Die zweite Chance


Es ist paradox: Einerseits wird zurecht gesprochen, daß Menschen, die mit dem Recht in Konflikt gekommen sind, eine zweite Chance verdienen. Und davon, daß eine Strafe nicht nur der Abschreckung, sondern auch der Spezialprävention dient; sie verfolgt also eine Besserungsabsicht.

Und doch kann man leicht einer irdischen Verdammnis anheimfallen, die keine Erlösung zulässt. Zum (vergleichsweise harmlosen) Beispiel, wenn man für einen politischen Gegner arbeitet. Der Wiener Grüne Stadrat Ellensohn kritisiert die Wiener FPÖ, weil sie jemanden als Chauffeur beschäftigt, der wegen einer Straftat verurteilt worden, und höhnt, daß das falsch verstandene Resozialisierung sei. Was immer dann richtig verstandene Resozialisierung wäre.

Drastischer war da die deutsche „Bayreuth-Affäre“ in der der russische Sänger Jewegeni Nikitin von den Wagner-Schwestern kurz vor der Premiere des Fliegenden Holländers aus der Titelrolle bugsiert wurde, weil er sich als Schlagzeuger einer Heavy-Metal-Band mit 16 eine Hakenkreuz-Tätowierung stechen ließ, was er aber als Erwachsener bereute und sie daher quasi zumalen ließ. Nix mit zweiter Chance, wer einmal auf Abwege geraten ist, darf nicht mehr zurück, so das Urteheit wurde wenigstens von einigen aufgegriffen, so von Klaus Bachler, Intendant der Bayerischen Staatsoper.

Laut Katharina Wagner haben übrigens ehemalige Stasi-Mitarbeiter sehr wohl eine zweite Chance verdient, wie sie in bezug auf den Bayreuther Festspielsprecher Peter Emmerich festhielt.

Ich könnte jetzt noch Dutzende Beispiele aus Politik, Wirtschaft und auch der Kirchenberichterstattung nennen. Offensichtlich hört die Begeisterung für die zweite Chance schnell auf, wenn es um Personen geht, die nicht zum eigenen Kreis gehören. Was aus säkularer Sicht auch insoweit eine Logik hat: Ohne Christus gibt es eben keine Vergebung der Sünden, mag man seine Taten noch so sehr bereuen.

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