Emmaus: Wir aber hatten gehofft …


Jacopo Pontormo: Abendmahl in Emmaus (1525)

Jacopo Pontormo: Abendmahl in Emmaus (1525)

Zum heutigen Evangelium darf ich Papst Benedikt XVI. zitieren, der beim Regina Caeli am 6. April 2008 darüber gesprochen hat:

Die Ortschaft Emmaus ist nicht mit Sicherheit identifiziert worden. Es gibt verschiedene Hypothesen, und das hat gewiß seinen Reiz, denn es läßt uns denken, daß Emmaus in Wirklichkeit für jeden Ort steht: die Straße, die dorthin führt, ist der Weg eines jeden Christen, ja eines jeden Menschen. Auf unseren Wegen wird der auferstandene Jesus zum Weggefährten, um in unseren Herzen die Wärme des Glaubens und der Hoffnung zu entfachen und das Brot des ewigen Lebens zu brechen. Im Gespräch der Jünger mit dem unbekannten Wegbegleiter beeindruckt das Wort, das der Evangelist Lukas einem von ihnen in den Mund legt: „Wir aber hatten gehofft…“ (24,21). Dieses Wort in der Vergangenheitsform sagt alles: Wir haben geglaubt, wir sind nachgefolgt, wir haben gehofft…, aber nun ist alles vorbei. Auch Jesus von Nazaret, der sich in Werken und Worten als mächtiger Prophet erwiesen hatte, ist gescheitert, und wir sind enttäuscht worden. Diese dramatische Situation der Emmausjünger spiegelt die Situation vieler Christen der heutigen Zeit wider: die Hoffnung des Glaubens scheint gescheitert zu sein. Der Glaube selbst gerät in eine Krise aufgrund der negativen Erfahrungen, in denen wir uns auch vom Herrn verlassen fühlen.

Aber dieser Weg nach Emmaus, auf dem wir unterwegs sind, kann so zum Weg einer Läuterung und Reifung unseres Glaubens an Gott werden: Auch heute können wir ein Gespräch mit Jesus beginnen, indem wir auf sein Wort hören. Auch heute bricht er für uns das Brot und schenkt uns sich selbst als unser Brot. Und so schenkt uns die Begegnung mit dem auferstandenen Christus, die auch heute möglich ist, einen tieferen und authentischeren Glauben, der sozusagen im Feuer des Osterereignisses gehärtet wird; einen starken Glauben, da er sich nicht von menschlichen Ideen nährt, sondern vom Wort Gottes und von seiner wirklichen Gegenwart in der Eucharistie.

Mutlosigkeit, Verzagtheit – wer kennt das nicht? Und dem deutschsprachigen Christen sind diese Gefühle auch von der kirchlichen Arbeit her gut vertraut. Vielleicht schaffen wir es in der Osterzeit, offen für unser eigenes Emmaus-Erlebnis zu sein, in dem wir die Gegenwart Christi erkennen und unser Herz so von Christus füllen lassen, daß wir voll Freude seine Botschaft, seine Liebe weitertragen.

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