Mein Fleisch, mein Blut


Diesen Sonntag wurde in der hl. Messe eine eindrucksvolle Stelle aus dem Evangelium des Johannes gelesen: Jesus drückt nicht herum, versucht nicht, seine Botschaft zu entschärfen oder für die Ohren seiner Zuhörer angenehmer zu machen, sondern verkündet seine Rolle als Erlöser der Menschen:

„Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.“

Nächsten Sonntag wird die Fortsetzung dieser Stelle gelesen, in der Jesus noch deutlicher wird:

„Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.“

Nach diesen Worten verließen ihn viele Jünger, weil sie die Rede Jesu unerträglich fanden. So ist das: Die Wahrheit ist für viele Menschen unerträglich, wenn sie die gewohnten Bahnen sprengt, den Erklärmustern zuwiderläuft, die man sich zurechtgelegt hat. Im Rückblick können wir darin freilich die deutlichste Rede über das Sakrament der Eucharistie hören, die in den Evangelien zu finden ist. Der direkte Vergleich mit dem Manna in der Wüste (Joh 6,58) zeigt, daß man sich nicht mit einer bloß figurativen Interpretation herauswinden sollte.

Für den bekannten katholischen Theologen Scott Hahn war dieser Teil des Johannes-Evangeliums ein Schlüssel für seinen Weg aus seinem angestammten Presbyterianismus hin zur Katholischen Kirche. Die Zuhörer wandten sich ab, viele seiner Jünger wandten sich ab, weil sie Jesu Aussagen offensichtlich nicht als bloße Bildsprache verstanden. Sie fragen sich: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ (Joh 6,52b) Jesus klärt niemanden über diesen vermeintlichen Irrtum auf, sondern fragt vielmehr die Apostel, ob sie ihn auch verlassen würden. Hahn:

He says, “Are you going to leave me too?” He doesn’t say, “Do you understand I only meant it as a symbol?” No! He says that the truth is what sets us free, I have taught the truth. What are you going to do about it? Peter stands up and speaks out; he says, “To whom shall we go? You alone have the words of eternal life and we’ve come to believe.” Peter’s statement, “To whom shall we go?” implies that, “You know, Jesus, we don’t understand what you mean either, but do you have another Rabbi on the scene you can recommend? You know, to whom shall we go? It’s too late for us; we believe whatever you say even if we don’t understand it fully, and if you say we have to eat your flesh and drink your blood, then somehow you’ll give us the grace we need to accept your words at face value.” He didn’t mean it figuratively.

Nein, er meint es nicht bloß bildlich, sondern auch unmittelbar: Er schenkt sich uns wirklich in Speise und Trank. Augustinus schreibt dazu in seinem Johannes-Kommentar:

Bei dieser Speise und diesem Trank aber, d.h. beim Leibe und Blute des Herrn, ist es anders. Denn sowohl derjenige, der sie nicht nimmt, hat das Leben nicht, als auch derjenige, der sie nimmt, hat das Leben, und zwar das ewige. Unter dieser Speise also und diesem Tranke will er die Gemeinschaft des Lebens und seiner Glieder verstanden wissen, d.i. die heilige Kirche in seinen vorherbestimmten, berufenen, gerechtfertigten, verherrlichten Heiligen und Gläubigen. Davon ist das erste schon geschehen, nämlich die Vorherbestimmung; das zweite und dritte ist geschehen, geschieht und wird geschehen, nämlich die Berufung und Rechtfertigung, das vierte aber wird erhofft, wird jedoch in Wirklichkeit erst in der Zukunft stattfinden, nämlich die Verherrlichung. Das Geheimnis dieser Sache, das ist der Einheit des Leibes und Blutes Christi wird da und dort täglich, da und dort an gewissen Tagen am Tische des Herrn bereitet und vom Tische des Herrn genommen, manchen zum Leben, manchen zum Tod; die Sache selbst aber, die in geheimnisvoller Weise dargestellt wird, ist jedem Menschen zum Heile, keinem zum Verderben, wer immer derselben teilhaft wird.

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