Gedanken zu den Morden in Oakland


Als es um die Morde in Toulouse ging, habe ich vom Einordnen des Nicht-Einordenbaren geschrieben. Zuschreibungen waren ja damals je nach politischer Einstellung schnell gefunden, die beim Rationalisieren helfen konnten. Mit den Morden im kalifornischen Oakland ist es anders. Ein ehemaliger Mitstudent, am zweiten Bildungsweg gescheitert, beendet das Leben seiner früheren Kollegen, plant kaltblütig ihre Ermordung für … ja, wofür eigentlich?

Welch ein Solipsimus, welche Ichbezogenheit muß in jemandem herrschen, für den der Wert des Lebens anderer, der Verlust und die Trauer, die er schafft, höchstens so viel wie seine abgebrochene Ausbildung wert sind? Und gleichzeitig auch: Welche Verzweiflung, Einsamkeit und Leere herrscht in so jemandem?

Die Untat am an der christlichen Oikos-CollegeUniversity in Oakland ist leider nicht allein. In den USA, aber auch in Europa gab es in den letzten Jahren Angriffe von Schülern oder Studenten auf ihre Kollegen und das Lehrpersonal, und jedesmal rief die Berichterstattung Trittbrettfahrer und Nachahmungstäter auf den Plan. Solche Taten sind allgemein schwer zu verhindern; im Einzelfall fällt jedem dazu etwas ein, doch selten ein Vorschlag, der zum allgemeinen Gesetz taugt. Daher will ich mich damit auch nicht lange aufhalten.

Was aber bei solchen Verbrechen offensichtlich wird, sind die Prioritäten vieler Menschen. Wozu man Lippen- oder Tastenbekenntnisse abgibt, muß man ja nicht wirklich glauben. Die Taten sprechen lauter als alles Reden über gegenseitigen Respekt. Und sie machen mir angst, weil auf einen, der sein Verbrechen ausführt, Dutzende kommen, die davon zumindest träumen.

Eines fällt mir dabei noch auf: Oft wird heute eben von Respekt gesprochen, auch von der Menschenwürde. Die Täter sehen sich oft gerade in ihrer Würde verletzt, beklagen wehleidig den mangelnden Respekt, der ihnen entgegengebracht wurde; sie halten sich oft für die eigentlichen Opfer. Das Lebensrecht, die Nächstenliebe, die Eigenverantwortung werden dagegen ausgeblendet. Wir sollten öfter von ihnen reden.

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