Das unbefriedigende Ende des Falls Lance Armstrong


Der Abschluß des Verfahrens wegen Doping gegen Lance Armstrong ist in jeder Hinsicht unbefriedigend. Ja, er gibt das weitere Anti-Dopingverfahren auf, daß er als unfair und einseitig kritisiert, und dafür werden ihm seine sieben Siege bei der Tour de France aberkannt. Die Rennen, um die es offiziell ging, sind längst Vergangenheit, und es interessiert eigentlich niemanden, wer jetzt bei den sieben Toursiegen von Lance Armstrong stattdessen als Sieger genannt wird. Die Aussagen von zehn Zeugen, die von der US-Antidopingagentur USADA angeblich aufgeboten worden wären, kann man glauben oder auch nicht. Gerüchteweise soll es sich dabei oft um Personen handeln, die selbst wegen Dopingvergehen oder anderer Probleme einen Deal eingegangen sind. Welche Motive sie für die Aussage haben, ob sie die Wahrheit sagen oder nicht, was sie überhaupt gesagt hätten: Niemand wird es erfahren. Tatsache ist auch, daß, was immer Lance Armstrong eingenommen hat oder nicht, jedenfalls bei den damaligen Dopingtests nicht erkannt wurde. Andererseits haben gerade um 2000 sehr viele Radfahrer leistungssteigernde Mittel eingenommen, und manche eben schlauer als andere.  So hat Bode Mille auch nicht unrecht, der getweetet hat:

Das Problem verdeutlicht Philip Bauer im Standard:

Ziehen wir das Jahr 2000 als bestes Beispiel heran, um das Problem einer glaubwürdigen Nachbesetzung zu verdeutlichen. Zweiter wurde damals Ullrich. Wegen Dopings verurteilt. Dahinter Joseba Beloki. In die Affäre Fuentes involviert. Christophe Moreau oder Richard Virenque? Beide mit Festina aufgeflogen. Roberto Heras? EPO! Botero, Escartin, Mancebo: Doping, Doping, Doping. Womit wir bereits beim zehntplatzierten Daniele Nardello wären. Er wurde tatsächlich nie erwischt.

Bauer ist da schon vorsichtig: Nardello wurde nie erwischt. Vielleicht ist der strikte Anti-Doping-Kurs im menschenschindenden Radsport nicht aufrechtzuerhalten, und es wäre vernünftiger, sich auf die gesundheitlichen Folgen des Dopings zu konzentrieren. Sprich: Die besonders gesundheitsschädlichen Formen des Dopings vorrangig zu bekämpfen. Sehr lange ist es ohnehin nicht her, daß stark kontrolliert wird, und was genau eine leistungsfördernde Substanz ist, unterliegt auch immer wieder einer Neudefinition.

Was man Armstrong aber nicht nehmen kann, ist zweifellos sein Einsatz in der Krebsbekämpfung. Als Überlebender einer Krebserkrankung hat er mit seiner Lance Armstrong Stiftung in den USA und vielen anderen Ländern viel Aufklärungs- und Bildungsarbeit zum Thema Krebs, Krebsfrüherkennung usw. geleistet, Geld für Behandlungszentren und mehr aufgestellt. Viele seiner Ansichten sind mir suspekt, und ich kann auch kaum alle Ziele seiner Stiftung gutheißen, aber der Einsatz für krebskranke Menschen ebenso wie der Versuch, ihnen Mut zu machen und den Zugang zu einer Behandlung zu ermöglichen, sind bewunderswert. Es bleibt zu hoffen, daß diese Aktivitäten fortgesetzt werden können, auch wenn die USADA die Arbeit der Stiftung sicher nicht leichter gemacht hat.

Ob er jetzt gedopt hat oder nicht: Er war vorher für mich kein Säulenheiliger, und er ist in meiner Achtung weder gestiegen noch gesunken. Irgendwie ist bei einem Radfahrer der Dopingverdacht ohnehin eingepreist. Aber wie die USADA in dieser Causa vorgegangen ist, läßt jedenfalls ein mulmiges Gefühl zurück.

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