Wozu gibt es eigentlich eine staatliche Ehe?


Wenn es darum geht, die (obligatorische) Zivilehe gegen ihre Relativierung oder Aushöhlung zu verteidigen, sind wir Christen oft zur Stelle und treten für die Ehe als dauernde Gemeinschaft von Mann und Frau ein.

Ich bin mir aber da nicht so sicher, ob uns nicht die Okkupation des Begriffs der Ehe durch den Gesetzgeber ein wenig in die Irre führt. Im frühen Mittelalter wäre niemand auf die Idee gekommen, daß für das Zustandekommen einer Ehe die Sanktion der Obrigkeit notwendig wäre.Vielmehr stellte man zuerst auf gewisse öffentliche Handlungen ab, die den Zusammenschluß der Brautleute für die Gemeinschaft nach außen dokumentierten. Später setzte sich die christliche Sicht durch, daß es der Konsens der Brautleute wäre, der ja die sakramentale Ehe begründet, der auch für das Rechtsleben maßgeblich wäre. Aber auch da war keine hoheitliche Tätigkeit erforderlich.

Erst seit der Aufklärung, in der die Macht des Staates ausgedehnt und im Sinne eines Paternalismus gerechtfertigt wurde, regelt die staatliche Gewalt die Familiengründung. Seitdem maßt sich der Staat an, die Ehe zu definieren, ihre Voraussetzungen festzulegen und bestimmte Rechte und Pflichten damit zu verbinden. Die schlimmsten Auswüchse davon haben wir in Österreich mit dem nationalsozialistischen Ehegesetz und seine Rassenkriterien erlebt. Ein Ehegesetz, das im wesentlichen noch in Kraft ist.

Ich denke, daß es dem säkularen Staat eigentlich nicht zusteht, den Begriff der Ehe zu verwenden; das, was der Staat so nennt, dieses unter gewissen Voraussetzungen annehmbare Bündel an Rechten und Pflichten, überschneidet sich mit Eigenschaften der echten Ehe, ist aber deswegen mit ihr nicht kongruent. Das gewöhnliche Privatrecht reicht außerdem mMn aus, um die rechtlichen Beziehungen zwischen Menschen im Familienverband durch freie vertragliche Vereinbarung zu regeln.

Vielleicht sollten wir also vielmehr das Ende der Usurpierung der Ehe durch den Staat bekämpfen. Ein erster Schritt wäre dazu zum Beispiel, die Zivilehe von den Standesämtern hin zu den Notaren zu verlagern, um den vertraglichen Charakter zu betonen.

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