Rick Santorum gibt auf, und kommt vielleicht zurück


Gemeinsam gab es für die drei republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rick Santorum, Newt Gingrich und Ron Paul eine Chance, eine Mitt-Romney-Mehrheit der Delegierten für den Nominierungsparteitag zu verhindern. Nun ist der erfolgreiche der drei Kandidaten, Rick Santorum, ausgestiegen.

Seine Entscheidung ist nachvollziehbar:

  1. Das republikanische Beltway-Establishment schart sich seit langem um Mitt Romney, der in seinem Leben so ziemlich jede Position vertreten hat, die sich in seiner Partei finden lässt. Diese Beliebigkeit wird gerne mit Pragmatismus verwechselt, macht ihn aber in gewissem Maße zu einer beruhigenden Wahl. Wer nicht aus Überzeugung handelt, wird sich den üblichen Gesetzen der Macht entsprechend verhalten. In dieser Erwartung hatte Romney viel höhere Wahlkampfspenden erhalten als seine Konkurrenten.
  2. Zudem sind mit der etwas besseren US-Konjunktur die Wiederwahl-Chancen Obamas gestiegen. Santorum ist noch nicht so alt, daß er nicht auch 2016 in den Ring steigen könnte, wenn er dann noch will. Mit dem Vorteil, im Unterschied zu diesmal von Anfang an als Anwärter ernst genommen zu werden.
  3. Schließlich ist Santorums Tochter Isabella, bei der Trisomie 18 diagnostiziert wurde, in den letzten Wochen wiederholt äußerst schwer erkrankt. Wer US-Präsident werden will, muß zwar scheinbar ein grenzenloses Ego haben und bereit sein, über Leichen zu gehen. So kalt scheint aber Rick Santorum trotzdem nicht zu sein, der in dieser kritischen Situation doch Zeit für seine Tochter braucht. Schon während des Wahlkampfs hatte er immer wieder Termine abgesagt, um Isabella beizustehen.

Für die USA ist es jedenfalls ein Verlust, daß die Wahl zwischen Romney und Obama geschlagen wird. Obama wurde 2008 nicht gegen John McCain, sondern eigentlich gegen George W. Bush gewählt, und auch nicht für ein spezifisches Wahlprogramm, sondern für ein allgemeines Gefühl des Wechsels. Nun hätte sich in den USA die Möglichkeit für einen echten Themenwahlkampf geboten, in denen Obama und sein Gegenkandidat ihre jeweils unterschiedlichen Überzeugungen zu verschiedenen Politikfeldern darlegen. Dazu wird es nun nicht kommen, auch wenn Obama-affine Journalisten von der unmittelbaren Bedrohung durch menschenfressende Republikaner berichten werden.

Gegen das politische Chamäleon Romney wirkt Obama tatsächlich wie ein Mann mit Prinzipien. Daß diese Prinzipien oft gefährlich sind, wie sein Beharren auf gezielte Tötungen sogar eigener Staatsbürger im Ausland oder seine Angriffe auf die Religions- und Gewissensfreiheit zeigen, ist eine andere Sache. Aber ob Romney es besser mache würde? Gute Frage. Und in der Vergangenheit haben sich zu viele Gemeinsamkeiten in ihrer praktischen Politik ergeben – Stichwort Gesundheitsreform –, als daß sich ein Wechsel selbst für den Obama-kritischen Wähler lohnt, wenn die Alternative eben Mitt Romney heißt.

Für Rick Santorum eröffnen sich nach seiner durchaus beachteten Rückkehr auf die politische Bühne jedenfalls Optionen: Er kann in einer etwaigen Regierung Romney genauso eine Rolle spielen wie bei einem Wahlsieg Obamas zum konservativen Bannerträger werden. Oder doch wieder etwas anderes tun, wie Mike Huckabee, der 2008 recht lange gegen McCain im Rennen blieb, dann aber als Fernseh- und Radiomoderator und Journalist ein neues Betätigungsfeld fand, bei dem er so erfolgreich war, daß er nun als Alternative zu Rush Limbaugh eine Talk Show im Radio erhalten hat.

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