Zum Durchdenken 11


All of our arguments are rationalizations to some degree, because once we reach the point of sophistication and nuance, we have too much invested in the framework to back down easily. None of us are objective truth-seekers, and if one believes he is, then his biases are most dangerous and his ignorance is profound. Our biases are important to understand ourselves and our own intellectual weakness, but what is most relevant is the truth and error contained in our arguments.

Übersetzung: Alle unsere Argumente sind zu einem gewissen Grad Rationalisierungen, denn wenn wir einmal den Punkt denkerischer Gewandheit und feiner Nuancierung erreicht haben, haben wir schon zu viel in unser Gedankengebäude investiert, um einfach so einen Rückzieher zu machen. Niemand von uns sucht objektiv die Wahrheit, und wenn es jemand von sich glaubt, dann ist seine tendenziöse Betrachtung besonders gefährlich und seine Ignoranz abgrundtief. Wie tendenziös wir sind ist wichtig, um uns selbst und unsere eigene intellektuelle Schwäche zu verstehen, aber was am bedeutendsten ist: Die Wahrheit und den Irrtum zu verstehen, die in unseren Argumenten enthalten sind.

— Ein Leser namens Dan Carroll auf dem Wirtschaftsblog von Bryan Caplan.

Anlaß ist ein ein Beispiel in Caplans Blog, das nur in beschränktem Rahmen Überzeugungskraft besitzt und dadurch vor allem seine eigenen Tendenzen und Vorurteile entlarvt.

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3 Gedanken zu “Zum Durchdenken 11

  1. Ein guter Gedanke, den Mr. Carroll da formuliert hat, und gut, dass Sie ihn hier nochmal veröffentlich haben. (Und danke für die Übersetzung…) Was Mr. Carroll da geschrieben hat, fand ich spontan einleuchtend. Offenbar sind wir alle befangen in unserer eigenen Perspektive, die nie das komplexe Ganze umfassen kann. Im Grunde haben wir keine andere Wahl, als Rationalisierungen – die immer auch Verkürzungen beinhalten – anzuwenden. Wie auch, wieviel Zeit haben endliche Wesen wie wir, sich immer umfassend und gewissenhaft mit allen Aspekten eines Themas vertraut zu machen? Und selbst dann… Unsere Weltsicht hat tote Winkel, blinde Flecken, die unserem Denken nicht zugänglich sind. Das ist mehr als nur ein praktisches Problem, es ist die natürliche Begrenztheit der menschlichen Subjektivität. Man mag bedingt durch Wortgewandheit, Bildung, Charisma und Witz mit dem Gefühl nach Hause gehen, eine Diskussion für sich entschieden zu haben, aber man kann doch nie genau Wissen, wieviel Irrtum in dem steckt, was man überzeugend vorgetragen hat. Ich glaube an die Wahrheit, als bekennender Christ, also als Anhänger einer der sogenannten Offenbarungsreligionen wäre es auch seltsam, dies nicht zu tun. ich weiß aber auch, dass Menschen nicht zur absoluten Gewissheit fähig sind. Nunja, einige Gedanken zu dem Text, ob ich Mr. Carrolls Intention damit richtig erfasst habe, sei dahingestellt.

    • Danke für den Kommentar. Ich denke ebenso (rationalisiere vor mir selbst ;-), daß wir gar nichts anders können; unsere Erkenntnisfähigkeit ist begrenzt, unsere Möglichkeit, alles nachzuprüfen, ebenso. Karl Popper hat das zum Beispiel in bezug auf die empirische Wissenschaft in den griffigen Satz gepackt: „Die Wissenschaft baut nicht auf Felsengrund. Eher ist es Sumpfland, über dem sich die kühne Konstruktion ihrer Theorien erhebt; sie ist ein Pfeilerbau, dessen Pfeiler sich von oben her in den Sumpf senken – aber nicht bis zu einem natürlichen, ,gegebenen‘ Grund.“ Und Popper betont in seiner Logik der Forschung auch, daß wir immer von unserer Einstellung, unserer Vorlieben ausgehen, wenn wir Erklärungen zu finden suchen. Wir müssen uns dieser Unzulänglichkeit immer bewußt sein. Im Grunde ein Gedanke, wie er der Mystik insbesondere der Ostkirche immer vertraut war.

      • Interessant, zumal wenn man bedenkt, dass Popper als Positivist weit entfernt davon war, ein Mystiker zu sein. Wir hätten es dann mit einer seltsamen Berührung zweier ganz unterschiedlichen Denkweisen zu tun. Danke für die Antwort.

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