Europa als umweltfreundliche Industrieruine?


Die österreichische Voest ist ein Paradebeispiel dafür, daß es grundsätzlich möglich ist, als international erfolgreiches Unternehmen von Österreich aus auch von der Produktionsseite her zu agieren, und seine industriell-technische Führung mit einer ernsthaften Verantwortung für seine Mitarbeiter zu verbinden. Von besonderen Arbeitszeitmodelle, die helfen, ältere Arbeitnehmer länger zu beschäftigten, über Betriebskindergärten bis zu aktiver Gesundheitsvorsorge hat die Voest da eine Reihe herzeigbarer Projekte vorzuweisen. Und das ist auch vernünftig, bringen doch Mitarbeiter, die sich mit einem Unternehmen identifizieren und sich gut behandelt wissen, auch mehr in das Unternehmen ein. Im Geschäft der Voest, das mittlerweile von High-Tech geprägt ist, kann sich das auszahlen.
Und nun schlägt der Wolfgang Eder, Generaldirektor dieses Unternehmens, im „Kurier“-Interview Alarm: Die immer strengere Umweltpolitik und mitunter auch andere Auflagen vertreiben energieintensive Unternehmen, oder beflügeln deren Konkurrenz. Ein Beispiel:

„Allein die Wartung und Instandhaltung unserer Umwelteinrichtungen kostet den Konzern in Österreich 250 Millionen Euro jährlich. Schon hinter der früheren Grenze, in Tschechien, Polen oder der Slowakei, haben wir Konkurrenten, die diese 250 Millionen Euro bisher nicht zahlen müssen. […]
Statt auf Extrempositionen zu verharren, wäre es vernünftiger, die anderen mit einem etwas niedrigeren, aber chancenreicheren Niveau ins Boot zu holen. Wenn die Stahlindustrie aus Europa abwandert, dann werden das in der Folge auch Schlüsselindustrien tun wie Auto, Maschinenbau, Energie. Es wird nicht funktionieren, sich aus China Stahl für europäische Autos zu holen. Das versuche ich auch in Brüssel zu kommunizieren: Es geht nicht nur um 450.000 Arbeitsplätze in der Stahlindustrie, sondern um weitere 25 Millionen in den nachgelagerten Industrien. Wenn die verschwinden, hat Europa ein Riesenproblem. Wohlstand und Sozialstandards würden sinken, soziale Spannungen zunehmen. Man kann nicht ewig betriebswirtschaftliche Grundsätze ignorieren.“

Das Bessere ist oft der Feind des Guten, in dem Sinn, daß man wegen eines ersehnten, aber nicht erreichbaren Besseren das mögliche Gute beiseiteschiebt. Und am Schluß hat man dann das Gute auch nicht erreicht. So kommt es mir momentan in der europäischen Umweltdebatte vor, auch rund um die sogenannten Klimaziele. Die Bedeutung Europas schwindet ohnehin, beschleunigt durch die Schuldenkrise. Wohin wir auch immer vorreiten wollen, wenn wir niemanden dabei mitnehmen, kann es für den Vorreiter böse enden. Was auch irgendwie paßt, denn historisch gesehen war Vorreiter nicht so etwas Erstrebenswertes. Das waren die armen Hunde, die gefährliche Situationen zu erkunden hatten, und dabei mitunter erschlagen wurden.

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