In der politischen Facebook-Feedback-Schleife


Eine Kritik an den modernen sozialen Netzwerken im Internet besteht darin, daß sie das Schmoren im eigenen Saft fördern: Man trifft virtuell einen Haufen Leute mit den gleichen Interessen und Ansichten, die sich in einer gegenseitigen Feedback-Schleife verstärken, und verlernt das Umgehen mit und Eingehen auf andere. Das ist ein Grund, warum ich z.B. bewußt die Kommentarseiten des „Guardian“ abonniert habe, deren Inhalt bei mir regelmäßig Kopfschütteln auslöst – aber, so hoffe ich, zumindest mein Verständnis für die Argumente und die Weltsicht aus dieser Ecke etwas verbessert. Aber wenn ich so durch meine Kontakte schaue, ist die Gefahr der selbstbestätigenden Schleife auch bei mir ganz schön groß.

Nun hat das Pew Internet & American Life Project für die USA eine Studie über die Nutzung sozialer Netzwerke nach politischer Ausrichtung veröffentlicht. Dabei wurden insgesamt 2.253 Personen befragt, von denen sich 1.729 als Internet-affin deklariert haben.
Die politische Landschaft der USA ist nicht ganz mit unserer zu vergleichen, aber einige Ergebnisse sind doch interessant. Selbstdefinierte „Linke“ nutzen in den USA das Internet und auch soziale Netzwerke intensiver als Personen, die sich für „gemäßigt“ halten oder solche, die sich selbst als „konservativ“ bezeichnen. Der Eindruck täuscht also nicht, daß online gewisse politische Ansichten überrepräsentiert sind.

Interessanterweise müssen Demokraten öfter durch Postings auf Facebook etc. entdecken, daß ihre Freunde politisch anders ticken als sie gedacht haben, als Republikaner, was sich damit deckt, daß zwar „sehr Konservative“, „sehr Linke“ und „Linke“ diese Erfahrung oft machen, „Konservative“ und „Gemäßigte“ aber wesentlich seltener. Ich nehme an, daß hängt mit dem Tunnelblick der Ideologen zusammen, die sich gar nicht vorstellen können, daß jemand anders denkt als sie selbst.

16% der „Linken“ haben angegeben, daß sie jemanden aus ihrem Netzwerk entfernt, versteckt oder blockiert haben, weil er andere Ansichten als sie selbst gepostet hat, 14%, weil jemand zu oft über Politik geschrieben hat, 11%, weil er dem Befragten widersprochen hat, 11%, weil er mit jemanden über politische Themen kontroversiell diskutiert hat und 8%, weil er etwas gepostet hat, daß nach Meinung des Befragten beleidigend sein könnte. Die gleichen Werte sind für die „Konservativen“ immer signifikant niedriger (8% – 9% – 4% – 7% – 5%), die anscheinend eher gewohnt sind, mit Kritikern zu leben, am niedrigsten aber immer für „Moderate“. Sie nennen sich offensichtlich zu recht gemäßigt, weil sie nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen sind.

Das Schmoren im eigenen Saft scheint im übrigen zuzutreffen: Gerade die besonders Überzeugten geben an, sehr oft mit den politischen Meinungen ihrer Freunde auf sozialen Netzwerken übereinzustimmen, während das Bild für die politische Mitte wesentlich differenzierter ist.

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