Wenn Chamenei ein Exempel statuiert, müssen Menschen sterben


Alle Proteste und Bitten haben nichts gefruchtet: Die Hinrichtung des iranischen Christen Jusef Nadarchani ist beschlossene Sache, vielleicht ist er sogar schon hingerichtet worden. Ihm wurde Abfall vom Islam vorgeworfen, auf den die Todesstrafe steht; als das weltweite Interesse an dem Fall größer wurde, erfand man flugs ein paar neue Beschuldigungen und erklärte ihn u.a. zum Zuhälter.

Dabei bestritt Nadarchani selbst, jemals praktizierender Moslem gewesen zu sein. Wenn das Regime einmal beschlossen hat, ein Exempel zu statuieren, ist es aber egal, ob die Vorwürfe sachlich zutreffen. Chamenei will ein Zeichen an all die heimlichen oder auch bekennenden Christen setzen, daß sie die nächsten sein könnten. Das ist die eigentliche Botschaft, die Teheran nach innen aussenden will. Und nach außen soll sich einmal mehr manifestieren, daß sich Chamenei und seine Schergen nicht um Reputation und ausländische Meinung sorgen, und daher auch in anderen Konflikten unbeugsam bleiben werden. Nadarachani ist für das Regime im Prinzip nur eine Figur in diesem Spiel, sein Tod nur ein vorteilhafter Spielzug.

Für Nadarchani und seine Familie kann ich mich daher nur der Vorleserin anschließen: „Bitte betet für ihn, für seine Frau Fatemah Pasindedih und ihre beiden Söhne.“

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3 Gedanken zu “Wenn Chamenei ein Exempel statuiert, müssen Menschen sterben

  1. Ich bin einfach nur traurig über diese Entwicklung – und ich frage mich, was hätte ich, was hätten andere Leute mehr machen können? Aufklären, demonstrieren, schreiben, mailen, das kann jeder. Keine Perserteppiche kaufen und nicht Urlaub im Iran machen geht auch spielend. Aber solange die achsomodernen Länder iranisches Öl kaufen, gibt es für die Ayatollahs wenig Grund zum Einlenken. Und darauf haben die meisten Bürger gar keinen Einfluß.

    In Deutschland besteht seit Jahren ein Handelsembargo gegenüber Iran. Das heißt aber nicht, daß die Exportzahlen von Iran nach Deutschland verschwinden, sondern – das sie langsamer steigen als früher. Was soll denn daran noch ernstzunehmen sein?

    • Dieses Gefühl der Machtlosigkeit ist sehr bedrückend. Embargo? Manchesmal sind die Angehörigen der führenden Cliquen über ein (löchriges) Embargo durchaus froh, bieten sie doch Gelegenheit zu lukrativem Schwarzhandel und Schmiergeldern, die man für schwierig zu beschaffende Waren erhält. Und dort, wo man den Iran wirklich träfe – beim Öl – gibt es zu viele Interessenten, die das Öl trotzdem kaufen werden. Indien hat das z.B. erst kürzlich bekräftigt. Proteste? Ja, dann kann man erst so richtig zeigen, daß man sich vom „Westen“ nichts sagen läßt. Aufklären? Wie oft hört man da bei Landsleuten: Warum wird jemand auch im Iran Christ? Es ist zum Aus-der-Haut-fahren.

  2. Pingback: Eine gute Nachricht « Aus dem Hollerbusch

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