Aljochina, Samuzewitsch, Tolokonnikowa: Es geht nicht bloß um Putin


In Rußland haben also drei Personen, Marija Aljochina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa, lauthals an einem Ort, der einer Religionsgemeinschaft gehört und zum Abhalten derer religiöser Handlungen dient, deren Gastfreundschaft mißbraucht, deren Glauben vulgär beschimpft (den Text dieser Beschimpfung kann man hier nachlesen). Sie haben das in der Christi-Erlöser-Kathedrale in Moskau getan, die ein Symbol für die Verbrechen des Kommunismus und die Überwindung dieses Systems ist, war die Kathedrale doch unter Stalin abgerissen worden, nach der Wende aber mit privaten Spenden wiedererrichtet wurde.

Nun herrscht große Aufregung, weil diese Handlung in Rußland strafbar ist und bestraft wird, obwohl es selbstredend ist, daß diese Handlung auch in anderen Ländern strafbar wäre. In Österreich wäre hier z.B. nach § 189 StGB diese Handlung mit einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder einer Geldstrafe bis 360 Tagsätzen zu bestrafen. In Deutschland scheint der Strafrahmen bis zu drei Jahre zu betragen, in Rußland bis zu sieben Jahre. Die Tat selbst – Störung in einem der Religionsausübung gewidmeten Raum – tritt allerdings in den Hintergrund, weil die drei Personen dabei auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin beleidigt haben. Warum das aber möglicherweise nicht der entscheidende Punkt ist, kann man beim „Thermometer“ nachlesen, einem Blog, das ich durch die Robusta-Abstimmung kennengelernt habe.

Man kann sich ja vielleicht so leichter hineinversetzen: Man stelle sich vor, jemand stürmt in den Versammlungsort einer Freikirche, um Christus mit Fäkalworten zu beschimpfen und eine Anti-USA-Litanei zu halten; jemand stürmt in eine Synagoge, stört das Gebet, um irgendein Lied einer Stormfront-Band zu singen; jemand stürmt ungebeten in die Wohnung des Lesers, beschimpft ihn wüst, stellt das Ergebnis auf YouTube und beschwert sich dann, daß er aus der Wohnung wieder hinauskomplimentiert worden ist. Paßt nicht genau, aber macht vielleicht klar, warum das Ganze nicht so harmlos ist, wie es vielleicht ausschaut.

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