Die Episkopalkirche: Immer korrekter, immer weniger


Die offizielle Provinz der Anglikanischen Gemeinschaft in den USA, die Episkopalkirche, hat sich in ihrer jüngsten Generalversammlung wieder mit wichtigen Themen befasst, wie einer Liturgie für die Beerdigung von Haustieren, der Segnung von Beziehungen zweier Personen, die sich dem selben sozialen Geschlecht zugehörig fühlen, oder der Priesterweihe von Personen, die sich einem anderen sozialen Geschlecht zugehörig fühlen, als auf Grund ihrer Natur anzunehmen wäre. (Den Link habe ich leider nicht gefunden) Dazu noch einige Wohlfühl-Resolutionen gegen Rassismus, für höhere Steuern, Öffnung der Grenzen und ein Beschluß über Richtlinien für den respektvollen
Umgang mit heiligen Stätten der Indianer. Alle Beschlüsse kann man hier auf der Website der Generalversammlung nachlesen.

Das klingt alles nach einer Versammlung, wie sie auch nach den Wünschen von Laien- und Pfarrerinitiative nicht anders verlaufen könnte. Und auf so manchem Kirchentag sind Diskussionen und Beschlüsse sehr ähnlich zu den Themen dieser Generalversammlung.

Gleichzeitig befindet sich die Episkopalkirche in einem rasanten Schrumpfungsprozess. 2010 umfasste die Zahl der Gläubigen in den USA 1,96 Millionen. 1966 waren es noch 3,6 Millionen. Eine besondere Austrittswelle erfasste die Episkopalkirche nach der Bischofsweihe von Gene Robinson, der geschieden ist und eine zivilrechtliche Gemeinschaft mit seinem männlichen Lebensgefährten eingegangen ist. Seitdem haben ganze Pfarren die Episkopalkirche verlassen und sich anderen Provinzen der Anglikanischen Gemeinschaft unterstellt – was nach dem Kirchenrecht der Anglikaner eigentlich nicht geht –, und andere Mitglieder der Episkopalkirche gleich eigene Kirchen gegründet. Manche führen das auf bloß demographische Faktoren zurück, doch andere, wie New-York-Times-Kolumnist Ross Douthat, sehen einen inhaltlichen Trend:

But if conservative Christianity has often been compromised, liberal Christianity has simply collapsed. Practically every denomination — Methodist, Lutheran, Presbyterian — that has tried to adapt itself to contemporary liberal values has seen an Episcopal-style plunge in church attendance. Within the Catholic Church, too, the most progressive-minded religious orders have often failed to generate the vocations necessary to sustain themselves.

Das ist alles nicht fern von uns. Das ist genau die Situation, in der sich in Deutschland und Österreich Katholiken und Evangelische befinden. Beide waren, wie die Episkopalkirche und andere WASP-Konfessionen in den USA, die Establishment-Kirchen, die sich in den Sechziger und Siebziger Jahren mit der herrschenden Ideologie angefreundet haben, und nun immer noch die Kämpfe jener Zeit austragen. In der Katholischen Kirche mit dem gewissen Vorteil einer festgeschriebenen Tradition und Lehre, die verhindert, daß jeder Unsinn aus einem Kirchentag oder einer anderen Versammlung zum offiziellen Kirchengesetz erhoben wird. In den USA sind es Pfingstler und Evangelikale, die von der Säkularisierung der Establishment-Konfessionen profitieren. Wer wird es bei uns sein?

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2 Gedanken zu “Die Episkopalkirche: Immer korrekter, immer weniger

  1. grundgütiger! Solche Themen in einer Generalversammlung einer christlichen Kirche. Das macht einen doch irgendwie sprachlos. Das diese Leute wie selbstverständlich an der Gender Mainstreaming Ideologie partizipieren, und vom sozialen Geschlecht sprechen, ist verstörend. Alles weiter wirkt so gewollt wichtig, und doch banal, dass man fast schon wieder lachen würde, wenn es nicht so traurig wäre. Interessanter Beitrag.

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