Warum sind hohe Gehälter für Generaldirektoren böse und für Fußballer gut?


Momentan wird allerorten der Ruf nach niedrigeren Gehältern für Spitzenverdiener laut. In Österreich wollte die SPÖ Gehälter für Geschäftsführer zusätzlich versteuern, in dem sie nicht von den Betriebseinnahmen aus Ausgabe abgezogen werden, und so zusätzlich zur Einkommensteuer auf den Gesamtbetrag noch Körperschaftsteuer entfallen würde. In Frankreich fordert François Hollande einen Spitzensteuersatz von 75%. In den USA haben die Demokraten ebenfalls die Besteuerung von Besserverdienenden ins Auge gefaßt. Manche gehen soweit, absolute Begrenzungen für Einkommen zu fordern.

Nun muß natürlich ausdiskutiert werden, welche Steuersätze für angemessen empfunden werden; Einkommensgrenzen sind schon wesentlich problematischer, auch wenn ein sehr hoher Steuersatz dem recht nahe kommt. Doch Kenneth Rogoff fällt dabei etwas auf: Es geht in der Regel immer nur um Menschen, die im Wirtschaftsleben stehen, oder auch um Politiker. Aber nie um Sportler, obwohl deren Spitzenverdiener ausgesprochen hohe Beträge erhalten: Lionel Messi bezieht beispielsweise eine Gage von etwa 30 Millionen Euro, David Beckham erhielt 2011 noch rund 20 Millionen Euro, der US-Basketballer Kobe Bryant etwas mehr. Rogoff dazu an Hand des aufstrebenden Stars Jeremy Lin:

What amazes me is the public’s blasé acceptance of the salaries of sports stars, compared to its low regard for superstars in business and finance. […]

If a star basketball player reacts a split-second faster than his competitors, no one has a problem with his earning more for every game than five factory workers do in a year. But if, say, a financial trader or a corporate executive is paid a fortune for being a shade faster than competitors, the public suspects that he or she is undeserving or, worse, a thief.

Das gilt nicht nur für Sportler, sondern auch im Kunstbetrieb. Die Entwicklung zu wenigen Spitzenstars, die den Hauptteil der verfügbaren Kunstausgaben der privaten und auch öffentlichen Stellen erhalten, wird kaum hinterfragt. Und eine Popgruppe wie U2, die ihre Gewinne aus dem an und für sich niedrig besteuernden Irland in andere Länder verschleust, um sich selbst die niedrige irische Steuer zu sparen, kann sich ohne weiteres als Anwalt der Armen und Entrechteten gerieren. Und sie erhalten dafür eine mediale Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit, die man keinem Industriellen oder Banker schenken würde, mag er auch noch so philanthropisch sein. Eine interessante Doppelbödigkeit.

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