Der Fürst der Welt wird ausgestoßen


Mit großen Schritten nähern sich die Karwoche und die Ereignisse Tridui Sacri, die auch schon in den Lesungen und Gebeten des 5. Fastensonntags kräftig hervorleuchten, in denen vom Neuen Bund Gottes die Rede ist, vom Sohn, der das Leiden gehorsam auf sich nimmt und, wenn er über die Erde erhöht ist, alles zu sich ziehen wird, wie es im Johannes-Evangelium heißt.

In Kapitel 20, Vers 31-32 des Johannes-Evangeliums spricht Jesus vom Gericht:

νῦν κρίσις ἐστὶν τοῦ κόσμου τούτου,
νῦν ὁ ἄρχων τοῦ κόσμου τούτου ἐκβληθήσεται ἔξω·
κἀγὼ ἐὰν ὑψωθῶ ἐκ τῆς γῆς,
πάντας ἑλκύσω πρὸς ἐμαυτόν.

Jetzt ist das Gericht [auch: die Scheidung oder das Urteil] dieser Welt,
jetzt wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen aus ihr;
und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin,
ziehe alle zu mir selbst.

Augustinus hat sich Gedanken dazu gemacht, was dieses Gericht bedeuten mag, die er in seinem „Tractatus in Ioannis Evangelium“ festgehalten hat, der dank der Bibliothek der Kirchenväter auch auf Deutsch zugänglich ist:

Betrachte jetzt noch, was er weiter sagt: Als ob wir fragten, was es heiße: „Jetzt ist das Gericht der Welt“, hat er es gleich darauf auseinander gesetzt. Er sagt nämlich: „Jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden. Da hören wir, welches Gericht er genannt hat: Also nicht das Gericht, das am Ende stattfinden wird, wo die Lebendigen und die Toten gerichtet werden sollen, indem die einen zur Rechten, die andern zur Linken abgesondert werden, sondern das Gericht, durch welcher „der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden wird“. Wie nun war er drinnen, und wohin meinte er, daß er hinausgeworfen werden soll? Denn war er etwa in der Welt und ist er aus der Welt hinausgeworfen worden? Wenn er nämlich von jenem Gerichte reden würde, das am Ende stattfinden wird, könnte jemand an das ewige Feuer denken, in das der Teufel mit seinen Engeln gestürzt werden soll und mit allen, welche auf seiner Seite sind, nicht von Natur, sondern durch eigene Verschuldung, nicht weil er sie erschuf oder erzeugte, sondern weil er sie verführte und festhielt; es könnte also jemand meinen, jenes Feuer sei außerhalb der Welt und in diesem Sinne heiße es: „er wird hinausgeworfen werden“. Da er jedoch sagt: „Jetzt ist das Gericht der Welt“, und seine Worte erklärend bemerkt: „Jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden“, so ist darunter etwas zu verstehen, was jetzt geschieht, nicht was erst lange später geschehen wird am jüngsten Tage. Der Herr sagte also voraus, was er wußte, daß nämlich nach seinem Leiden und seiner Verherrlichung auf der ganzen Erde viele Völker glauben würden, in deren Herzen der Teufel war, der, wenn sie ihm durch den Glauben widersagen, hinausgeworfen wird.

Die Sprache Augustinus’ – und erst recht die angestaubte Übersetzung – sind uns vielleicht nicht ganz vertraut. Doch der Gedanke dahinter ist sehr österlich. Durch den Tod Jesu, den scheinbaren Sieg des Fürsten der Welt, wird eben dieser, der Ankläger unserer Brüder, aus der Welt verbannt, wie man den griechischen Text auch übersetzen kann, und Jesus zum Ziel aller Menschen guten Willens, die er zu sich hinaufzieht.

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