der erstgeborene Sohn nach den Vorschriften des Buches Levitikus Gott geweiht wird.

Nun nutze ich diese Gelegenheit, um wieder aus einer Predigt des angelsächsischen Mönches und Gelehrten Beda Venerabilis zu zitieren, der seinen Zuhörern einerseits die für das Verständnis des Festes wichtigen Vorschriften des jüdischen Gesetz erklären will, andererseits, wie sich im Festgeheimnis Gottes große Hinwendung zu den Menschen zeigt. So habe ich also den ersten Abschnitt aus der Lichtmeßpredigt des Beda Venerabilis so übersetzt:

„Die Feier des heutigen Festes, das wir am vierzigsten Tag der Geburt des Herrn mit den gebührenden Diensten verehren, bezeichnet die heilige Lesung des Evangeliums als geweiht durch die größte Demut unseres Herrn und Erlösers selbst, und zugleich seiner unversehrten Mutter, und stellt vor, daß diese, die dem Gesetz nichts schulden, sich durch alles den gesetzlichen Verfügungen, die zu erfüllen sind, unterwerfen. So wir wie denn soeben, während das Evangelium gelesen wurde, gehört haben: Nachdem die Tage ihrer (nämlich seiner Mutter) Reinigung erfüllt waren nach dem Gesetz des Mose, trugen sie jenen nach Jerusalem, damit sie diesen dem Herrn hinstellten, so wie es geschrieben ist im Gesetz des Herrn, daß alles Männliche, daß den Mutterschoß öffnet, dem Herrn heilig genannt werden soll. (Lk 2,22-23)

Denn es ordnete das Gesetz an, daß eine Frau, die nach Empfang des Samens einen Sohn geboren hätte, sieben Tage unrein sei, und am achten Tag den Knaben beschneide, und einen Namen gebe: Hierauf enthalte sie sich dreiunddreißig weitere Tage des Besuchs des Tempels und des Bett des Mannes, bis sie am vierzigsten Tag der Geburt den Sohn mit Opfertieren zum Tempel des Herrn hintrage, daß die Erstgeburt aber jedes männlichen Geschlechts dem Herrn heilig genannt werde, und daher alles reine Gott dargebracht werde, unreines aber durch reines verwandelt oder gefällt werde, und jede Erstgeburt des Menschen durch fünf Schekel Silber freigekauft werden müsse.

Wenn aber eine Frau ein Mädchen geboren hätte, ist angeordnet, für vierzehn Tage unrein zu sein, und sechsundsechzig weitere Tage vom Besuch des Tempelns zurückgehalten zu werden, bis dann am achtzigsten Tag der Geburt, der Tag seiner Reinigung genannt wird, jene sich und ihren Nachwuchs mit Opfertieren zu heiligen komme, und so müsse sie endlich zum Ehebett des Mannes als Befreite zurückkehren. (vgl. Lev 12)

Betrachten wir, teuerste Brüder, sorgfältiger das Wort des Gesetzes, das wir vorgetragen haben, und wir werden ganz offen sehen, wie die seligste Mutter Gottes, und ewige Jungfrau Maria, zugleich mit dem Sohn, den sie gebar, von jeder Bestimmung des Gesetzes ganz befreit war. Denn wenn das Gesetz sagt, daß eine Frau, die nach Empfang des Samens geboren hätte, als unrein erkannt wird, und für lange Zeit gemeinsam mit dem Nachwuchs, den sie geboren hatte, durch Hingabe von Opfern sich reinigen müsse, ist in der Tat klar, daß es jene, die ohne Empfang eines männlichen Samens als Jungfrau gebar, zusammen mit dem Sohn, der ihr geboren ist, weder als unrein beschrieb, noch lehren würde, daß sie durch heilsame Opfer zu reinigen sei. Aber so wie unser Herr und Heiland, der das göttliche Gesetz gab, als Mensch erscheinend sich unter das Gesetz begeben wollte, damit er diese, die unter dem Gesetze waren, freikaufe, damit wir die Annahme als Kinder wiedererlangen würden; so entzog sich auch seine selige Gebärerin, die durch einzigartiges Privileg über dem Gesetz war, dennoch als ein sichtbares Beispiel der Demut nicht, sich den gesetzlichen Vorschriften zu unterstellen: gemäß jenes Spruches eines weisen Mannes: Um wie viel du groß bist, um so viel bescheide Du Dich in allem. (Sir 3,20)“

So groß, wie du bist, so demütig sei du in allem, wie Jesus und Maria es uns selbst gezeigt haben.

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