Blaise Pascal


Ich habe leider zu spät bemerkt, daß sich am 19. August der Todestag des großen Mathematikers, Philosophen, Naturwissenschaftlers Blaise Pascal zum 350. mal jährt. Pascal war eine vielfältige Persönlichkeit von brillanter Intelligenz, wachem Verstand und seit frühester Kindheit schwacher Gesundheit (Rollenspieler hätten wohl gesagt: Constitution was his dump-stat). In seinem kurzen Leben, das nur 39 Jahre umspannte, gelangen ihm auf vielen Gebieten wesentliche Erkenntisse. Er bewies, daß der Luftdruck je nach Höhe eines Ortes variiert, weswegen die SI-Einheit des Drucks nach ihm benannt ist; erfand eine funktionierende mechanische Rechenmaschine („Pascaline“), deren größere Verbreitung letztlich an der mangelnden Präzision der damaligen Mechanik scheiterte; arbeitete über Wahrscheinlichkeitsrechnung und Kombinatorik – nicht zufällig ist das Pascalsche Dreieck nach ihm benannt. Damit sind seine mathematischen und naturwissenschaftlichen Entdeckungen noch nicht erschöpft.

Und doch war er auch ein tiefgründiger Philosoph, der sich von einem säkularen in mehreren Schritten in einen gläubigen Menschen wandelte, der eine geradezu existentialistische, aber keineswegs hoffnunglose Betrachtung der Welt entwickelte. Sein berühmtester Satz als Philosoph ist wohl: „Das Herz hat seine Gründe (raisons), die der Verstand (raison) nicht kennt.“ Ein anderer: „Der letzte Schritt der Vernunft ist anzuerkennen, daß es unendlich viele Dinge gibt, die über sie hinausgehen.“ Und doch deutet er nicht annähernd an, wofür der Philosoph Pascal geschätzt wird. Bevor ich mich in einem hastig geschriebenen Artikel verhasple, verweise ich lieber auf andere, die einen Einstieg in diese Gedanken Pascals gewähren:

Der ORF bietet überraschenderweise einen anregenden Text, der immer wieder aus Pascals Pensées zitiert, einer Sammlung von Gedanken, die er für eine umfassende Apologie des Christentums sammelte. Darin wird auch Pascals problematischer Jansenismus kurz beleuchtet, eine damals moderne Lehre, die keine Möglichkeit eines menschlichen Einflusses auf die Erlösung sieht, keine zu Grunde liegende Willensentscheidung oder Willensöffnung, sondern alleine Gottes Gnade als Werkzeug zum Heil wie zur Verweigerung des Heils begreift.

Weniger überraschend: Ein ausführlicher Beitrag in der Tagespost, in dem René Kaufmann über den „herausfordernden Gesprächspartner“ Pascal und seinen Weg zum Christentum nachdenkt, der ein sehr persönlicher Weg war: „Was neben dem mannigfaltigen schöpferischen Wirken des so vielseitig begabten, oft kränkelnden und leidgebeugten genialen Intellektuellen, Polemiker und sensiblen Beobachter an Pascal so ungemein fasziniert und ihn bis in die Gegenwart als herausfordernden Gesprächspartner im religiösen und außerreligiösen Diskurs attraktiv macht, ist die konsequente Rückbindung seines Fragens und Denkens an das persönliche Schicksal des Fragenden.“

Auch der Deutschlandfunk hat sich übrigens des Denkers angenommen und erhebt ihn zum Seelenanalytiker seines Jahrhunderts.

Aus der Blogoezese habe ich bislang nur einen Beitrag in Morgenländers Notizbuch entdeckt, der dafür höchst lesenwert ist.

Schließlich kann man auf Zeno.org in einer alten Ausgabe einer deutschen Übersetzung der Pensées schmöckern. Aber Vorsicht: Gerade im Falle der Pensées des Pascal hat sich im 19. Jahrhundert in der Forschung viel getan, und die Zeno-Ausgabe entspricht schon wegen ihres Alters nicht dem letzten Forschungsstand, es fehlen z.B. Passagen, die in einer modernen Ausgabe zu finden wären.

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